Interview mit der weltbekannten Hauspflanzen-Expertin Prof. Dr. Floriana Bloemtuin

veröffentlicht am 31.03.2020

geschrieben von yellow(Gryffindor)
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Ihre Eule bringt nicht nur Briefe, sondern auch tote Mäuse nach Hause? Ihre Kröte beginnt mitten in der Nacht ohrenbetäubend zu quaken und Ihr Streeler kroch mal wieder verbotenerweise über das Gemüsebeet? Mit einer Hauspflanze wäre das alles nicht passiert! Und damit meine ich nicht eine langweilige Zimmerpflanze, die in ihrem Topf in der Ecke steht, sondern ein Exemplar der Gattung Amicadomum. Der Tagesprophet hatte die einmalige Gelegenheit, eine Koryphäe dieses Fachgebietes zu treffen. Unsere Begegnung möchte ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten.

Guten Tag Frau Prof. Dr. Floriana Bloemtuin. Besten Dank, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben.
Das mach ich doch gerne. Ich freue mich immer sehr, wenn sich jemand für meine Lieblinge interessiert! Nennen Sie mich bitte einfach Flora. Möchten Sie einen Tee?
Ohne meine Antwort abzuwarten ruft Flora Richtung Küche:
Gundula, bringst Du unserem Gast bitte einen Tee?


Danke. Ähm, wo bin ich stehen geblieben? Ach ja, genau: Wir möchten uns gerne mit ihnen über die Vor- und Nachteile von Hauspflanzen unterhalten. Was denken Sie, w…
(fällt mir ins Wort) Nachteile? Nene, mein Freund, Hauspflanzen haben keine Nachteile! (zur mittlerweile unbemerkt in den Raum gekrochenen Liane gewandt) Stimmt’s, Liebes? Oh, danke für den Tee!
Die Pflanze schleppt eine mittlerweile zur Hälfte ausgeschüttete Teekanne hinter sich her und macht sich daran, auf den Sessel zu kriechen.
Darf ich vorstellen, das ist Gundula, meine zutraulichste Hauspflanze.
Ich bin etwas überrumpelt und murmle ein unverständliches "Guten Tag Pflanze".
Keine Angst, sie beißt nicht, Sie dürfen ihr ruhig die Hand reichen.
Die Pflanze, die sich inzwischen mitsamt ihrem Töpfchen auf Floras Schoß gerankt hat, streckt mir eines ihrer Ästchen entgegen.


Oh, sie scheint uns zu verstehen!
Vorsichtig strecke ich meine Hand aus, welche sofort von einigen Blättern umwickelt wird.
Aber sicher versteht sie uns. Gundula hört fließend Deutsch, Englisch, Holländisch, Latein, Rätoromanisch, Klingonisch…. Die Pflanze schüttelt sich und ein lautes Rascheln ist zu hören. Nur an der Aussprache üben wir noch.
Ein Geräusch lässt mich zur Tür blicken, wo ich gerade noch etwas Grünes verschwinden sehe. Flora folgt meinem Blick.
Oh, das war Gustav. Er ist sehr neugierig, aber auch recht scheu, mehr werden Sie von ihm heute wohl nicht zu Gesicht bekommen.


Wie viele Hauspflanzen haben Sie denn?
Momentan wohnen wir hier zu siebt. Aber das ändert sich immer mal wieder, da ich einige meiner jungen Pflänzchen jeweils weitergebe an befreundete Pflanzenfreunde, die sich einen liebenswürdigen und pflegeleichten Mitbewohner wünschen.


Pflegeleicht?
Mein Blick wandert zur Erdspur, die Gundula mit ihrem Töpfchen durch die Wohnung gezogen hat.

Es braucht ein Weilchen, bis die Pflänzchen stubenrein sind. Im jugendlichen Leichtsinn vergessen sie halt ab und zu, ihr Töpfchen auszuziehen, bevor sie die Wohnung betreten. Gundula ist mit ihren zarten fünfundzwanzig Sommern eben noch ein pflanzliches Kleinkind, da kann man nicht so streng sein. Flora tätschelt das Pflänzchen, welches sich inzwischen auf dem Schoß der alten Dame zusammengerollt hat.


Was muss denn bei der artgerechten Haltung einer Amicadomum beachtet werden?
Die Pflanzen sind sehr genügsam, sie brauchen nur Zugang zu frischem Wasser und ein hübsches Sonnenbadeplätzchen. Außerdem sollte man ihnen auch viel Auslauf bieten. Wenn sie etwas älter sind, erfreuen sie ihren Besitzer regelmäßig mit hübschen Blüten und frischen Früchten! Genauso wie bei uns Zauberern gibt es unterschiedliche Charaktere: Die einen lieben es, mit ihrem Besitzer zu spielen oder zu kuscheln, andere leben eher zurückgezogen. Die Pflanzen haben ein sehr gutes Gespür für Menschen, daher lass ich meine Schützlinge ihren zukünftigen Mitbewohner selbst wählen und nicht umgekehrt.
Ich spüre etwas an meinem Bein vorbeihuschen und kann bei genauerem Hinsehen gerade noch erkennen, wie sich Gustav wieder hinter dem Sofa versteckt…

Leserbriefe


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