Weihnachtsdekoration in der Nokturngasse löst Eklat aus

veröffentlicht am 24.12.2012

geschrieben von Luke Wood(Gryffindor)

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(London) Ein festlich geschmücktes Geschäft in der Nokturngasse hat jüngst für Unmut gesorgt. Wie unsere Redaktion erfuhr, hatte sich der Betreiber eines Spezialgeschäftes für Zaubertrankzutaten in diesem Jahr etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Es ist immer so dunkel hier“, sagte er zu einem unserer Reporter vor Ort. „Und, na ja, da dachte ich, bringst Du mal etwas Farbe in die Gegend.“ Etwas zu viel Farbe, wie es scheint, denn schon wenige Stunden nach Inbetriebnahme der festlichen Beleuchtung flogen die ersten Eulen mit Beschwerdebriefen im Schnabel beim Inhaber des Ladens ein. „Wissen Sie, meine Frau und mein Sohn und ich, wir waren letztes Jahr in den USA und da haben wir das gesehen und fanden es hübsch und haben es gekauft. Konnten ja nicht wissen, dass alle so dagegen sind.“
Beim Objekt des Anstoßes handelt es sich um eine Lichterkette aus bunt blinkenden Tannenzapfen, die quer über das Dach des Geschäftes gespannt wurde und an beiden Enden von je einem überdimensionalen Weihnachtsmann, der auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten sitzt, flankiert wird. Wie uns ein Kenner informierte, ist dies bei Muggeln eine beliebte Art, ihre Häuser zu schmücken. In der Zaubererwelt offenbar nicht.
„Seit 50 Jahren kaufe ich hier ein, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, teilte uns eine ältliche Hexe mit, die wir zu ihrer Meinung befragten, als sie gerade dabei war, eines der Rentiere mit Krötenschleim zu bewerfen. „Da muss man sich wehren und ich hoffe, dass das Ministerium etwas dagegen tut.“ Auch der Inhaber des benachbarten Geschäftes stand unserem Reporter Rede und Antwort: „Ich verstehe nicht, was in ihn gefahren ist. Die Nokturngasse ist seit jeher ein würdiger Ort und kein Vergnügungspark und dann dieser Lärm. Ho-ho-ho, was soll das eigentlich bedeuten, dieses Ho-ho-ho? Würde mich nicht wundern, wenn das Konsequenzen hat.“

Konsequenzen folgten auf dem Fuß, denn noch am selben Abend war der betreffende Ort zur Attraktion geworden und das Geschäft von einer Traube Schaulustiger umstellt, die die Wege versperrten und den normalen Betrieb unmöglich machten. „Jetzt ist man nicht einmal mehr unter sich“, beschwerte sich ein Straßenverkäufer, der einem unserer Reporter vor lauter Wut fast den Schreibblock aus der Hand gerissen haben soll. „Seit Stunden werde ich herumgeschubst und sehen Sie sich das an. All die Menschen, die sonst nicht einmal im Traum daran denken würden, hierher zu kommen und nun haben sie sogar ihre Kinder mitgebracht.“
Als selbst um Mitternacht noch keine Besserung der Lage in Sicht war, zeigte der Inhaber des Geschäftes offenbar ein Einsehen. Doch wie uns unsere Reporter vor Ort berichteten, kam der Mann, bei dem Versuch, seine Dekoration zu entfernen, ins Rutschen und riss dabei den Schlitten, samt Weihnachtsmann und Rentieren, vom Dach. Er selbst überstand den Sturz ohne große Folgen, doch bevor er handeln konnte, hatte sich seine Dekoration selbstständig gemacht.
„Es ist nicht zu glauben“, sagte uns am nächsten Morgen eine Dame, die zwei Straßen entfernt vom Geschehen eine kleine Tinkturei betreibt. „Aber sehen Sie sich diese Zerstörung an.“ Wie wir erfuhren, hatte der Weihnachtsschlitten sich die ganze Nacht hindurch durch die engen Gassen bewegt und Farbbeutel an die Häuserwände geworfen, wodurch das gesamte Einkaufsviertel nun in den hellsten Tönen strahlt. Noch bis Redaktionsschluss waren die Inhaber der Läden mit Aufräumarbeiten beschäftigt, nachdem sie feststellen mussten, dass einfache Zauber zum Entfernen der Farbe keine Wirkung zeigten. Auch die Abteilung für den Missbrauch von Muggelartefakten ermittelt fieberhaft. „Da wird sich wohl einer einen Scherz erlaubt haben“, teilte uns ein Sprecher mit. Ein böser Scherz, vor allem für den Inhaber des betreffenden Geschäftes, der sich nun für die Geschehnisse verantworten muss.

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