Fieser Aprilscherz in Niedersachsen

veröffentlicht am 22.05.2012

geschrieben von Logan(Slytherin)
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Jungmagier-Gang legt Muggel rein



Bockhorn        Für viele Muggel aus dem niedersächsischen Ammerland begann der erste April 2012 mit einer unangenehmen Überraschung. Als sie im ersten Morgengrauen ihre Kühe auf die Weide trieben, erwartete sie ein merkwürdiger Anblick: in zwei großen konzentrischen Kreisen war das Gras über Nacht offenbar von riesigen Maschinen nieder gestampft worden. Das gesamte Erdreich hatte sich innerhalb dieser Ringe um gut fünfzehn Zentimeter gesenkt, das gerade frisch gesprossene Gras war lila verfärbt und im Mittelpunkt der Kreise lagen kleine weiße Steine zu Türmchen aufgeschichtet.
Unverständnis, Chaos und schließlich Panik machten sich breit. Um neun Uhr morgens war das Gebiet bereits weiträumig abgesperrt, Tatortspezialisten von der Muggelpolizei (eine Art gesetzliche Aufsichtsbehörde), Nachrichtenhubschrauber (magielose Flugkugeln) und eine Unmenge Schaulustiger hatten sich versammelt. Den ganzen Tag über wurden Bodenproben entnommen und Theorien aufgestellt. Zur Mittagszeit stand der Urheber für die meisten bereits fest: Außerirdische.

 

Aprilscherz - lilafarbenes Gras


Für uns Zauberer und Hexen ist die Besessenheit der Muggel für Lebensformen außerhalb unserer Erde schwer zu verstehen. Warum schauen sie auf fremde Welten, wenn sie doch verborgene Wesen und Magie direkt vor ihrer Nase haben? Warum glauben sie an kleine grüne (oder graue) Männchen auf dem Mars und intergalaktische Schlachten in riesigen Raumschiffen, sehen aber nicht, was sich vor ihrer eigenen Haustür abspielt? Warum haben sie einen solchen Wissensdrang und sind doch so blind?
Wie dem auch sei, unter den Beobachtern war zufällig auch Ellie Tamaffel, ihren Nachbarn als Biobäuerin bekannt, deren Gemüse „wie durch Zauberei“, schneller, größer und geschmackvoller wächst als das aller anderen. Kein Wunder, denn Ellie ist eine Hexe. Sie erkannte, was den ignoranten Muggeln verborgen blieb: hier waren keine Außerirdischen am Werk gewesen, sondern Magie. Jemand – und Ellie hatte da durchaus schon eine Idee, wer – hatte sich in der letzten Nacht offenbar große Mühe gegeben, einen besonderen Aprilscherz zu entwickeln!
Wohl wissend, dass es keinen Sinn gehabt hätte, mit einem der Verantwortlichen vor Ort zu reden, kontaktierte Ellie das Ministerium. Als die beiden Beamten eingetroffen waren, machten sich alle drei ein Bild von der Lage und beratschlagten dann, was zu tun sei. Vergessenszauber wurden erwogen und wieder verworfen, weil zu viele Muggel bereits Zeugen geworden waren. Schließlich einigte man sich darauf, die Verursacher schnell zu finden und zu bestrafen, die Muggel aber nicht aufzuklären. Das Ganze würde als Sensation ein paar Tage Aufregung in die ländliche Gegend bringen, danach aber vergessen werden, wie immer.
Nun galt es die Täter aufzuspüren. Ellie hatte den Verdacht, dass es sich um eine Jungmagier-Gang aus dem nahen Bockhorn handelte, die schon öfter auffällig geworden war. Fairerweise muss man sagen, dass nicht nur Muggel Opfer ihrer Streiche wurden, sondern auch andere Hexen und Zauberer.
Die fünf Teenager wurden zu Hause aufgesucht und befragt. Sie stritten zunächst jede Beteiligung am Geschehen ab, verwickelten sich aber schnell in Widersprüche. Schließlich gestanden sie unter den drohenden Blicken ihrer Eltern, in der Nacht zum ersten April das Feld mit einem selbst entwickelten Zauber belegt zu haben, der eben jene „Getreidekreise“ entstehen ließ, über die wir anfangs berichteten. Sie wurden zu Sozialstrafen verurteilt und dann der Obhut ihrer Eltern überlassen.
Alina B. (15 J.), Lukas N. (16 J.), Igor W. (15 J.), Emily J. (15 J.) und Naruma K. (16 J.) werden die nächsten acht Wochenenden sowie die Oster-, Pfingst- und Sommerferien mit verschiedenen gemeinnützigen Aufgaben verbringen: Müll einsammeln, Tiergehege putzen und sich als freiwillige Helfer für die Bauern in der Umgebung zur Verfügung stellen. Dabei müssen sie auf Magie gänzlich verzichten.
Hoffen wir, dass sie etwas daraus lernen. Denn noch einmal lassen sich die Bauern von Bockhorn bestimmt nicht ins Bockshorn jagen!   

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