Theater in der Winkelgasse

veröffentlicht am 19.07.2008

geschrieben von gesaga(Gryffindor)
Bilder von gesaga(Gryffindor)

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(London) In der Winkelgasse eröffnete gestern Abend das Zaubertheater ’Chamberlain Theatre’. Wir waren bei der Premiere dabei und berichten nun von großen Protesten, Standing Ovations und einem Star im Dunkeln. Lesen Sie selbst.

Nach der Bekanntgabe, was in dem seit Jahren leerstehenden Haus am Ende der Winkelgasse entstehen wird, wurde es schnell wieder ruhig um das Projekt. Hinter den Kulissen wurde umso fleißiger weitergearbeitet. Aus dem ehemaligen Testgelände für Besen und andere Fluggeräte entstand nach und nach ein kleines Theater, in dem ab sofort nicht nur Theater gespielt und Ballett getanzt wird, sondern in dem auch private Feiern möglich sind. Selbstverständlich sind auch Opern im Programm enthalten. Das 3-Spartenhaus versucht eine große Lücke im Kulturprogramm der Zaubererwelt zu füllen, ist es doch das Erste seiner Art in England. Vor wenigen Tagen traf sich unser Reporter mit Robert Rescue, dem Besitzer des Chamberlain Theatre, zu einer exklusiven Führung. Bereits das Foyer versprüht mit seiner in schwarz und gold gehaltenen Bar eine angenehm stilvolle Atmosphäre. Weiter geht es zu den Künstlergarderoben. Kleine Zimmer reihen sich aneinander. Jedes ist ausgestattet mit einem großen Spiegel und bequem aussehenden Sitzgelegenheiten. Am Ende des Flures führt eine schwere Tür ins Allerheiligste, auf die Bühne. Hier laufen gerade die letzten Proben für das Eröffnungsstück "Die Tanzhexe". Robert erklärt: „Die Tanzhexe ist ein Stück von Ludwig Thuille. Und obwohl es bereits vor 100 Jahren geschrieben wurde, wartet es bis heute auf seine Uraufführung. Wir haben uns deshalb für dieses Stück entschieden, weil auch die Zauberergemeinschaft solange auf ein Theater gewartet hat.“
Mittlerweile ist der große Augenblick gekommen. Die Spannung im Publikum ist greifbar. Und alle sind sie gekommen, die größten Persönlichkeiten der britischen Zaubererwelt folgten der Einladung. So ist der Saal bis auf den letzten seiner 500 Plätze gefüllt. Der Vorhang öffnet sich, die Spannung steigt und wir sehen – nichts! Aber diese undurchdringliche Dunkelheit stammt nicht von peruanischem Finsternispulver, sondern von ausgeklügelter Muggeltechnik. Langsam dreht ein Techniker an einem Rad, drückt einen weiteren Knopf und taucht die Bühne in kaltes weißes Licht. Eine große weiße Wand steht mittig auf der Bühne. Man sieht den Schatten einer Frau, die den Weg durch die Wand sucht. Ein Messer blitzt auf, ein Schnitt, und schon steht die Startänzerin Barbara, von der "Académie Royale de danse", auf der Bühne.

Ihr Tanz und Spiel fesselt das Publikum und hält es bis zum letzten Moment in Atem. Während des Schlussapplauses fällt die Anspannung sichtbar von den Beteiligten ab. Sie genießen die Standing Ovations, Barbara wird vom Publikum gefeiert und muss siebenmal zum Applaus auf die Bühne kommen, bevor der Vorhang fällt.
Auf der abschließenden Pressekonferenz wurde Robert Rescue folgende Frage gestellt: „Nach dem Bekanntwerden ihres Projektes wurden schnell Proteste laut, dass die Zauberergesellschaft so etwas nicht bedürfe. Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Was sagen Sie ihren Kritikern?“
„Ich lade sie herzlich ein, mein Theater zu besuchen! Wenn sie nach einem Besuch weiterhin der Meinung sind, dass der Zauber, den das Theater auf Menschen ausübt, der magischen Welt nicht würdig ist, steht es ihnen frei, dieser Welt des Scheins den Rücken zu kehren. Ansonsten würde ich mich freuen, Sie in meinem ebenfalls neu gegründeten Theaterclub begrüßen zu dürfen."

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