DER OHRWURM Hirngespinst oder Lebewesen?

veröffentlicht am 30.09.2009

geschrieben von felipe(Gryffindor)
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Der Begriff „Ohrwurm“ ist sowohl in der Zauberwelt als auch bei den Muggeln ein bekannter und gängiger Begriff. Für die meisten Menschen bezeichnet er ein Lied, das ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht. Nur die wenigsten wissen, dass es ihn wirklich gibt. Wir haben uns mit Professor Earwin Earless unterhalten, einem Experten für Magische Geschöpfe und Forscher in diesem Bereich.
TP: Professor Earless, können Sie uns mehr über dieses Tier verraten?
Earless: Natürlich. Der Ohrwurm ist, wie der Name schon richtig verrät, ein Wurm. Er ist jedoch so klein, dass man ihn nicht mit bloßem Auge erkennen kann, ungefähr 0,01 mm. Der erste Ohrwurm (Örlibörd) wurde vor ein paar hundert Jahren vom Schweizer Zauberer Eni Rikola entdeckt. Er hat es aber nie so weit gebracht, wirklich ernst genommen zu werden und verschwand deswegen recht schnell wieder aus dem Interessengebiet der Leute.
TP: Hat der Ohrwurm wirklich etwas mit Musik zu tun?
Earless: Oh ja. Eigentlich hat der Ohrwurm seinen Namen nur aus dem „Muggelsprichwort“ übernommen. Das Phänomen des Ohrwurmes begann wahrscheinlich mit den ersten Musiktönen. Damals wusste man natürlich noch nichts von seiner lebenden Existenz.
TP: Wie kommt das kleine Würmchen denn jetzt eigentlich in unser Ohr?
Earless: Das ist ganz einfach. Wo Musik ist, ist auch der Ohrwurm. Er lebt praktisch von Liedern. Je einfacher die Melodie, desto mehr fühlt sich der Ohrwurm wohl. Er wird aus den Tönen geboren und dann, beim passenden Ton, durch die Lautsprecher in die Luft geschleudert und landet unbemerkt im nächstbesten Ohr. Er kriecht in Windeseile bis zum Kleinhirn und nistet sich dort ein. Er beeinflusst es so, dass das Lied, aus dem der Ohrwurm geboren wurde, einem immer und immer wieder einfällt. Je nach Alter und Größe des Ohrwurms sind es entweder ganze Lieder oder nur Passagen, nur die Melodie oder mit Text. Es gilt: Je älter und größer der Wurm, desto mehr arbeitet er im Kleinhirn. Der Vorteil ist, dass er auch schneller stirbt und somit das Lied mit ihm verschwindet.
TP: Ist der Ohrwurm in irgendeiner Art gefährlich?
Earless: Nein, auf keinen Fall. Er überträgt weder Krankheiten, noch zerstört er irgendwelche Organe in uns. Auch das Kleinhirn, in dem er nistet, wird nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen. Bei hartnäckigen Würmern kann es aber beizeiten zu Konzentrationsschwierigkeiten kommen, weil man nur noch das Lied im Sinn hat. Es kam auch schon mal vor, dass ein Mensch fast wahnsinnig wurde, weil der Ohrwurm über drei Monate gelebt und ununterbrochen gewütet hat. Das kommt aber wirklich nur sehr, sehr selten vor. Im Normalfall lebt der Ohrwurm zwischen vier Stunden und einer Woche. Dann verdrängt ihn das Kleinhirn immer mehr von seinem Platz und er zieht sich ins Innenohr zurück, wo er stirbt und als Ohrenschmalz ausgeschieden wird.
TP: Gibt es etwas, das gegen den Ohrwurm hilft?
Earless: Bis jetzt noch nicht. Oft wird versucht, den Ohrwurm mit einem anderen Lied zu bekämpfen. Das bringt jedoch nicht viel, denn der Ohrwurm lässt sich von außen nicht mehr beeinflussen. Es kann höchstens passieren, dass dadurch ein neuer Ohrwurm einzieht, der zwar den ersten verdrängen kann, aber dann selbst im Kleinhirn haust. Keine wirklich heilbringende Methode. Ein Heiler vom St. Mungo hat vor ein paar Jahren einen Zauber erfunden, der dem Ohrwurm Einhalt gebieten sollte, indem man ihm selbst einen „Ohrwurm“, also eine Melodie in den Kopf zaubert. Da der Ohrwurm aber kein ausgeprägtes Gehirn besitzt, ging der Zauber gewaltig schief und die Testpersonen hatten das Lied dann zwei- oder dreistimmig im Kopf. Bis jetzt muss man mit ihm leben. Nicht immer schön, aber auch nicht dramatisch.
TP: Uns würde noch interessieren, wie der Ohrwurm mit den Muggeln zusammen kommt.
Earless: Man weiß nicht genau, ob der Ohrwurm wirklich ein hundert Prozent magisches Geschöpf ist. Wir gehen aber davon aus, denn bis jetzt hat noch kein Muggel ihn entdeckt und deshalb glauben wir, dass er für sie einfach nicht zu sehen ist. Dem Ohrwurm selbst ist es aber wohl egal, ob er in ein Zauberer- oder ein Muggelohr springt. Muggel wissen jedenfalls nichts von seiner Existenz und wenn wir ehrlich sind, die meisten Zauberer bis jetzt auch nicht.
Wir danken Professer Earless für diese aufschlussreiche Erkenntniss und wenn Sie demnächst mal wieder gedankenverloren ein Lied vor sich hin pfeifen, wissen sie, dass der Ohrwurm seine Finger im Spiel hat.

Ein Ohrwurm in 1000-facher Vergrößerung

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