Der Fall "Heulende Hütte" / Gerichtsreport Teil 6

veröffentlicht am 07.05.2007

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Das konnte Lily Evans nicht wirklich ignorieren, aber sie widerstand dem Impuls sich zu ihm umzudrehen.
Der Staatsanwalt, Herr Kirkidaze, wandte sich nun an die Zeugin. „Frau Evans, sie haben zu Protokoll gegeben, dass sie Zeugin einiger Auseinandersetzungen zwischen den Angeklagten und dem Geschädigten waren. Ist das korrekt?“
„Vollkommen.“ antwortete sie brav. Sagte aber sonst nichts.
Sirius Black grinste daraufhin breit.
„Dann schildern sie doch bitte diese Auseinandersetzungen und weshalb sie ihnen auffielen, um sich freiwillig bei der Polizei zu melden.“ forderte Herr Kirkidaze Lily Evans auf.
Lily atmete tief durch, warf sich ihr Haar nach hinten und blickte die Richterin an. „Ich habe im Laufe der beinahe sechs Schuljahre hindurch immer wieder beobachten können, wie Severus Snape und die Tunichtgute, so nennen sich die vier Freunde, also James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew, zusammentrafen. Als sie noch jünger waren, zeigte sich das in Hänseleien auf beiden Seiten. Sie triezten sich wo es nur ging. Manchmal schlugen sie sich auch offen auf dem Schulhof.“
„Stand es dabei immer vier zu eins!?“ fragte die Richterin verwundert.
Lily schüttelte den Kopf. „Nein. Peter und Remus hielten sich meist heraus, taten aber auch nichts, damit es aufhört. Es waren immer James und Sirius, die sich Severus annahmen.“ sie senkte ihren Kopf. „Ich habe mich oft versucht einzumischen, weil irgendjemand etwas tun sollte. Man konnte ja sehen, dass es nicht mehr all zu lange gut geht. Schließlich ist Severus Snape nicht gerade ein Unschuldslamm. Er hat die Schüler in Slytherin alle im Griff. Die meisten Schüler, nicht nur die aus seinem Haus, gingen ihm aus dem Weg. Genauso wie sie den Tunichtguten aus dem Weg gingen. Der kleine entscheidende Unterschied war nur, dass insbesondere James und Sirius in ganz Hogwarts bewundert wurden. James war Kapitän des …“ Lily überlegte kurz. „ Fußballteams und Sirius war der beste Schüler. Abschluss mit Auszeichnung, wissen sie. Severus Snape aber…“ Jetzt drehte sie sich zu dem finsteren jungen Mann um, der unter dem Vorhang seiner schwarzen Haare böse hervorblickte.
Lily sah schnell wieder zur Richterin, als fürchte sie Severus könnte sich auf sie stürzen. „Ja, er war stets unbeliebt und immer ein Einzelgänger.“
„Aber gefährlich?“ fragte plötzlich Herr Lenßen. „Wollten sie das sagen?“
„Gefährlich? Ja, ich denke, dass er das ist. Immer noch.“
„Wissen sie, weshalb die Angeklagten und der Geschädigte sich, gelinde gesagt, nicht ausstehen konnten?“ fragte Herr Kirkidaze.
„Sie untertreiben. Sie hassen sich!“ erwiderte Lily. „Sirius und James hassen Severus Snape und umgedreht.“ Sie schloss ihre Augen. „Ich weiß nicht warum sie sich so hassen. Deshalb habe ich James einmal danach gefragt und er meinte, dass es einfach nur die Tatsache ist, dass Snape existiert.“
„Ich kann nicht glauben, dass du diesen Mistkerl auch noch verteidigst!“ brüllte Sirius Black. „Er hat dich immer beleidigt, sobald du in seiner Nähe warst.“
Lily sah zu Sirius. „Das tut er doch nur, damit er wenigstens bei den Slytherins anerkannt wird.“
„Ich denke du irrst, meine Liebe.“ schnarrt Severus Snape aus dem Hintergrund.
Lily Evans zuckte ihre Schultern. „Es ist kein Geheimnis, dass ich ihn nicht mag und er mich ebenso wenig. Aber ich weiß, dass sich Snape niemals den Beiden gegenüber so unfair aufgeführt hat.“
James Potter schnaubte angewidert, sagte aber nicht einen Ton. Sirius Black hingegen wurde wieder einmal zornig. „Lily, Snape ist schlimmer als James und ich es jemals waren. Du weißt doch gar nicht, wovon du sprichst!“ Black zeigte auf Severus Snape. „Der Typ steckt in so dunklen Geschichten, da würde dir Hören und Sehen vergehen!“
Snape stand von seinem Platz auf. Ganz langsam und kam auf den Tisch der Verteidigung zu. Die Richterin richtete sich abrupt auf und die Gerichtsdiener setzten sich sofort in Bewegung. Aber Snape lächelte nur milde, hob seine Linke zu Abwehr und legte mit seiner freien Hand vor Black ein Stück Pergament. Erst dann ging er zurück zu seinem Platz, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wurde oder irgendjemand einschritt.
Sirius Black faltete das Papier auseinander, blickte darauf, erbleichte und stieß ein Keuchen aus.
Seine Anwältin runzelte ihre Stirn als sie ebenfalls einen Blick darauf warf.
„Geben sie mir das!“ forderte die Richterin die Anwältin auf.
Die stand auf und brachte es zum Richtertisch. „Das ist ohne Bedeutung.“ versuchte sie zu erklären.
Die Richterin blickte darauf, sah wieder auf und Severus Snape an. „Was hat das für eine Bewandtnis?“ wollte sie wissen und hielt das Papier, auf dem weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite etwas geschrieben stand.
Snape zuckte mit seinen Schultern, lächelte böse und blickte kurz zu Peter Pettigrew. „Keine Bewandtnis. Keine Bedeutung.“ erklärte er geheimnisvoll.
„Herr Black, können sie mir das erklären?“
Black nickte. „Ja, ich möchte gestehen.“ sagte Black monoton.
Lily Evans, James Potter, die Anklage, die Richterin und das Publikum starrten ihn überrascht an.
„Ich gestehe, dass ich am 20. März letzten Jahres Severus Snape in die besagte Hütte lockte, um ihn zu töten. Ich kann ihnen keinen Grund nennen, außer dass er gefährlich ist und es besser gewesen wäre, er wäre nicht mehr da.“ sagte Sirius Black, strich sich seine langen Haare aus dem Gesicht und ließ sich seufzend zurückfallen. „James Potter wusste nichts von der Sache und ich habe Remus Lupin nie gesagt, wofür ich ihn missbrauchen wollte.“
„So ein ausgemachter Unsinn!“ rief ein junger, blonder gut aussehender Mann, der in der ersten Reihe des Publikums saß. „Was hast du ihm denn gesagt, Severus?“
Die Richterin sah auf. „Stehen sie doch bitte auf, junger Mann und nennen sie mir ihren Namen!“
„Ich bin Lucius Malfoy, Frau Vorsitzende. Severus Snape ist ein Freund von mir.“
Dieser drehte sich zu Malfoy um. „Reg dich nicht auf, Lucius und vor allem, misch dich nicht in die wichtigen Angelegenheiten unseres Lehrers.“ knurrte er so leise, dass es nur er und die Anwesenden im Publikum hörten. So auch die Reporterin des Nachtpropheten.
„Warum stören sie die Verhandlung?“ wollte die Richterin wissen.
Malfoys Mund war unterdessen aufgeklappt und er blickte entsetzt zu Severus Snape, bevor er nickte. „Ich weiß nicht, entschuldigen sie.“ stammelte er verwirrt.
Ein großer, breitschultriger, älterer Mann neben ihm, bleckte seine gelblichen Zähne und zog Malfoy auf seinen Platz zurück, bevor die Richterin ihn dazu auffordern konnte. Doch sie zuckte die Schultern. „Versuchen sie sich für den Rest der Verhandlung zusammenzureißen!“ ermahnte sie ihn. „Sofern sie nichts dazu beitragen können.“
Lucius Malfoy nickte. Noch immer stand absolutes Entsetzen in dessen Augen.
Severus Snape lächelte wieder, als er sich zu der Richterin umwandte und nun zu Black sah. Der Richterin entging nicht, dass der junge Mann daraufhin nickte, als wollte er etwas bestätigen.
Severus Snape räusperte sich. „Hören sie, Frau Vorsitzende, ich möchte meine Strafanträge zurückziehen! Vor allem gegen die Angeklagten Potter und Lupin!“
Die Richterin sah zu der Zeugin Evans. „Bitte Frau Evans, tauschen sie doch mit Herrn Snape die Plätze.
Lily Evans nickte und nahm hinten Platz, während Snape sich wieder vorne niederließ.
„Mord ist kein Antragsdelikt, Herr Snape. Ich fürchte sie können nichts dagegen tun.“
„Das ist doch so nicht ganz korrekt, Frau Richterin Salesch. Die beiden Mitangeklagten sind doch nur noch lediglich der Körperverletzung angeklagt.“ erwiderte Snape.
Jetzt mischte sich der Staatsanwalt ein. „Auch das können sie nicht mehr selbst beantragen. Und ich sehe keinen Grund die Anklage fallen zu lassen. Sie haben doch selbst gehört, dass Herr Black die Tat eingeräumt hat.“
„Aber Täter ist Sirius Black, nicht James Potter und Remus Lupin. Die Beiden haben doch nichts getan. Potter hat versucht mich zu retten und Lupin stand unter dem Einfluss seiner Krankheit, für die er nichts kann.“ beharrte Severus Snape.
„Was bedeutet der Zettel?“ fragte die Anwältin Blacks.
„Er bedeutet, dass es nichts mehr gibt, was ich den Angeklagten noch vorwerfen könnte. Ich denke, wir sind quitt. Deshalb der leere Zettel.“ erklärte der Geschädigte leise.
„Du bist so was von einem Feigling!“ zischte Tobias Snape von seinem Platz aus. „Warte nur, bis du nach Hause kommst!“
„Herr Nebenkläger!“ donnerte die Richterin. „In meinem Gerichtssaal wird niemand bedroht.“
„Schon gut, Frau Salesch…“ mischte sich Severus Snape ein. „Mein Vater kann mir nichts mehr. Ich habe jetzt einen Ort gefunden, wo ich unterkommen kann und wo man mich akzeptiert. Vielleicht sogar einen Ort, wo ich und mein Wissen nützlich sind.“
„Was?“ Tobias Snape war verwirrt.
„Nun, sagte die Richterin. Hiermit beende ich die Verhandlung und ziehe mich mit den Schöffen zur Beratung zurück.“

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