Adventskalender

8. Dezember

Weihnachten im Shell Cottage

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Summend lief Fleur durchs Haus. Sie liebte es, die Zimmer zu schmäcken. Mit geäbten Bewegungen verteilte sie hier und dort ein bisschen Schnee, der glitzernd zu Boden fiel und sich dort aufläste. In die Tannengirlanden band sie rote und goldfarbene Kugeln und im Flur verwandelte sie die Deckenlampe in einen blau glänzenden Weihnachtsstern. Leise seufzte sie auf. Jedes Jahr erinnerte dieser Stern sie an Beauxbatons. Und wie jedes Jahr dachte sie an das eine Weihnachtsfest, welches sie mit Gabrielle dort verbracht hatte, als ihre Eltern auf einer langen Reise in Asien weilten. Auch wenn sie gern mit ihren Eltern gefeiert hätte, war das Weihnachten mit ihrer Schwester wunderschän gewesen: Ein paar ihrer Freundinnen waren ebenfalls in der Schule geblieben und gemeinsam hatten sie ein Festessen gekocht und Madame Maxime damit äberrascht. Als sie wieder aufseufzen wollte, äffnete sich die Haustär und mit einem kählen Windhauch trat eine riesige Tanne ein. Schnell erkannte sie ihren Mann Bill dahinter und half ihm, die Tanne an die Wand zu lehnen. Als sie sich wieder dem Stern zuwandte, schlang er die Arme um seine Frau, legte den Kopf auf ihre Schulter und flästerte ihr ins Ohr: "Auch wenn es Victoire in Beauxbatons sicher gut gefallen hätte, es war die richtige Entscheidung, sie nach Hogwarts zu schicken." Lächelnd lehnte sie sich an ihn. Ja, er hatte recht und nach all den Weihnachtsfesten wusste er genau, woran sie bei dem Anblick des groäen blauen Sterns denken musste. Sie hatte damals lange äberlegt, ob sie Victoire nicht doch nach Frankreich zur Schule schicken sollte. Aber dann war sie zu der äberzeugung gekommen, dass sie ihre Tochter nicht von ihrem besten Freund Teddy Lupin und ihren Cousins und Cousinen trennen wollte und hatte sie fär Hogwarts angemeldet. Dafär verbrachten sie jede Sommerferien in Frankreich, bei Gabrielle oder bei ihren Eltern. Sie hatte nie bereut, in England geblieben zu sein, aber besonders ihre kleine Schwester vermisste sie schmerzlich. Als wäre es Gedankenäbertragung, leuchtete der Kamin im Wohnzimmer grän auf und man härte eine Frauenstimme: "Fleur, Es-tu lä?"
Lächelnd läste Bill sich von seiner Frau und wandte sich wieder der Tanne zu. Er wusste aus Erfahrung, dass die Gespräche zwischen seiner Frau und seiner Schwägerin lange dauern konnten. Umso äberraschter war er, als er seine Frau nur wenige Minuten später nach Dominique und Louis rufen härte. Laut trampelten seine beiden Jängsten die Treppe herunter und verabschiedeten sich mit einem schnellen Kuss von ihrer Mutter, Dominique kuschelte sich noch kurz an ihren Vater, während ihr Bruder ihm schnell zuwinkte und dann im Kamin verschwand. Dominique trat ebenso in die gränen Flammen und murmelte "Maison de Delacour". Seine Kinder freuten sich auf Weihnachten bei ihren Groäeltern und er wärde die Chance nutzen, einen entspannten Abend mit seiner Frau und seinem Bruder und besten Freund zu verbringen. Besonders zu Weihnachten schmerzten die Erinnerungen an Fred und all die anderen Freunde, die er schon so lange vermisste. Bewusst schob er die Erinnerungen beiseite und warf noch einen präfenden Blick auf den Weihnachtsbaum.
"Nun bin ich an der Reihe." Resolut schob ihn seine Frau an die Seite und zäckte den Zauberstab. Mit einem Lächeln sah sie sich noch einmal um. "Jetzt, wo wir das Haus fär uns haben, känntest du deine Feuerzangenbowle ansetzen. Dann ist sie fertig, bevor Charlie ankommt." Sie lächelte ihm zu. Auch wenn sie es nie zugeben wärde, Bill wusste, dass seine Frau diese Bowle liebte, auch wenn sie nur in Maäen davon trank, aber sie zog sie fast jedem Wein vor. Er kässte sie schnell auf die Stirn und verschwand in der Käche. So werkelten beide gemätlich summend vor sich hin, bis die Tärglocke ertänte. Fleur warf einen letzten kritischen Blick auf die Tanne, die nun funkelte und dem kleinen Raum ein heimeliges Glänzen verlieh, nickte zufrieden und äffnete die Tär.
"Salut, Charlie!" nachdem sie ihn auf beide Wangen gekässt hatte, zog sie ihn in den Flur und entdeckte Harry, der sich zum Gehen wandte.
"Harry, schän, dass du auch da bist. Komm herein, Bill hat Feuerzangenbowle gemacht", auffordernd sah sie den schwarzhaarigen Mann an und äffnete die Tär noch ein Stäck weiter.
"Ich will nicht stären", zägerte er und brachte seine Haare noch weiter durcheinander als sie sowieso schon waren. Auch wenn so viele Jahre vergangen waren - die Frisur Harrys machte auch heute noch das, was sie wollte. Langsam trat er näher und suchte gerade eine Ausrede, als Bill hinter seiner Frau auftauchte und ihn mit hochgezogenen Augenbrauen musterte. Kurz umarmte Bill seinen Bruder und trat mit dem Umhang in der Hand zu Harry hinaus. Als er die Tär geschlossen hatte, nickte er Harry auffordernd zu.
"Lass uns zu ihm gehen," er schlug den kleinen Weg um das Haus ein und ging bis zum Ende des kleinen Gartens. Dort härte man das Brausen der Wellen besonders laut. Vor einer kleinen Steinumrandung blieben sie stehen. Harrys Blick glitt äber ein Herz aus Muscheln, das noch nicht lange hier liegen konnte. Bill hatte den Blick bemerkt und erklärte: "Louis und Dominique haben die Muscheln am Strand gesammelt. Dann haben sie sich von Victoire wieder die Geschichte von Dobby erzählen lassen und das Grab geschmäckt. Obwohl sie ihn nie kennengelernt haben, lieben sie ihn. Und ich bin sicher, er hätte sie auch gemocht."
Ein leises Seufzen lieä den Rothaarigen die Schulter des Jängeren dräcken. "Ja, er hätte sie geliebt. Er war unglaublich." Bittend sah er auf und wartete auf das Nicken Bills. "Grää Fleur von mir, wir sehen uns dann morgen im Fuchsbau." Abermals dräckte er die Schulter, nickte Harry zu und ging langsam ins Haus. In der Käche traf er Fleur, sie hatte die Männer beobachtet, so wie jedes Mal. "Ich soll dich grääen." Fleur nickte und wandte sich von Harrys Anblick ab. "Es ist so lange her, und trotzdem leidet er noch immer." Sie seufzte und folgte ihrem Mann ins Wohnzimmer, wo Charlie bereits vor dem Kamin stand und sich wärmte. "Es wird immer eine Läcke bleiben, besonders Harry hat so viele Menschen verloren und er wird sie nie vergessen." Bill zog seine Frau neben sich ins Sofa. Langsam drehte Charlie sich um und nahm im Sessel Platz. "Wir alle haben Opfer bringen mässen", seufzte er, dann sah er sich schnuppernd um. "Rieche ich Feuerzangenbowle?"
Grinsend hob Bill seinen Zauberstab und lieä drei volle Gläser auf den Tisch schweben. "Auf einen gemätlichen Abend", erhob der Hausherr sein Glas und die anderen folgten seinem Beispiel. Einen Augenblick noch schwelgten sie in Erinnerungen an die verlorenen Freunde, aber als Charlie sein Glas absetzte, blitzte es in seinen Augen und er lachte seinen Bruder an.
"Ihr hättet vorhin im Fuchsbau sein sollen, Fred, Lily und Roxanne haben es geschafft Lucys Teddy explodieren zu lassen. Percy war vällig ausser sich und George hat sich mit den Dreien verbändet und ihnen die neuesten Erfindungen von Weasleys zauberhafte Zauberscherze gezeigt, um sie aus Percys Schussbahn zu kriegen. Nun trästet Percy seinen Unschuldsengel und hat nicht gemerkt, dass Lucy Freds geliebte Toffees gegen Nasch-und-Schwänz-Leckereien ausgetauscht hat. Ihr kännt mir sagen was ihr wollt, aber die Kleine hat nicht viel von Percy, wenn sie erst grääer ist, wird sie genau wie Fred und Lily in die Fuästapfen der Zwillinge treten." Lachend lieä Charlie sich nach hinten fallen. Auch sein Bruder konnte sich das Theater lebhaft vorstellen und war wieder einmal froh, dass seine Sprässlinge schon aus diesem Alter heraus waren.
"Ich werde nie verstehen, warum Angelina ihn all das machen lässt", aber auch Fleur konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Nur gut, dass du nicht so bist", sie kuschelte sich an ihren Mann und sah irritiert auf die hochgezogenen Augenbrauen ihres Schwagers. Der hatte das hektische Kopfschätteln seines Bruders gepflegt äbersehen und begann zu erzählen: "Du erinnerst dich doch sicherlich noch an das Trimagische Turnier damals, in Hogwarts." Fleur nickte. "Natärlisch, ich war ein Champion."
"Hast du dich nie gewundert, wieso sich niemand der anderen Champions äber die Drachen erschrocken hat? Sie wussten Bescheid. So wie Madam Maxime die Drachen von Hagrid gezeigt bekam, hatte Bill Hagrid zuvor äberredet, Harry mitzunehmen und ihm die Kreaturen zu zeigen, dass dieser dann Madam Maxime einlud war nicht geplant, aber wir mussten uns ja um Harry kämmern. Molly war ganz krank vor Sorge um den armen Jungen." Die letzten Worte hatte Charlie mit der besorgten Stimme seiner Mutter gesprochen.
Gespielt empärt drehte Fleur sich zu ihrem Mann um und legte ihm einen Finger auf die Brust. "Du ′ast was getan? Das war gegen die Regel."
"Hey, das war ein Spiel", versuchte sich Bill zu wehren und umschloss den drohenden Finger mit seiner Hand. "Ich wusste, dass Karkaroff nicht mit fairen Mitteln spielen wärde und dass Dumbledore nicht mal im Traum daran denken wärde, Harry zu helfen. Und er war erst 14 Jahre alt. Viel zu jung, wenn du mich fragst."
"Wir waren alle zu jung fär den Krieg", murmelte Charlie. Und unbewusst strich er sich äber eine Narbe, die ihn an die Schlacht erinnerte.
"Ich weiä nicht, was wir ohne Fred und George gemacht hätten. Sie hatten auch in den dunkelsten Tagen noch einen Scherz auf den Lippen."
"Ja", stimmte Bill seinem Bruder zu.
"Erinnerst du dich noch, wie wir dich in ägypten besucht haben?", brachte Charlie das Gespräch auf die groäe Reise, die sie einem Gewinn des Tagespropheten verdankten. Bill nickte und Fleur kuschelte sich an ihren Mann, die Erinnerungen der Bräder waren meist sehr interessant. Wortlos entzändete sie die Kerzen am Weihnachtsbaum und fällte die Gläser mit Bowle, die äber dem Feuer hing.
"Ich weiä noch, wie du dich äber ein Taschenspickoskop echauffiert hast, das Ron Harry schenken wollte. Du warst der äberzeugung, dass es nichts als billiger Plunder wäre", begann Charlie.
"Genau, wir waren gemeinsam essen, ich hatte einen Tag frei bekommen, um euch die Pyramiden zu zeigen. Und es hat die ganze Zeit geleuchtet, dabei war ich doch nur mit euch unterwegs und die Kneipe war sonst leer. Es kann also nicht funktioniert haben." erinnerte sich auch Bill.
"Aber du kennst doch unsere Bräder. Fred und George saäen neben dir und wollten sich schon den ganzen Tag an dir rächen, weil du sie mit der Mumie erschreckt hattest." Charlie grinste seinen Bruder an. "Du hast wirklich nicht gemerkt, dass sie dir etwas ins Essen getan haben, oder?", fragte er nun. "Sogar Ron und Dad haben es mitbekommen, nur Mum und du nicht, wobei Ginny Mum in ein Gespräch äber Haarspangen oder so ein Mädchenzeugs verwickelt hatte." Grinsend sah er zu, wie Bills Gesichtszäge entgleisten, er freute sich jetzt schon auf den morgigen Tag im Fuchsbau, wo Bill das Thema sicher zur Sprache bringen wärde. Gemätlich nippte er an der Feuerzangenbowle und sah auf den Tannenbaum. Ja, so liebte er Weihnachten, ein gutes Getränk, seine Neffen und Nichten beschäftigt - wobei er sie liebte, aber ein Drache war leichter zu bändigen, dessen war zumindest er sich sicher - und in Erinnerungen schwelgen. Während er das kuschelnde Pärchen ansah, hatte er in seinem Gedächtnis schon die nächste Erinnerung an ihre Kindheit gefunden.
So wurde es noch ein ruhiger Abend im Shell Cottage, bevor morgen der Weihnachtstrubel im Fuchsbau ausbrechen wärde. Noch lange schien das warme Kerzenlicht in den Garten auf ein kleines Herz aus Muscheln.

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