Kritik an J.K.R

  • JKR hat ein bereits vorhandenes Koboldbild aufgegriffen, das tatsächlich zum großen Teil auf einer Parodie der vermeintlichen "Judenklischees" basiert. Die Sache ist aber die, dass ich JKR auf keinen Fall unterstellen würde, dass sie sich dabei dachte "oh, diese Kobolde parodieren Juden, ich hasse Juden, jetzt bau ich die mal so ein, um zu zeigen, wie ich Juden hasse".* Das ist völliger Blödsinn. Sie hat dieses Koboldbild hergenommen, weil es etabliert ist und man sich einen Kobold halt so vorstellt, Punkt. Zudem bin ich der Meinung, dass sich diese ehemalige Parodie längst zu etwas völlig Eigenem entwickelt hat. Ein Kobold ist halt kein Jude, sondern ein Kobold, noch nicht mal ein Mensch, Punkt, aus.


    *Wenn dem so wäre, gäbe es eindeutige Anzeichen dafür. Da würden die Kobolde nicht einfach nur "so aussehen" und eine Bank betreiben.

  • Wie July geschrieben hatte: die Bücher sind aus den 90ern. Ich kann mich auch noch an mal einen Klapps auf den Hintern als Strafe erinnern, als wir noch im Kindergarten waren. Als besonders "schlimm" hatte ich es jetzt nicht empfunden; das war damals halt einfach so. Heute mögen die Erziehungsmethoden anders sein.


    Versuchstiere hat man heutzutage auch noch. Was in Hogwarts eben im Verwandlungsunterricht statfindet, hat man heutzutage in der Forschung. Wobei man dort nicht mit Versuchstieren arbeiten darf, wenn man nicht vorher einen entsprechenden Schein zu richtigen Handhabung gemacht hat (sprich, gelernt hat, die Versuchstiere nicht unnötig zu quälen). Daraus dass der Ethik-Unterricht in diesem Fall in Hogwarts wegfällt, könnte man noch auf eine gewisse Arroganz der Zauberer schließen, sich für etwas besseres zu halten. Ein weiteres Beispiel dafür wäre die Darstellung des "Brunnens der magischen Geschwister" im Zaubereiministerium; Harry merkt da, meinen ich, an, dass die anderen magischen Wesen die Zauberer in unnatürlich anhimmelnder Weise ansehen.


    Was die Hauselfen angeht würde ich Cookie aber eindeutig widersprechen. Im Gegensatz zu Pferden und Kühen, deren Verhalten doch eher auf Instinkt beruht (ich glaube, bei Delphinen wurde nachgewiesen, dass sie Dinge teilweise einfach aus Spaß heraus tun), haben die Hauselfen eigene Gefühle, Wünsche und Hoffnungen und handeln teilweise auch danach, wie man besonders an Dobby sieht.

    Ob die Hauselfen durch Evolution entstanden sind oder gezüchtet wurden, darüber lässt sich vermutlich streiten. Aber nur, weil sie den Dienst für die Zauberer seit Generationen nicht anders kennen, heißt es nicht, dass es richtig ist, voralle in der Art. Von daher würde ich die Behandlung der Hauselfen schon als Slaverei verstehen.

    Dagegen setzte JKR ja Hermine mit ihrer B.ELFE.R, auch wenn es in den Büchern etwas lächerlich dargestellt wird. Aber große Mühlen mahlen halt langsam (wie lange hat es in den USA gedauert Sklaverei abzuschaffen? und die Segregation?) und im letzten Band ist sogar Ron, der es nie anders kannte, bereit, die Hauselfen zu schützen und nicht von ihnen zu verlangen, an der Schlacht teilzunehmen.


    Bzgl der Werwolf-HIV-Metapher stimme ich da Cookie zu. Für mich war da immer viel mehr Lupin von Bedeutung als Greyback, der für mich eher die Ausnahme darstellte in seinem Verhalten. Was ich da als Kind mitgenommen habe war, dass Lupin ein toller Kerl und gerechter, empathischer Lehrer ist, dem unnötiger Weise durch Vorurteile das Leben schwer gemacht wird.


    Ich denke, als Kind hab ich die Kobolde eher mit den Zwergen aus Schneewittchen verglichen bzw. dem allgemeinen Bild, wir die Gesellschaft sich einen Kobold als Fabelwesen eben vorstellt. ^^' Zumindest hatte ich damals als Kind sicherlich nicht das karikaturisierende Bild der Juden vor Augen. Und vielleicht bin ich blind, aber ich hab grad extra noch mal Bilder gegoogelt und seh da keinen Davidstern am Boden.


    Zitat

    Zitat aus dem Blog-Artikel:

    Auch sind alle Mädchen und Frauen auf Lockhart hereingefallen

    Hier möchte ich mal kurz eine Lanze für McGonagall brechen, die übrigens spätestens ab Band 5 so viel 3-dimensionaler dargestellt wird als nur "die strenge Lehrerin". ^^ Von Trelawneys echter Prophezeiung war ich damals übrigens schwer beeindruckt. Abgesehen davon hatte ich eher den Gedanken, dass Wahrsagen allgemein eher was für Frauen ist, da ihnen meist größere Empathie nachgesagt wird (was natürlich auch vom Gesellschaftsbild der Rollenklischées beeinflusst wird), sie also eher empfänglich wären für derartige "Schwingungen". (Ron hat ja bekanntlich die emotionale Kapazität eines Teelöffels)

    Lockhart und die Reaktion der Frauen/Mädchen auf ihn hat mich sehr an die Boybands der 90er (Take That, *NSYNC, Backstreet Boys) oder generell Teenie-Idole (Leonardo DiCaprio in Titanic) erinnert. Persönlich hab ich das nie verstanden, aber es gab auch in meinem Umfeld haufenweise weibliche Bekanntschaften, die mehr oder weniger im Dauerschwärmzustand waren.

    Gerade Ginny hat sich, mMn aber deutlich weiterentwickelt über die Bücher hinweg und zeigt sehr viel Eigenständigkeit.


    Ja, manchmal hacken Harry und Ron schon öfters auf einander und auf Hermine herum. Aber keine Freundschaft ist perfekt. Das hätte mich vermutlich viel mehr gestört und in meinen eigenen Freundschaften verunsichert, wenn immer alle Friede-Freude-Eierkuchen gewesen wär. Wichtig ist hier mEn, dass sie sich wieder vertragen und dabei ihre Probleme und Gefühle angesprochen haben.


    Und ein Punkt, der mir beim Lesen des Blog-Artikels ziemlich sauer aufgestoßen ist:

    Zitat

    Zitat aus dem Blog-Artikel:

    Und das ist ohne zu bedenken, dass da sieben Kinder im Haus sind, für die das Geld fehlt, weil sie unbedingt noch ein Mädchen wollten. Gibt es dafür keine Zauber?! (Wieder ein Punkt für die sexuelle Negativität der Bücher – Verhütung ist böse! Abtreibung erst Recht!)

    Ich denke nicht, dass die Autorin das so beabsichtigt hat, aber für mich klingt die Aussage "7 Kinder, weil man noch ein Mädchen wollte" in Zusammenhang mit "Abtreibung ist böse" sehr nach dem, was tlw. in China mit der 1-Kind-Politik passiert ist: viele Mädchen wurden dort abgetrieben oder nach der Geburt ausgesetzt, weil die Eltern eben einen Jungen wollten. Abtreibung ist nicht dazu da, dass die Eltern am Ende ihr Wunschkind bekommen, ohne sich mit den anderen "Versuchen" beschäftigen zu müssen!


    Dass das Justizsystem am A**** ist, da stimme ich voll zu. ^^' Harry wird ja nicht mal über seine Rechte (Verteidiger, Zeugen...) aufgeklärt.

    In dem Zusammenhang hab ich mich bei PT2 auch echt gewundert, dass der eine Auror bei Grindelwalds Versammlung einfach mal so einen Todesfluch eingesetzt hat. Oo


    Bzgl der Heteronomativität: Ich muss sagen, ich hab als Kind damals noch nicht viel von der LGBTQ+ Gemeinschaft mitbekommen (mag auch daran liegen, dass ich auf katholischen Schulen war). Für einige Aspekte gab es damals noch nicht einmal vernünftige Erklärungen (mal zum Vergleich: ~2013 gab es auf der englischen Wiki-Seite zu den Begriffen a- und pan-sexuell je 2-3 kurze Sätze in einem größeren Artikel zur Sexualität; heute haben beide Begriffe einen eigenen ausführlichen Artikel) oder vll nicht einmal Begriffe. Das Homosexualität in Europa verboten und unter Strafe stand, ist noch gar nicht so lange her. Noch nach dem 2. Weltkrieg konnte man in England dafür ins Gefängnis kommen. Und auch in einigen anderen Ländern ist es immer noch eine Straftat (z.B. in den Vereinigete Arabische Emirate, was tw. in Zusammenhang mit der Fußball-WM in Dubai angesprochen wird). Heutzutage ist dieser Bereich vergleichsweise viel präsenter und akzeptierter. Die Zaubererwelt scheint gesellschaftlich aber generell etwas hinterher zu hinken. Ich denke nicht, dass da viele bereit wären, sich zu outen. Was die Partnerschaften im Epilog und Theaterstück betreffen, wird auch nur ein sehr kleiner Teil der magischen Gemeinschaft betrachtet. Von meinen 5 Freundinnen aus der Schulzeit sind auch alle in heterosexuellen Partnerschaften. Fall ich da jetzt aus der Statistik?


    Zitat

    Zitat aus dem Blog-Artikel:

    Doch stattdessen musste sie immer beständig darauf beharren, dass diverse Figuren, die das Fandom als queer las, definitiv 100% cisallohetero sind. Vornehmlich bei Sirius, Lupin, Sean, Dean und Tonks. Warum nicht einfach die Interpretation lassen?!

    Warum nicht (im head-canon) als Bi annehmen mit zufällig hetero-sexueller Beziehung?


    Generell denke ich, dass man von einem Kinderbuch nicht verlangen kann, dass es alle Aspekte des modernen Lebens berücksichtigt. Das würde das ganze etwas überflutet und vermutlich auch etwas "rein gequetscht" und unnatürlich wirken lassen, wenn man auf Teufel komm raus alle diese Aspekte einbauen will. Dadurch könnte man vermutlich keins der Themen ausreichend gerecht darstellen.

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  • Vermutlich gibt es in den meisten Büchern solche kritischen Themen, die nicht ideal behandelt werden.

    Bei den HP Büchern sind uns auch schon gewisse Sachen im Reread aufgefallen, zB dass Hermine kaum bei ihren liebenden Eltern ist oder wie wenig sich die Lehrer um Mobbing scheren.

    Gewisse Dinge wurden vor ein paar Jahren definitiv noch anders gehandhabt oder ignoriert, daher ist es auf jeden Fall gut, wenn man die Bücher mit offenen Augen liest und auch Sachverhalte hinterfragt.


    Versuchstiere hat man heutzutage auch noch. Was in Hogwarts eben im Verwandlungsunterricht statfindet, hat man heutzutage in der Forschung. Wobei dort man nicht mit Versuchstieren arbeiten darf, wenn man nicht vorher einen entsprechenden Schein zu richtigen Handhabung gemacht hat (sprich, gelern hat, Tiere nicht unnötig zu quälen).

    Möglicherweise gibt es da ja auch in der ersten Verwandlungsstunde Unterricht dazu? Fände ich schön. Und ich glaub lebendiges verwandeln kommt ja zumindest erst in den höheren Klassen wo die Schüler (hoffentlich) etwas reifer sind.

    Aber nur, weil sie den Dienst für die Zauberer seit Generationen nicht anders kennen, heißt es nicht, dass es richtig ist, voralle in der Art. Von daher würde ich die Behandlung der Hauselfen schon als Slaverei verstehen.

    Dagegen setzte JKR ja Hermine mit ihrer B.ELFE.R, auch wenn es in den Büchern etwas lächerlich dargestellt wird.

    Hmm, schwierig, da die meisten Hauselfen ja arbeiten wollen. Auch Hagrid meint ja, dass Hermine mit B.ELFE.R den Wesen keinen Gefallen tun würde (abgesehen von Dobby). Klar ist es wichtig, ihnen auch mit Respekt gegenüberzutreten, aber ich kann mir schon vorstellen, dass sie nicht "befreit" werden wollen.

    Ja, manchmal hacken Harry und Ron schon öfters auf einander und auf Hermine herum. Aber keine Freundschaft ist perfekt. Das hätte mich vermutlich viel mehr gestört und in meinen eigenen Freundschaften verunsichert, wenn immer alle Friede-Freude-Eierkuchen gewesen wär. Wichtig ist hier mEn, dass sie sich wieder vertragen und dabei ihre Probleme und Gefühle angesprochen haben.

    Guter Punkt. Für mich stellt sich auch allgemein die Frage, wie viel man da aus Büchern lernen kann. Am besten pickt man sich die für einen selbst hilfreichen Sachen heraus und ignoriert den Rest.


    Wo steht denn dass die Weasleys unbedingt ein Mädchen wollten? Ich dachte eher, die wollten einfach prinzipiell viele Kinder (sonst hätten sie wohl kaum 7). Mich hat es allerdings schon schockiert, dass Molly die Zwillinge scheinbar auch mit dem Besen vermöbelt hat, das habe ich überlesen, wo kam denn das vor? Aber ich weiß auch, dass das vor nicht all zu langer Zeit noch "normal" war.

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  • Klar ist es wichtig, ihnen auch mit Respekt gegenüberzutreten, aber ich kann mir schon vorstellen, dass sie nicht "befreit" werden wollen.

    Wenn sie weiter arbeiten wollen (auch ohne Lohn), können sie das gerne tun. Aber die Art wie Dobby tw. von den Malfoys bestraft wurde bzw. sich selbst bestraft hat, weil es so von ihm erwartet wurde, geht dann doch zu weit.

    Andererseits muss man sich da auch die Frage stellen: wie viel von dem "arbeiten wollen (ohne Lohn)" beruht auf Indoktrination und "ist halt so". Dobby ist in gewisser Weise der erste der Hauselfen, der dieses System in Frage stellt. Das heißt aber nicht, dass er der letzte sein muss. Nur weil es der aktuelle status quo ist und man es nicht anders kennt, muss es nicht die beste Lösung sein.

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  • Das kann sie sich auch leisten. Ich finde, dass alle Reichen spenden sollten - nicht nur bei dieser Gelegenheit.

  • Das kann sie sich auch leisten. Ich finde, dass alle Reichen spenden sollten - nicht nur bei dieser Gelegenheit.

    Vielleicht folge ihr ja der eine oder andere. Es wäre wünschenswert.

  • man sollte schauen ob einer der Meckerleute folgt.

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    * * * + * * *


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    * F e e *
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  • Ich fand, dass sie in der Reunion auch sehr ernst und nicht fröhlich rüberkam. Ich fand sie schon immer etwas seltsam, aber das hat mich schon gewundert, weil es ja ihr Lebenswerk ist.

    We've all got both light and dark inside us. What matters is the part we choose to act on. That's who we really are.

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  • Sie war doch zur Reunion gar nicht eingeladen?

    ⭐︎⭐︎

    in my field of paper flowers and candy clouds of lullaby

    I lie inside myself for hours and watch my purple sky fly over me

    ⭐︎⭐︎

  • Doch, also sie hat was gesagt und war zu sehen...

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  • Waren alte Aufnahmen.

    Instead, the producers of Return to Hogwarts used archival footage of Rowling from 2019.

    ⭐︎⭐︎

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    ⭐︎⭐︎

  • Oha, krass. Das hab ich nicht gewusst 😲

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  • Bezüglich schokos Aussage hier wollte ich mal nachfragen, wie du bzw. auch Namui das seht:

    schokokeks Du tendierst dazu, JKR gesamt zu boykottieren wegen ihrer Transfeindlichkeit? Also auch wenn dir das "Produkt" HP gefällt, möchtest du nicht, dass JKR auch nur einen kleinen Teil Geld von dir bekommt, wegen ihrer Ansichten und entsprechenden Kundtuungen, habe ich das richtig verstanden?


    Ich tu mir mit dem Thema etwas schwer, einerseits versteh ich deine/eure Abneigung gut, andrerseits kommt es mir recht extrem vor ihre Werke mitzuverurteilen.

    Mir geht es ähnlich bei Themen wie Hollywoodstars, die in einen oder mehrere Prozesse verwickelt sind und dadurch aus Filmverträgen gekündigt werden. Meiner Meinung nach kann eine Person ein schlechter Mensch aber trotzdem ein guter Schauspieler sein. Und gerade bei Schauspielern ist mir deren Privatleben eigentlich unwichtig, es wird halt nur in diversen Klatsch-Zeitschriften sehr öffentlich gemacht.


    Das bringt mich zu einer anderen Frage, in welchen Berufen sind private Vergehen unentschuldbar? Bei religiösen oder politischen Jobs könnte man die Moral der Person in Frage stellen. Aber ob jetzt zB mein Buchverkäufer eine Kriminalakte hat, ist mir persönlich unwichtig. Klar will ich, dass schuldige Personen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden, aber ab wann soll sich das auf den Job auswirken?


    Was denkt ihr da dazu?

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    Dalai Lama

  • Ich denke, es hat auch einen Einfluss darauf, dass wir uns mit Schauspielern und Autoren persönlich verbunden fühlen. Leute hängen sich Poster von ihnen an die Wand, schreiben Fanbriefe und verfolgen ihre Leben durch die sozialen Netzwerke. Die Zuschauer bzw. Leser fühlen sich verletzt, wenn sie erfahren, dass diese Menschen doch gar nicht so toll sind, wie gedacht. Mit dem Buchverkäufer geht man ja in der Regel keine persönliche Bindung ein.


    Außerdem stehen solche Personen auch im öffentlichen Licht und tragen eine gewisse Verantwortung mit sich. Von J.K. Rowling als Kinderbuchautorin und eigentlich intelligenter Frau erwarten wir Fans ja eigentlich, dass sie wie auch in den Harry-Potter-Romanen, in denen sie ja die Liebe als stärkste Magiequelle beschrieben und Diskriminierung verurteilt hat, sich für die Rechte anderer einsetzt, diese nicht diskriminiert und dies eben auch ihren (jungen) Fans vermittelt.


    Ich habe eigentlich immer versucht, J.K. Rowling zu ignorieren bzw. das Werk von der Autorin zu trennen, obwohl ich das wirklich schwierig finde. Mir geht es da ähnlich wie Tweety. Einerseits finde ich manche Aussagen von J.K. Rowling ziemlich schlimm, andererseits kann ich HP einfach nicht mitverurteilen, weil ich unabhängig von Rowling einfach so ein großer Fan der Bücher bin.

    "And crawling on the planet's face,
    some insects called the human race.
    Lost in time, and lost in space.

    And meaning."


    Einmal editiert, zuletzt von Schokofrosch ()

  • Edit:

    Schokofrosch hat eine wunderbare Zusammenfassung meines ewig langen Textes gegeben :)



    Namui

    Da es sich primär um eine Antwort an Tweety handelt, musst du dir die ewig lange Abhandlung nicht reinziehen, wenn du keine Lust drauf hast ;) Je nachdem, wie stark du dich fürs Thema interessierst, könnte es für dich mehr oder weniger interessant sein.



    Tweety

    Ich verstehe dein Interesse daran und auch, dass man darüber mit anderen gerne sprechen möchte. Ich habe die Fragen, die du oben gestellt hast, mit mehreren Personen erörtert (Transpersonen, Eltern von Transpersonen, Allies, Menschen mit sehr starken menschenrechtlichen Überzeugungen, zufällig Anwesende ... allesamt jedenfalls keine transfeindlichen Leute) und verschiedenste Sichtweisen gehört, diskutiert, verstanden und mitgeformt, wenn sich jemand verzweifelt an mich wandte mit der Frage, wie man mit JKRs Meinung denn jetzt persönlich umgehen soll. Ich weiß von Transpersonen, für die Harry Potter und alles damit Assoziierte schlichtweg gestorben ist, als JKR ihre *** Meinung rausgehauen hat, und ich verstehe sie sehr gut. Ich verstehe Menschen, für die HP so ein unglaublich wichtiger Teil ihrer Biografie oder Kindheit ist, dass sie das nicht wegwerfen können, aber deren Fansein für die Zukunft einen Knacks erhalten hat. Ich verstehe Menschen, die weiterhin Quidditch spielen, weil es ihnen Spaß macht und Quidditch ein unglaublich inklusiver Sport in Bezug auf Gender und Sexualitäten ist (und sich in naher Zukunft umbenennen möchte), die aber kein HP-Buch mehr in die Hand nehmen. Ich verstehe auch Menschen, die dazu keine Meinung haben, weil sie sich nicht gut genug informiert fühlen. Das einzige, was ich nicht verstehe, sind transfeindliche Menschen und Leute, die bagatellisieren wollen.


    Ich verstehe auch die Sichtweise, dass man eine Menge tote und lebende Künstler*innen boykottieren müsste, wenn man deren antisemitischen oder rassistischen Ansichten oder deren (Sexual-)Straftaten nicht verdrängt. Bei einigen der noch lebenden Personen ist die Bewertung sehr schwierig, weil Medien und Betroffene medienwirksam ein Bild inszenieren, das überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben muss, sondern Ergebnis exzellenter PR-Maschinerien ist (meines Wissens ist Depp vs. Heard so ein Fall, aber es interessiert mich nicht die Bohne). Oder weil Straftaten verjährt sind, aus verschiedenen Gründen nie oder falsch untersucht wurden oder weil Beschuldigungen aufgrund von Drucksituationen ausgesprochen oder fallen gelassen wurden.*

    * Mein Glück ist, dass ich noch nie Fan von irgendwelchen Schauspieler*innen war und kaum Serien schaue, ergo musste ich im Zuge der unglaublich wichtigen und immer noch viel zu wenig effektiven MeToo-Debatte keine Serien abbrechen oder mein Weltbild erschüttern lassen. Ich habe nicht verfolgt, welche Schauspieler beschuldigt, angeklagt oder verurteilt wurden, aber ein paar Namen habe ich aus den Nachrichten mitbekommen. Wenn ich deren Gesichter in der Zeitung sehe, empfinde ich eine starke Abscheu, weil mir Sexualverbrechen stärker unter die Haut gehen als Diebstahl oder Steuerhinterziehung (leider - eigentlich gehört Steuerhinterziehung gesellschaftlich sehr viel mehr geächtet, als es aktuell der Fall ist). Ich selbst kann nicht prüfen, ob die Vorwürfe stimmen oder ein Schuldspruch korrekt war. Ein weitaus größeres Dilemma als bei Künstler*innen hätte ich, wenn der Vorwurf einer (Sexual-)Straftat gegen eine*n Kolleg*in oder eine*n Kommiliton*in erhoben werden würden und ich entscheiden müsste, wie ich mich gegenüber dieser Person verhalte.


    Nur - JKRs Fall hat nichts mit einem Schauspieler zu tun, der Menschen sexuell belästigt oder vergewaltigt haben soll und dessen Schuld übrigens nicht irgendwelche Fans und Boulevardblätter, sondern nur Gerichte feststellen können. JKR ist eine Person mit enormer Reichweite und Vorbildfunktion für Millionen Menschen. Sie ist, wie ich vermute, im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten und kann die Konsequenzen ihres öffentlichen Handelns abschätzen. Sie schreibt live auf Twitter und kann live die Reaktionen lesen und sich live erklären, wenn alles ein Missverständnis war. Es geht nicht um einen verstorbenen Komponisten, bei dem man sich in Debatten verlieren kann, ob sein Antisemitismus nun dem Zeitgeist entsprang oder nicht. (Auch wenn es schon immer anständige Menschen gegeben hat, auch als Kolonialismus, Rassismus, Antijudaismus und Antisemitismus en vogue waren. Eine aus heutiger Sicht teilweise kriminelle Machokultur in der Filmwelt wurde in den letzten Jahrzehnten als völlig normal angesehen und die Straftaten sind teilweise verjährt oder waren damals keine Straftaten, aber ist das ein Freibrief für die Menschen, die diese Kultur ausnutzten bzw. genossen und Menschen massiv körperlich und psychisch schadeten? Meine Meinung ist Nein!). Es geht um eine Person, die sich im 21. Jahrhundert mit ihren Äußerungen gezielt an ein weltweites Publikum gewandt hat (also den privaten Rahmen bewusst verließ) und mit den Konsequenzen leben muss.


    Diese Konsequenzen kann jede*r für sich selbst ziehen und wie oben geschrieben, wählt da jede Person aufgrund ihrer individuellen Beziehung zum HP-Universum einen individuellen Weg.

    Bei mir hat sich das HP-Fan-Dasein in den letzten Jahren (vor JKRs transfeindlicher Äußerung) schon stark differenziert. Vom großen Fan in der Kindheit und frühen Jugend ebbten meine Fangefühle zunehmend ab und veränderten sich. Als ich in den HP-Studios war, habe ich die Filme ganz neu lieben gelernt, weil ich dort erst verstanden habe, dass Film so viel mehr als Drehbuch, Regie und schauspielerische Darstellung ist. Ich liebe die Ideen, die Kreativität und die Kunstfertigkeit, die die Studios zeigen, aber ich finde die Storys zum Teil immer noch furchtbar und habe keinen Blick für gute Regie oder schauspielerische Leistung sowie Filmmusik. Ich finde das Theaterdrehbuch reichlich merkwürdig, aber das Stück selbst hat mich verzaubert. Wenn ich HP nochmal lesen würde, würde ich den Schreibstil und die Logikfehler heute ganz anders bewerten als vor 15 Jahren (JKR schreibt aus meiner heutigen Sicht echt nicht gut). Phantastische Tierwesen 1 war ganz cool, aber Teil 2 so ein Desaster aus meiner Sicht, dass ich Teil 3 liebend gerne nicht angeschaut hätte, wenn meine Mama mich nicht dazu eingeladen hätte. JKR muss meiner persönlichen Meinung nach das Konzipieren von Filmen noch üben.


    Heute würde ich mich einen ehemaligen HP-Fan nennen. Meine Jugend ist mit HP verwoben und ich bin dankbar dafür, aber mein Herz macht schon seit Jahren keinen Hüpfer mehr, wenn ich HP-Merch sehe oder ein neues Projekt aus dem HP-Universum angekündigt wird. Ich habe zwei HP-Oberteile, die ich sehr gerne trage, weil ich sie mit den schönen Besuchen in den HP-Studios und im Theater in London verbinde. Was mich mit HP noch verbindet, sind meine Jugenderinnerungen und natürlich ganz stark der HP-FC. Aber ich war noch nie besonders der Typ "Fangirl" und wurde es immer weniger. Unabhängig von dieser Entwicklung hat JKR mit ihrer Menschenfeindlichkeit für mich so viel verbrannte Erde hinterlassen, dass mein früheres Fandasein ganz bestimmt nicht mehr auflebt. Allerdings hat JKR es schon mit ihrem inkonsistenten Theater-Drehbuch und einigen Aspekten von Phantastische Tierwesen bei mir versaut (manches an PT mag ich wirklich, aber ich bin mit den Jahren zu kritisch geworden, um über die vielen Unfähigkeiten der JKR weiterhin hinwegzusehen).


    Das Unterforum, in dem ich gerade schreibe, ist bei mir unsichtbar geschaltet. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Ich bin mit dem Thema fertig (auch wenn ich zugebe, dass ich mich ganz selten durch Zufall in den Readalong-Thread verirre und eure Erkenntnisse und Funde darin manchmal ziemlich interessant finde). Mir wurde nur wegen nie deaktivierter Thread-Abos angezeigt, dass du im Cursed-Child-Thread geschrieben und dass du mich hier erwähnt hast. Meine Neugier siegte und ich las deine Texte, weil ich dich schätze. Als ich Namui antwortete, wollte ich diese Debatte nicht erneut führen, sondern ihm lediglich mitteilen, dass ich seinen Struggle verstehen kann, und wie ich damit umgehe (mein Umgang ist keineswegs in sich konsistent und das wollte ich zeigen).


    Meine Schlussfolgerung ist, dass jede*r aus individuellen Gründen eine individuelle Entscheidung trifft, wie man mit Leuten wie JKR, Kevin Spacey, Roman Polanski, Richard Wagner sowie deren künstlerischen Werken umgeht. Mir ist auch klar, dass man vielleicht Person A weiterhin gerne im Film anschaut, während man Person B verabscheut, obwohl sie dasselbe Schlimme getan haben, aber man ist halt nun mal schon immer ein großer Fan von Person A gewesen und von Person B nicht. Menschen handeln nicht durchwegs konsistent und konsequent, sie weichen immer wieder von ihren Werten und Prinzipien ab, auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen. Das ist normal. Die Kunst ist, mit den eigenen Inkonsequenzen und Zweifeln fertig zu werden und sich hin und wieder zu hinterfragen.


    Wie gesagt, ich habe mit dem Thema abgeschlossen. Ich habe interessante Gespräche zu dem Thema geführt und keine Lust mehr, das nochmal öffentlich durchzukauen. Wenn du oder Namui das Thema mit mir noch weiter besprechen möchten, schreibt mir bitte eine PN :)


    Zum Schluss ein Gedankenexperiment: Wenn du deine Nachbarin aus dem 3. Stock lediglich als virtuose Musiker*in kennst und schätzt und dir dann ein Nachbar erzählt, dass gegen sie wegen einer Straftat (wahlweise Steuerhinterziehung, Einbruch oder ein Sexualdelikt) ermittelt wird, dass sie auf einer rechtsextremen Demo gesehen wurde, dass sie ein Nachbarskind geohrfeigt haben soll oder dass sie auf Twitter dasselbe geschrieben hat wie JKR: Würdest du dich weiterhin freuen, wenn du sie beim Musizieren durchs offene Fenster hörst und würdest du unbeschwert zu dem Konzert gehen, für das sie dir eine Freikarte in den Briefkasten geworfen hat?

    "Rechte sind keine Privilegien!"
    Rita in Made in Dagenham


    Der Weg entsteht dadurch, dass du ihn gehst.

    (frei nach Antonio Machado)


    Bügeln ist keine Frauenbewegung.

  • Wow, danke euch beiden für die Antworten.

    Das gibt mir auf jeden Fall Stoff zum Nachdenken und zum Sichtweisen nachvollziehen.

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    Dalai Lama

  • Mir imponiert an Rowling einfach, dass die sich traut Blödsinn als Blödsinn zu bezeichnen. SIe aht sich vor eine Putzfrau gestellt, weil diese gekündigt wurde, als sie einen Mann ausm Frauenklo rausschmiss. Und das wurd von einem englischen Richter noch bestätigt. Nuja ist ja auch nur ein Mann in Frauenkleidung mit Omas perücke. Ich kenne M#nner in Röcken im FC unsw fand ich ganz normal - keiner leif aber mit dem Schildrum ich bin eine Mindehreit kniet vor mir So erscheint mir die heutige Dislussion nämöich

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    * * * + * * *


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    Keafeder Juni 2020

    Einmal editiert, zuletzt von jerome bennings ()

  • Man kann ja von ihr denken was man will und ich kann ihr bei weitem nicht zustimmen. Aber nur weil ich mit ihr nicht uebereinstimme, muss ich ja nicht die anderen auch treffen. An Harry Potter haengen ja nun mehr Menschen als nur die Autorin. Und das Theaterstueck ist genial, das moechte ich nicht missen. Und gerade hier muss man ja auch sagen, es haengen Jobs dran. Und die Leute koennen ja nun wirklich nichts dafuer was JKRowling sagt. Und das ganze Fandom hat mir durch mehr als eine schwere Zeit geholefen und ich hatte viel Spass damit.

    We are evil, but we do it with style.

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    Schillernder Sickel / Wahre Erbin Slytherin

  • Würde man jeden Menschen an den Pranger stellen, nur, weil diese Person eine andere, eigene Meinung hat, könnte man das bisschen Demokratie was noch erhalten ist in unserer dekadenten westlichen Welt, zu Grabe tragen. J.K. hat eine eigene Meinung und ja, sie steht in einem besonderen Fokus, aber auch sie hat ein Recht auf eine eigene Meinung, selbst dann, wenn diese auf so eine harte Gegenwehr stößt. Diese Meinung muss mir nicht gefallen, aber ich denke, die, die am lautesten schreien, haben die meisten Leichen im Keller.


    Ich finde, die Bücher sind etwas ganz besonderes. Mir ist es egal, was J.K. für eine Meinung hat. Ich lese die Bücher und es sind diese Bücher die mich mitnehmen, in eine wundervolle magische und abenteuerliche Welt. Und dafür bin ich ihr dankbar.

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