Druckchaos beim Tagespropheten

veröffentlicht am 24.12.2011

geschrieben von Guen Schillerschuppe(Hufflepuff)
Bilder von Guen Schillerschuppe(Hufflepuff)

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London.
Gestern noch erschien die pünktliche Auslieferung dieser Ausgabe des Tagespropheten unmöglich, obwohl alle Artikel fertig waren. Der Albtraum jeder Redaktion war eingetreten.

Als größte Zaubererzeitung Großbritanniens versuchen wir stets, unseren Lesern die Nachrichten immer so aktuell wie möglich zu präsentieren. Damit geht einher, dass mit dem Druck in der Regel bis zum letztmöglichen Zeitpunkt gewartet wird, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können.
Ein hoch engagiertes Team von Hexen und Zauberern arbeitet täglich daran, dass Ihnen mit den morgendlichen Brötchen stets auch eine Eule mit der neusten Ausgabe Ihrer Tageszeitung ins Haus flattert. Ein primärer Bestandteil Ihres Zeitungsvergnügens wird dabei durch die gute Lesbarkeit dieser Zeilen erzeugt. Wer möchte sich schon neben seinem Frühstück darauf konzentrieren müssen, eine schlecht gedruckte Zeitung zu entziffern?
Was also wäre die beste Berichterstattung ohne die passende Drucktechnik? Während das Zaubereiministerium bei der Erstellung seiner Broschüren seit jeher auf die persönliche Methode setzt und jede Seite einzeln durch fähige Hände wandert, sind wir beim Tagespropheten vor einiger Zeit auf eine neue Methode aufmerksam geworden, die es uns ermöglicht, ganz ohne übermäßigen Personaleinsatz viele Seiten auf einmal zu drucken. So können wir uns zu Ihrem Vorteil intensiver auf die Berichterstattung konzentrieren. Bei uns bedrucken seit November nicht mehr Hexen und Zauberer jedes Blatt einzeln.
Diese Aufgabe hat eine Maschine übernommen, die sich unter der Aufsicht von nur einem Zauberer völlig selbstständig um den Druck kümmert. Sie erkennen sicher die Vorteile. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des magischen Journalismus, extra für uns aus Amerika eingeflogen, absolut wartungsfrei und betriebsfreundlich – dachten wir.
Dass selbiges Gerät ein bedauerliches Eigenleben entwickeln kann, wurde uns dann gestern Abend klar, als die neue Ausgabe schon druckreif vor uns lag und auf die Vervielfältigung wartete.
Der zuständige Kollege hatte die Vorlage mit in den Druckraum genommen, während die restlichen Redakteure noch kurz zusammen saßen und bereits für die kommende Ausgabe planten. Dann: ein ohrenbetäubendes Quietschen und Kreischen. Während sich noch alle wunderten, woher diese Geräusche kamen, begannen Seiten unter der Tür durch zu quellen. Im Druckraum fanden wir den Kollegen, heldenhaft seinen Zauberstab gegen die Maschine schwingend, schon fast unter Pergament begraben. Blatt um Blatt schoss aus dem Gerät, blieb für einen Moment fast schwerelos in der Luft hängen und fiel dann zu Boden.

 

Pergamentchaos


Es handelte sich zu unserer Verblüffung nicht um eine Vervielfältigung der aktuellen Ausgabe, sondern um eine Seite in Runenschrift. Bisher sind wir noch nicht dazu gekommen, den Text zu analysieren.
Kein Zauberspruch half. Die Maschine machte immer weiter. Ein Kollege kontaktierte rasch den Erfinder. Leider gingen auch ihm schnell die Lösungsansätze aus, während sich das Pergament immer höher stapelte.
Sie fragen sich, wie das Ganze ausging? Wieso Sie trotz allem einen druckfrischen Tagespropheten in der Hand halten?
Vielleicht könnte man es so beschreiben: In unseren Redaktionsräumen befindet sich noch immer ein riesiger Berg Pergament, der fast den Krater bedeckt, in dem die dampfenden Überreste einer Maschine liegen. Davor stehen viele hastig hergezauberter Tische. Jede Menge Hexen und Zauberer sitzen daran, die so übernächtigt aussehen, als hätten sie tagelang nicht geschlafen.
Die Zeitung, die Sie in den Händen halten, ist das Werk einer Menge an Freiwilligen, die sich die letzte Nacht um die Ohren geschlagen haben, um die Anzahl an benötigten Exemplaren - früher die Arbeit eines halben Tages - in der Hälfte dieser Zeit zu drucken. Ihnen gilt unser Dank.

Was genau unsere Druckmaschine lahm gelegt hat, ist noch ungeklärt. Wir können nur hoffen, dass es sich nur um einen technischen Defekt und nicht um einen Anschlag handelt. Sobald das Chaos beseitigt ist, nehmen wir die Arbeit wieder auf. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Leserbriefe


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