Tourtagebuch der Schicksalsschwestern: Bristol

Bild von: wildflower85



Überall standen verrückte Mädchen und Jungen. Mutig ging ich auf eine Gruppe zu und fragte: „Was ist denn hier los?“ Die Mädchen sahen mich entgeistert an. „Hier sind die ‚Portishead’ abgestiegen!“, klärte mich eine auf, bevor sie wieder ins Kreischen verfiel. ‚Die Portishead?!’, dachte ich. ‚Ist das nicht eine Stadt hier in der Nähe?’ Doch bevor ich mir darüber Gedanken machen konnte, meinte ein weiterer Fan: „Sie geben heute Abend ein Konzert. Ihr erstes Album ‚Dummy’ hat es auf Platz zwei geschafft.“ Diese Dame war weniger kreischend, dafür aber sehr informativ. Sie erklärte mir, dass es sich hierbei quasi um die hiesige TripHop Band handelt. „TripHop?!“ Muggel können so verwirrend sein. „Ja, man sagt auch ‚Bristol Sound’ dazu. Es ist ein langsamer, HipHop ähnlicher Rhythmus mit weiblichem Gesang. Haben Sie schon einmal etwas von ‚Massive Attack’ gehört? Die sind schon seit vier Jahren erfolgreich. Angefangen haben sie mit dem Hit ‚Daydreaming’!“ Nun hatte ich genug gehört. Ich bedankte mich für die hervorragende Information und ging zufrieden meiner Wege.

Nichts würde dem sagenumwogenen Tourauftakt der Schicksalsschwestern in Bristol im Wege stehen und ich, Kjell Finley, werde sie auf Schritt und Tritt begleiten. Doch, wo waren sie nur? Die Band wollte schon vor fünf Minuten hier an der sagenumwogenden Clifton Suspension Bridge – einer Hängebrücke über der Schlucht des Avon - sein. Nervös checkte ich noch einmal Datum und Uhrzeit, als plötzlich ein Bus neben mir hielt.

„Hallo Kjell. Wohl gedacht, wir haben dich vergessen“, meinte der Leadsänger Kirley mit einem Lächeln und bat mich einzusteigen. „Wir hatten einige Verkehrsquerelen. Offenbar sind wir nicht die einzigen, die heute auftreten!“, meinte der Bassist Donaughan. Ich nickte und erzählte von dem Konzert der Portishead. „Cool“, meinte Myron. „Dann hat das Zaubereiministerium ja nicht so viel zu tun heute Abend.“ Die Jungs waren in voller Begeisterung und nahmen die Stadt Bristol gar nicht wirklich wahr. Dabei glänzte die achtgrößte Stadt Englands mit einem schönen Gegensatz: Meeresnähe und hügliger Landschaft. Selbst die große Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte der Stadt nichts von seinem Charme genommen.

Als wir dann vor der Konzerthalle ankamen, warteten schon einige Fans. Die Jungs nahmen sich vor dem Soundcheck ausgiebig Zeit, Autogramme zu schreiben und einige Fragen zu beantworten. Nach einer guten Stunde hatte der Manager allerdings kein Erbarmen mehr und wuchtete die Band in Richtung Halle. Sie folgten beinahe widerwillig, denn Fanarbeit scheint für die Schicksalsschwestern wichtig zu sein. Ich hörte Merton, den Cellisten sogar sagen: „Ach Devin. Wir brauchen doch jetzt noch keinen Check. Wir sind gut vorbereitet“, doch das wollte der Manager nicht wahrnehmen. Also gingen die Jungs auf die Bühne, nahmen ihre Instrumente in die Hand und spielten „Do the Hippogriff“. Nun merkte auch Devin Ryan, dass alles stimmte und lies die Band eine gute halbe Stunde spielen, bevor sie wieder in den Bus durften, um sich zu entspannen.

Das war auch dringend nötig, wie sich hinterher herausstellte.
Um zwanzig Uhr war es dann endlich soweit. Die Vorgruppe „Moonlight“ hatte gerade die Bühne verlassen und die Halle wurde dunkel. Die Fans waren irritiert. Einen Moment lang war es totenstill, als plötzlich ein Trommelsolo einsetzte. Die Menge begann zu toben, als nach und nach die Bandmitglieder auf die Bühne kamen. Mit jedem Instrument wurde die Melodie erkennbarer und bevor der Leadsänger Kirley überhaupt auf der Bühne stand, sangen die Fans schon „Magic Works“. Kirley meinte hinterher: „Ich hatte richtig Gänsehaut. Es war unbeschreiblich.“
Die Band spielte knapp zweieinhalb Stunden vor diesem grandiosen Publikum. Als fünfte und letzte Zugabe präsentieren sie „This is the Night“ in einer dritten Variation und ließen sich mit ordentlichem Getose feiern. Die Minister hatten nun doch alle Hände voll zu tun, den Lärmpegel von den Muggeln fernzuhalten, doch das war den Fans egal. Sie waren einfach nur begeistert. Ich mischte mich in die Menge, um die Stimmung einzufangen. Viele Zauberer waren heiser, doch alle sich einig: „Es war der beste Auftakt, den ich je miterlebt habe. Die sind einfach super, die Jungs. Das muss man mal erlebt haben.“ Einer meinte sogar: „Ich werde noch in Birmingham, Sheffield, Manchester und Leeds dabei sein, sollte das hier je zu Ende gehen!“

Mein persönliches Fazit: Die Band erschöpft, die Fans glücklich. Jungs, macht weiter so!