Apparier-Prüfungen sollen härter werden

Bild: Ella271

Wer in Zukunft seine Apparier-Prüfung ablegen möchte, muss sich womöglich auf deutlich strengere Anforderungen einstellen. Wie aus dem Zaubereiministerium verlautet, wird derzeit intensiv darüber beraten, die Prüfungen für junge Hexen und Zauberer im ganzen Land zu verschärfen. Offiziell begründet wird dies mit einer steigenden Zahl an Zwischenfällen, die sich in den vergangenen Jahren bei missglückten Apparitionen ereignet haben.

„In den letzten Jahren sind die Fälle immer absurder geworden“, erklärte ein Mitarbeiter aus der Abteilung für magisches Transportwesen, Septimus Wainscroft, gestern. Auf Nachfrage unseres Reporters nannte er einige Beispiele: Ein junger Zauberer sei versehentlich mitten in eine Liveausstrahlung des Muggel-Frühstücksfernsehens geraten; eine andere Hexe sei aus ihrer Dusche - anstelle ihres begehbaren Kleiderschranks - zur 87. Geburtstagsfeier eines Muggels im benachbarten Altersheim appariert. “Sie können sich bestimmt das Chaos bei den Muggeln und die Mehrarbeit für das Magische Unfallumkehr-Kommando vorstellen”, ordnete Mr. Wainscroft ein. Zu dem Bericht, wonach die Debatte über eine verschärfte Apparier-Prüfung vor drei Tagen ausgelöst worden sei, nachdem auf dem siebten Kindergeburtstag des Sohnes des Leiters des Appariertestzentrums ein junger Zauberer kopfüber neben der Piñata erschienen war – just in dem Moment, als das Geburtstagskind blind auf sie einschlug –, wollte sich der Mitarbeiter nicht äußern.

Solche Vorfälle sorgen zwar nicht selten für Gelächter, bereiten dem Ministerium jedoch offenbar ernsthafte Sorgen. Vor allem das sogenannte Zersplintern, bei dem Körperteile beim Apparieren nicht vollständig mitgenommen werden, soll in den Beratungen eine zentrale Rolle spielen. Aus internen Kreisen heißt es, dass künftig nicht nur Präzision und Konzentration strenger bewertet werden sollen, sondern auch das Verhalten in unvorhergesehenen Stresssituationen. Denkbar seien zusätzliche praktische Übungen, schwierigere Prüfungsorte und strengere Vorbedingungen für die Anmeldung.

Nicht alle begegnen diesen Plänen mit Begeisterung. Unter jüngeren Hexen und Zauberern macht sich bereits Unmut breit, dass im Alltag immer mehr geregelt wird. In der Winkelgasse konnten gestern eifrige Diskurse gehört werden: Während einige die Verschärfungen für vernünftig halten, fragen andere, ob das Ministerium nicht manchmal einen Tick zu viel Freude an Vorschriften entwickelt. „Bald braucht man vermutlich noch drei Formulare, um überhaupt stolpern zu dürfen“, spottete ein Ladenbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte.

Andere wiederum begrüßen den Vorstoß ausdrücklich. Wer einmal erlebt habe, was eine misslungene Apparition anrichten könne, sehe die Sache sehr viel ernster, meinte eine Hexe aus Ottery St. Catchpole. „Eine missglückte Benutzung des Flohnetzwerks ist peinlich. Eine missglückte Apparition ist etwas ganz anderes.“

Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen, doch im Ministerium scheint der Wille zu Veränderungen vorhanden zu sein. Ob es am Ende tatsächlich zu neuen Regeln kommt oder ob die Diskussion nach einigen empörten Leserbriefen und aufgeregten Gesprächen im Zaubereiministerium wieder versandet, bleibt abzuwarten.

Fraglich ist auch, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zu weniger Arbeit des Magischen Unfallumkehr-Kommandos und weniger Zersplinterungen führen werden. Derzeit scheint es im Ministerium auch keine Aspirationen zu geben, grundsätzlich Hexen und Zauberer mit bereits erteilten Apparitionslizenzen erneut zur Prüfung zu bitten. Bleibt also die Frage, die derzeit vielerorts gestellt wird: Dient das alles wirklich der Sicherheit – oder traut das Ministerium dem Nachwuchs einfach immer weniger zu?