Tourtagebuch der Schicksalsschwestern: Sheffield

veröffentlicht am 14.01.2008

geschrieben von Hermione130(Gryffindor)
Bilder von Hermione130(Gryffindor)

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Sheffield

So, hier bin ich nun wieder, der reisende Schicksalsschwestern-Tagebuch führende exzellente Kjell Finley. Nach den grandiosen Tourneeauftakterfolgen in Bristol und London und den ausverkauften Konzerten in Birmingham und Wakefield, sind wir heute in Sheffield eingetroffen.
Ach ja, Sheffield, da kommen doch gleich wieder Kindheitserinnerungen in mir hoch…na ja, aber nun zu den Schicksalsschwestern. Heute Morgen in aller Frühe trafen wir todmüde mit unserem Tourbus in dem kleinen Städtchen Sheffield ein. Es liegt im Herzen von South Yorkshire im Norden Englands, ist eines der grünsten Städte überhaupt und bildet den Ort, an dem die wichtigsten fünf Flüsse Englands (Don, Sheaf, Rivelin, Loxley und Porter) zusammenfließen. Im Westen findet man den Peak District Nationalpark, der die grünste und schönste Landschaft darstellt, nach Aussagen unseres Gittaristen Kirley Duke, und das will schon was heißen.
Früher war Sheffield übrigens führend in der Stahlindustrie, bevor es sich heutzutage zu einem führenden Dienstleistungsgewerbe entwickelte.
Nach einem wirklich britischen Frühstück, wollten es sich die Schicksalsschwestern nicht nehmen lassen, einen Rundgang durch Sheffield zu wagen. Allerdings gestaltete sich dieses Vorhaben recht schwierig, denn überall auf den Straßen eilten die Kids kreischend herbei, mir dröhnen jetzt noch alle Ohren, um Autogramme von ihren Lieblingen zu erhalten. Umringt von Massen an Leuten, wo die wohl alle herkommen, begannen wir unseren Rundgang durch Sheffield am Bishop’s Haus.
Dieses ist wohl das älteste Fachwerkhaus und wurde so ungefähr im 15. Jahrhundert erbaut. Weiter ging’s in Richtung „National Centre for Popular Music“. Ja nun wisst ihr, warum wir Sheffield als Konzertstadt ausgesucht haben. Es ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Zentren für die Entstehung der Rock- und Popmusik. Der Muggelsänger Joe Cocker oder die Arctic Monkeys z.B. stammen von hier, wie mir Myron Wagtail erzählte. Aber auch Muggel-Filmstars wie den Monty-Python Komiker Michael Palin hat Sheffield hervorgebracht.
So, unser nächstes Ziel sind die Attercliffe Chapel, eine unheimlich schöne gotische Kapelle, die so um 1629 erbaut wurde und die Beauchief Abbay, ein Kloster, das um 1178 erbaut wurde und früher einmal dem Prämonstratenser-Orden gehörte, sich heutzutage allerdings im Privatbesitz befindet. Nach einem weiteren längeren Marsch und immer mehr kreischender Teenies, erreichen wir die Sheffield Kathedrale, welche die Band unbedingt von innen sehen wollte. Man, ist das eine schöne Akustik in dieser Kirche.
Und ob ihr es glaubt oder nicht, die Band war so hin und weg, dass sie spontan ein Lied a capella anstimmten, was meint ihr, wie die Meute draußen tobte. Durch einen Hinterausgang schlichen wir später hinaus, um wenigstens in Ruhe den Rundgang beenden zu können und, um uns noch die Ruinen des berühmten Sheffield Castles anzuschauen, welches leider 1648 niedergebrannt ist.
Doch die Ruhe dauerte nicht lange, denn als wir an der Town Hall vorbeischlenderten, mit ein paar Bockwürsten in den Händen, und uns die ersten sonnetankenden Studenten erblickten, waren diese auch nicht mehr zu halten und stürmten auf uns ein, so viel also zu dem Namen des Gartens: „Peaceful Garden“. Haha.
Aber dann wurde es plötzlich hektisch, als der Manager Devin Ryan auf die Uhr schaute und merkte, dass es schon sehr spät (15.00 Uhr) geworden war. Mit Eile trieb er unsere „Schwestern“ nun Richtung Crucible Theatre, dem Ort, wo heute Abend pünktlich um 20.00 Uhr das Konzert starten sollte. Und wie soll es auch anders sein, es ist ebenfalls ausverkauft.
Nach einem kurzen Abendsnack und langen Proben, war es dann soweit. Schon ab 16.00 Uhr hatte sich eine Schar junger Teenies eingefunden und brüllte und kreischte, was das Zeug hielt. Einige haben auch schon ein paar Lieder angestimmt, die allerdings schon sehr fremd klangen.
Der Auftritt rückte immer näher, die Stimmung vor den Toren wurde immer schwungvoller und erreichte kurz vor 19.30 Uhr ihren Höhepunkt. Man konnte es richtig fühlen, diese angespannte Atmosphäre, diese freudige Erwartung. Als dann die Türen endlich aufgingen, kam ein Leben in die mittlerweile riesige Menschenmasse. Alle rannten auf die Türen zu, um ja den besten Platz zu ergattern, denn reservierte Sitzplätze gab es nicht.
Kreischende und anfeuernde Rufe hallten alsbald durch den riesengroßen Konzertsaal. Und dann war es endlich so weit, einer nach dem anderen der Schicksalsschwestern betrat die Bühne.
Zuerst tauchte Gideon Crumb und Merton Graves auf, gefolgt von Barbary Tremlett und Thruston, danach betraten Wintringham und Duke die Bühne unter tosendem Applaus und ganz zuletzt folgte unter einem Orkan an Jubelrufen Myron Wagtail. Was dann folgte, kann man mit Worten kaum beschreiben. Eine fast dreistündige Show mit einer wieder Mal hervorragenden musikalischen Meisterleistung. Während sich noch die Menschenmassen bei den ersten zwei Liedern dezent zurückhielten, war spätestens ab dem dritten Lied das Tanz- und Abdance-Fieber ausgebrochen.
Die ganzen Teenies rockten mit, als Myron das Lied: „do the Hippogriff” anstimmte und ab da gab es auch für die Älteren kein Halten mehr. Sie hüpften, rockten und groovten auf ihren engen Platzstellen zu der fetzigen, rockigen, dröhnenden Stimme Myron’s. Und so steigerte sich die Stimmung von einem Lied zum nächsten immer mehr, bis plötzlich in der Mitte des Konzertes Myron von der Bühne sprang und von vielen Händen getragen, durch den Saal schwebte. Das brachte die Stimmung zum Kochen. Als er wieder wohlbehalten auf der Bühne ankam und die letzten Töne verstummt waren, gab es erst einmal eine kurze Pause, damit die erhitzten Gemüter sich etwas erholen konnten.
Nach der Pause folgten ein paar Balladen, im Wechsel mit rockigen spritzigen Liedern.
Und die Menschenmenge war wieder nicht zu bremsen. Hüpfend, Arme schwenkend tanzten sie zu der Musik. Einige Fans sangen sich sogar die Kehle aus dem Leib, sehr zum Leidwesen von meinen Ohren, da diese direkt neben mir standen. Und schon kam das nächste Lied, aber was war das? Nicht Myron kam ans Mikrophon, sondern Barbary und Duke. Und was dann kam, war echt der Hammer. Ein Gitarrenduo par excellence. Es war ein neues Stück, was Barbary eigens für Sheffield komponiert hatte, um der Stadt musikalischen Respekt zu zollen. Und es kam unheimlich gut an, die Menschen tobten und kreischten, was das Zeug hielt.
Die Stimmung nahm erneut, von Lied zu Lied, immer mehr zu, die Spannung und Elektrizität gipfelten in einem weiteren Höhepunkt und entluden sich schließlich gegen 23:30 Uhr, als Myron Wagtail das Lied: „magic works“ anstimmte. Sobald die letzten Töne verklungen waren, brandete ein tosender orkanartiger Beifall auf und überall schrie es lauthals nach Zugaben. Diesem Gefallen kamen die sieben Musiker natürlich gerne nach und gaben zum Schluss des Konzertes noch einige Zugaben u.a. auch „this is the night”, denn die Meute war da gnadenlos.
Erschöpft, vollkommen ausgelaugt, aber mit zufriedenen Mienen, schleppten sich unsere „Schwestern“ gegen 0.00 Uhr morgens Richtung Tourbus.
Nach einer heißen Dusche saßen die Sieben noch ein wenig kuschelig beisammen, um über das Konzert zu sprechen und die Eindrücke des Tages, da sie noch einfach zu aufgedreht waren, trotz Müdigkeit, um direkt ins Bett zu fallen. Weit nach Mitternacht startete der Bus dann Richtung nächste Konzertstadt und nach einer weiteren halben Stunde, verschwand einer nach dem anderen Richtung Schlafkoje, und sank glücklich in seine weichen Kissen zurück. Nach einer weiteren halben Stunde schnarchte es auch schon sehr synchron aus jeder Ecke.

Ja, das war nun der Bericht aus Sheffield. Und übermorgen geht es weiter mit Liverpool.

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