Tourtagebuch der Schicksalsschwestern / Manchester

veröffentlicht am 12.02.2008

geschrieben von Hermione130(Gryffindor)
Bilder von Hermione130(Gryffindor)

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Manchester

Oh man, was für ein Tag, kann ich da heute nur sagen. Das Konzert hier in Manchester war ein grandioser Erfolg, trotz des Schreckens, den die „Schwestern“, mich (Kjell Finley) eingeschlossen, heute erlebt haben und ich kann nur sagen, dass der Schreck immer noch tief in meinen Gliedern steckt.
Alles begann heute früh um 3:00 Uhr. Unser Tourbus war auf dem Weg nach Manchester und wir alle fest am Schlafen, als es plötzlich einen gewaltigen Ruck gab, wir alle aus unseren Betten und kreuz und quer durch den Bus flogen und es sich alles um uns herum drehte. Noch nicht ganz wach, konnte ich mich überhaupt nicht orientieren, wo nun oben oder unten war. Nach ein paar weiteren heftigen Schleudergängen kam der Bus mit einem starken Ruck zum stehen. Benommen schaute ich mich im Bus um und was ich sah, war einfach nur furchtbar. Überall lagen Sachen verstreut in der Gegend herum, Glasscherben verteilten sich auf dem Boden. Dann fiel mein Blick auf die „Schwestern“, die sich einer nach dem anderen versuchten hochzurappeln. Sie sahen ebenfalls alle sehr geschockt und ziemlich blass aus. Manche von ihnen waren verletzt und begannen langsam aus dem Buswrack ins Freie zu klettern. Draußen begutachteten sie ihre Verletzungen und befanden sie als nicht so schlimm. Lediglich ein paar Kratzer, gab Leadsänger Myron an. Doch oh Schreck, da fehlte doch einer? Moment ich muss noch einmal nachzählen, 1…2…5....7…hmm, wo ist Nr. 8, wo ist Orsino Thruston? Ich rannte zurück in den Bus und schaute wild umher. Dann sah ich plötzlich unter den Stühlen eingekeilt eine Hand hervorluken. Schreiend alarmierte ich die anderen, die auch sofort herbeigestürzt kamen. Doch was sich uns dann bot, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Orsino lag leichenblass und blutüberströmt zwischen zwei Stühlen eingeklemmt. Er sah aus wie tot, mein Gott, mir wurde plötzlich so speiübel. Mayron Wagtail löste sich aus seiner Erstarrung und tastete nach dem Puls am Hals und meinte, da wäre was, das sich wie ein schwacher Pulsschlag anfühlen würde. Doch was tun? Da kam plötzlich der Busfahrer zu uns und meinte, er habe schon an St. Mungo’s eine Nachricht geschickt und es müsse jeden Augenblick jemand erscheinen, außerdem hätte er einen zweiten Bus nachgefordert.
Und just in dem Moment, gab es draußen einen Knall und ein Zischen, eilige Schritte kamen näher und dann tauchten auch schon jede Menge grüner Umhänge auf, die sich jeden von uns schnappten und nach draußen brachten, um sich die Wunden anzuschauen. Doch unsere Gedanken kreisten die ganze Zeit um Orsino. Dann brachten sie ihn auf einer Trage raus, und sein Anblick zerriss uns fast das Herz. Myron rannte zu ihm hin, doch wurde er schnell von zwei Heilern zurückgeholt. Man versicherte ihm, dass sich Herr Thruston in einem ziemlich kritischen Zustand befände und man ihn deswegen so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen müsse, man würde ihnen später Bescheid geben. Und schwupps waren sie auch schon weg.
Myron saß da wie ein Häufchen Elend und auch die anderen „Schwestern“ saßen stumm und mit leeren Augen vor sich hinstarrend da. Keiner sagte etwas. Nach kurzer Zeit waren die Wunden versorgt und die Schwestern gespickt mit Pflastern und Verbänden in allen möglichen Farben.
Einen Moment später traf der zweite Tourbus ein. Mit einem mulmigen Gefühl bestiegen wir ihn und fuhren schweigend Richtung Manchester davon. Was sollte denn nun aus unserem Konzert werden? Die meisten verletzt, unser Schlagzeuger im Krankenhaus…das sah nicht gut aus. Und dann zu allem Überdruss rief auch noch der Manager Devin Ryan an. Er erkundigte sich nach der Lage und meinte dann, dass das Konzert stattzufinden habe, schließlich wäre Manchester nicht irgendeine Stadt, sondern die Stadt überhaupt. Und den Verlust von Orsino Thruston würde man doch schon irgendwie ausgleichen können. Mehr habe ich von dem Gespräch leider nicht mitbekommen, weil Mayron sich dann in den hintersten Teil des Busses verzog. Man hörte lediglich ab und zu ein paar lautere hitzige Wortfetzen. Nach etlichen Minuten kam er wieder hervor und steuerte direkt auf mich zu. Owei, was denn jetzt, dachte ich bei mir. Und dann ließ er die Bombe platzen. „Tja Kjell, also wie soll ich das sagen…hmmm…Devin meinte…ja also…Du sollst für Orsino eeinspringen, da du ja Schlagzeug spielen kannst.“ Was glaubt ihr wie mir da fast das Herz in die Hose gerutscht wäre. Ich beteuerte, dass ich das doch gar nicht könne und auch gar nicht so gut sei, aber leider nützte das alles nichts. Ich war nun offiziell der neue Ersatz für Orsino Thruston. Na bravo.
Die letzten Fahrtmeilen bis Manchester verliefen in tiefstem Schweigen und in wachem Zustand, denn schlafen konnte eh keiner mehr, nach dem was passiert ist. Wir erreichten gegen 11:00 Uhr schließlich Manchester. Normalerweise verschlägt es einem schon den Atem, wenn man die zweitgrößte (konkurriert mit Birmingham darum) Metropole Englands betritt, aber die „Schwestern“ registrierten es kaum, dass wir eingetrudelt waren. So sahen sie auch nicht die wunderschönen Kanäle, welche eigens gebaut wurden, um Manchester zu einer eigenständigen Hafenstadt zu machen und von der Abhängigkeit zu Liverpool zu lösen. Ansonsten sah man hier in Manchester Neu- und Altbauten nebeneinander bestehen. Auch die gewaltigen Parkanlagen oder Picadilly Gardens waren unglaublich schön. Manchester ist aber auch ein sehr bedeutendes Kulturzentrum. Es hat zahlreiche Maler und v.a. Musiker hervorgebracht, z.B. die Muggelsänger Oasis oder Simply Red. Des Weiteren kann man hier zahlreiche Galerien bewundern und einkaufen, was das Herz begehrt, denn dafür ist die Stadt bekannt. Tremlett sollte von hier seiner Frau eigentlich etwas aus der King Street mitbringen, dies ist die bekannteste und teuerste Einkaufsmeile in dieser Stadt, aber da muss seine Frau wohl diesmal drauf verzichten, denn wenn ich mir Tremlett so anschaue, glaube ich, hat er derzeit ganz andere Sorgen. Auch als wir durch Chinatown hindurch fuhren, was wirklich beeindruckend war, blickten die „Schwestern“ mit leerem Blick in die Ferne. So erreichten wir das Palace Theatre, unsere Konzertstätte. Wie im Trance verließen die Schwestern den Bus und betraten das Theater. Und ich musste sagen, wow, was für ein Anblick.
Devin Ryan erwartete die „Schwestern“ schon und trieb sie an, mit den Proben zu beginnen. Halbherzig packten die sieben ihre Instrumente aus. Devin war da unbarmherzig. Ich hatte es von Myron für einen schlechten Scherz gehalten, dass ich Orsino Thruston ersetzen sollte, aber als ich die Schlagstöcke in die Hand gedrückt bekam und meine Position einnehmen sollte, da wurde mir ja ganz anders. Ich kannte ihre Lieder ja nun schon wie im Schlaf und ja es stimmte, ich kann Schlagzeug spielen, aber auf der Bühne, also ich weiß nicht…Und dann fing die Probe an. Aber was war das? Statt einen fetzigen „Do the Hippogriff“ hinzulegen ertönte nur ein müdes trauriges Gedudel. Und Ryan flippte fast schon aus. Er war kurz davor die Musiker anzuraunzen, da klingelte das Telefon. Nach Beendigung des Gespräches schrie er den Schwestern zu, dass Orsino Thruston’s Zustand nicht mehr kritisch wäre und er ließe ausrichten, dass sie heute beim Konzert alles geben sollten. Das ließen sich die „Schwestern“ nicht zweimal sagen und legten los. Nach zwei Stunden Probezeit war Devin zufrieden und entließ sie zu einem ausgiebigen Dinner.
Um 20:15 Uhr fing das Konzert in einer ausverkauften Halle, na ja es war ja eher ein Theater, an. Ich war natürlich super aufgeregt, was sich allerdings während des Konzertes drastisch legte. Mit ihren Pflastern und Bandagen sprangen sie auf die Bühne und begeisterten auch hier in Manchester das Publikum. Nach einer fast dreistündigen Show mit einer wieder mal hervorragenden musikalischen Meisterleistung und vielen Zugaben, enterten die „Schwestern“ wieder ihren Tourbus und diesmal konnten sie vor Müdigkeit und Erschöpfung nur noch in ihre Betten fallen. Na dann, auf zum nächsten Ziel.

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