Kürbisse außer Rand und Band!

veröffentlicht am 31.10.2009

geschrieben von Isis(Ravenclaw)
Bilder von Isis(Ravenclaw)

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Liebe Zaubererwelt, so geht es nicht!
Seit Generationen erdulden wir das gleiche, grausame Schicksal!
Es reicht uns! Wir brechen das Schweigen und melden uns hier einmal zu Wort!

Im Namen aller Kürbisse aus der Winkelgasse erhebe ich im Tagespropheten das Wort. Ich habe keinen Namen, ich werde einfach „die Glatte“ genannt und bin zur Sprecherin der Kürbisse ernannt worden, die euch einmal so ein Leben als Halloween-Kürbis darstellen soll:
Zunächst werden die Pflanzen unserer Familie „Muscade de Provence“ wohlbehütet angezogen und aufgezogen, bis sie stark und kräftig geworden sind und blühen. Es dauert nicht lange und dann erblicken wir das Licht der Welt. Sorgsam schaut regelmäßig ein Magier vorbei, um uns mit nährstoffreichem Boden zu versorgen. Man bringt uns täglich liebevolle Aufmerksamkeit entgegen und schaut nach unserem Befinden. Uns wird fast jedes Bedürfnis von der Schale abgelesen, wir werden gehegt und gepflegt, gedüngt und gewässert und bekommen jeden Tag eine ganze Portion Zuwendung. So wachsen und gedeihen wir mit Freude und werden größer und größer. Von unseren Ahnen wissen wir, dass wir etwas Außergewöhnliches sind und eine wichtige Rolle an eurem höchsten magischen Fest spielen. Stolz und mächtig wachsen wir und werden mit Freude dicker und dicker, runder und runder, gelber und gelber. Wir legen all unsere Kraft in unser Wachstum, um euch eine Augenweide zu sein…
Doch dann geht es los! Obwohl wir unser bestes tun, reicht es euch nicht! Da kommt ihr mit eurem Zauberstab vorbei und schlenkert und stupst an uns herum, als ob wir Steine wären!
Ja, ihr wollt sogar, dass wir noch größer und noch mächtiger werden und zwingt uns dazu noch mehr und noch schneller zu wachsen. Uns wird ganz schwindelig, und es führt uns an den Rand unserer Kräfte. Endlich seid ihr zufrieden und wir haben eine kleine Ruhepause, bevor die ersten Schmerzen kommen. Ihr nennt es ernten, doch wir verlieren die Sinne dabei. Erst wenn wir in der Winkelgasse liegen, sind wir wieder bei vollem Bewusstsein. Wir freuen uns sehr, denn wir sind der Meinung, dass wir nun das Schlimmste hinter uns haben. Endlich sind wir in der Winkelgasse und können mit euch Halloween feiern. Voller Freude glänzen wir in der Sonne und zeigen uns von der schönsten Seite.
Aber auch das genügt euch nicht! Schmerzvoll werden wir ausgehöhlt und ihr hört noch nicht einmal unsere Schreie, bevor wir ohnmächtig werden. Warum behandelt ihr uns auf einmal so grausam? Warum werden wir nicht genauso liebevoll wie eure Kniesel oder Knuddelmuffs behandelt? Wir sind auch Lebewesen!
Wenn wir dann wieder zu uns kommen, macht ihr aus unserem Fleisch Gerichte, die euch munden. Dies lässt uns den Schmerz vergessen, den ihr uns angetan habt, denn dadurch halten wir euch am Leben und übernehmen eine wichtige Aufgabe in der Zaubererwelt!
Und was passiert mit unserer kostbaren Schale? Ja selbst jetzt fügt ihr uns noch Schmerzen zu, obwohl wir schon so viel Pein für euch ausgehalten haben. Ihr schnitzt Löcher in unsere ach so empfindlichen Schalen und wieder geht ein Wehklagen durch die Winkelgasse, das ihr aber zu ignorieren scheint! Schämt euch! So geht man nicht mit empfindsamen Lebewesen um!
Aber endlich, endlich sind die Qualen dann vorbei und wir stehen in der Winkelgasse mit einer Kerze in unserem Innern! Das ist der Höhepunkt eines jeden Halloween-Kürbisses. Endlich schaut ihr uns wieder mit viel Aufmerksamkeit an und erfreut euch an uns. Ihr bestaunt unsere Farbe, unsere Größe, unseren Schein und die Gesichter, die ihr uns so leidvoll zugefügt habt. Aber all das ist vergessen, im vollen Glanz stehen wir nun in der Winkelgasse und genießen eure Aufmerksamkeit. Wir sind stolz! Zum Dank zeigen wir uns in unserer schönsten Pracht…
Ja, und was macht ihr schon wieder? Ihr lasst die Kerzen in unserem Innern den ganzen Tag brennen. Uns wird es wärmer und wärmer, heißer und heißer, und wir halten es kaum noch aus. Schließlich werden wir wieder besinnungslos, manche wachen aus dieser Bewusstlosigkeit nie mehr auf. Aber ihr kümmert euch einfach nicht darum, ihr lasst die Kerzen einfach von morgens bis spät in die Nacht brennen.
So geht es nicht! Wir verlangen eine lebenswerte Behandlung zu eurem höchsten magischem Fest! Wir verlangen eine Begrenzung der Kerzenscheindauer auf die Abendstunden!
Deswegen haben wir unser Jahrhunderte langes Schweigen nun gebrochen. Wir missachten die natürlichen Gesetze und verlangen eine kürbisgerechte Behandlung!

Leserbriefe


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