Askaban ohne Dementoren - längst überfällig oder untragbares Sicherheitsrisiko?

Heute vor zwei Monaten haben die Dementoren Askaban verlassen und sich stattdessen Ihm-Dessen-Name-Nicht-Genannt-Werden-Darf angeschlossen. Und auch wenn Letzteres Besorgnis erregend ist, wollen wir die Frage stellen, ob Ersteres nicht schon vor Jahren hätte geschehen sollen.

Nachdem unser Gefängnis so lange Zeit von den dunklen Kreaturen bewacht wurde, mag es erst einmal gefährlich erscheinen. Die Dementoren sorgen dafür, dass die Gefangenen zu schwach für Fluchtversuche sind, sie sind effiziente Wärter, die nicht auf Schlaf angewiesen sind und sich nicht bestechen lassen. Und viele Menschen sehen ihre bedrückende Aura als Teil der Strafe von Verbrechern an.

Aber kann man ihren Einsatz wirklich verantworten? Sie sind nicht unfehlbar, wie die Ausbrüche von Bartemius Crouch jr. um 1985, Sirius Black 1993 und der Massenausbruch von Todessern Anfang dieses Jahres zeigten. Und wie wir bereits gesehen haben, sind sie nicht vollkommen zuverlässig. Als die Dementoren um Hogwarts herum postiert wurden, kamen sie unerlaubt auf das Gelände und griffen während eines Quidditchspiels die ganze Schule an. Später hätten sie Harry Potter beinahe den Kuss verpasst.

Ganz abgesehen davon sollte man es niemandem zumuten, den Wesen für längere Zeit ausgesetzt zu sein. Menschliche Wärter gibt es in dem Gefängnis nicht, da die Atmosphäre für sie als unerträglich angesehen wird. Wenn Zauberer, die sich mit Hilfe ihres Zauberstabs und ihrer Magie gegen Dementoren wehren können, es dort nicht aushalten können, wie sollen es dann erst die Gefangenen?

Viele Hexen und Zauberer, die in der Muggelwelt aufgewachsen sind, haben immer wieder ihr Erstaunen und Entsetzen über die Konditionen des Gefängnisses ausgedrückt. Sie empfinden es als unmenschlich. „In der Muggelwelt hat fast jedes Land ein Gesetz über Menschenrechte. Darin wird beschrieben, dass jeder Mensch, egal welcher Herkunft, das Recht auf Dinge wie Nahrung, Wasser und eine vernünftige Unterkunft hat, aber auch auf Würde. Askaban in seiner derzeitigen Form verstößt gegen so gut wie jeden Artikel der Menschenrechte“, schrieb Penelope Clearwater, Angestellte des Muggelverbindungsbüros, bereits 1994 in einem Brief an den Tagespropheten.

Stattdessen schlägt sie vor, den Gefangenen während ihres Aufenthaltes permanent die Magie zu blockieren – ein Verfahren, das momentan bereits für Transporte und Verhöre Verdächtiger eingesetzt wird – um zu verhindern, dass sie entkommen können. Dann besteht kein Grund mehr, sie langsam aber sicher um den Verstand zu bringen.

„Was ist mit Gefangenen, die eine Strafe von nur wenigen Jahren absitzen? Sollen sie nicht hinterher wieder in die Gesellschaft integriert werden? Einem Mensch, der halb ausgehungert ist, schwach und jahrelang nur elende Gedanken denken konnte, wird das nicht gelingen. Es ist kein Wunder, dass 90 % aller Straftäter rückfällig werden“, argumentiert Clearwater weiter. Eine bessere Lösung sei es, sie menschenwürdig unterzubringen und ihnen bei der Rehabilitation zu helfen.

Wir haben uns noch einmal direkt an die muggelstämmige Hexe gewandt: „Bin ich froh, dass die Dementoren jetzt von Voldemort eingesetzt werden? Nein, natürlich nicht. Aber Sie können sich sicher sein, dass ich sehr erleichtert bin, nicht mehr für eine Regierung zu arbeiten, die diese abscheulichen Kreaturen gegen ihre eigene Bevölkerung einsetzt.“

Und ein wirklich gutes Argument dagegen gibt es nicht.