Der Fall "Heulende Hütte" / Gerichtsreport Teil 2

„Ja.“ Lupin nickte.
„Sind sie mit ihren Mitangeklagten verwandt oder verschwägert?“
Lupin schüttelte seinen Kopf. „Wir sind nur Freunde.“
„Gut. Ihr Name ist Remus John Lupin. Sie sind 18 Jahre alt und wohnen in London, sind aber derzeit in der JVA untergebracht, richtig?“
„Ja. Aber ich wohne nicht mehr in London. Ich habe keinen Wohnsitz mehr.“
„Oh.“ Die Salesch machte ein überraschtes Gesicht. „Das tut mir leid.“
„Schon in Ordnung.“ Er winkte ab und warf dem jungen Potter einen seltsamen Blick zu. Der grinste.
„Bitte schildern sie, wie es zu diesem Vorfall in der „Heulenden Hütte“ kam?“
„Mhm, nun ja.“ Wieder sah Lupin zu Potter und seinem Freund Black. Beide zuckten ihre Schultern.
„Ich kann nicht viel dazu sagen, Frau Salesch. Es ist nämlich so. Ich leide an Schlafwandeln und an…“
„Schlafwandeln?!“ Snape lachte laut und schnarrend auf. „Das ist ja die Untertreibung des Jahrhunderts!“ Er sah zur Richterin. „Dieser Typ ist ein Monster, das meinen Sohn eiskalt zerfleischen wollte!“ schrie er aufgebracht.
„Beruhigen sie sich. Fahren sie fort, Herr Lupin.“
„Ja, ich schlafwandle.“ knurrte Lupin. Seine zurückhaltende Art war plötzlich wie weggewischt.
„Ich habe hier ein Attest von dem Arzt meines Mandanten!“ rief Lenßen und wedelte mit einem Blatt Papier.
„Warum kommen sie erst jetzt damit!?“ fragte Kirkidaze erbost.
„Die ärztlichen Tests sind erst kurz vor dieser Verhandlung beendet worden und das Attest wurde erst heute Morgen von einem Kurier überbracht.“ erwiderte der Anwalt lächelnd.
„Geben sie her!“ forderte die Salesch und winkte Kirkidaze an ihren Tisch. Richterin und Staatsanwalt verfielen einige Minuten in Schweigen.
Das nutzen die Angeklagten, um sich bedeutsame Blicke und flüsternd ein paar Andeutungen auszutauschen. Die Anwälte ignorierten das.
Der Nebenkläger war indes ebenfalls zum Richtertisch geeilt und stierte nun mit gerunzelter Stirn auf das ärztliche Schreiben.
„Nun ja, das scheint völlig in Ordnung zu sein.“ beendete Barbara das Schweigen und die Anklage nebst Nebenkläger nahmen wieder platz.
Snape sah zum Fürchten finster drein.
„Sind also geschlafwandelt?“ fragte Barbara Salesch.
Lupin nickte. „Am Abend bin ich früh zu Bett gegangen. James, Sirius und Peter blieben noch auf.“
„Peter Pettigrew, der Zeuge?“ warf Kirkidaze ein.
„Wir sind alle Freunde.“ bestätigte Remus Lupin.
„Pettigrew ist ein Schwachkopf.“ rief Snape und grinste finster. „Es war doch nur Zufall, dass er euer kleines Komplott gegen Severus gestört hat.“
Kirkidaze nickte. Salesch machte ein säuerliches Gesicht, da Snape schon wieder jemanden in ihrem Gerichtssaal beleidigte. Doch sie sagte nichts, da sie diesem Schauspiel freien Lauf lassen wollte. Dabei hatten sich schon so manche Fälle von allein geklärt.
„Ist es nicht wahr, Herr Lupin, dass sie und ihre Freunde schon öfters mit Severus Snape zusammengeraten sind? Genauer gesagt, ist es nicht wahr, dass speziell Herr Potter und Herr Black den jungen Mann mehr als einmal quälten, wann immer sie ihm begegneten?“ Kirkidaze blätterte in seiner Akte. „Laut einer Zeugin hat Herr Potter mehr als einmal zugegeben, dass er Severus Snape hasst.“
Lupin schüttelte seinen Kopf. „Er hasst Severus Snape nicht. Snape hasst ihn!“ protestierte er energisch. Dabei beachtete er nicht das vehemente Kopfschütteln von James Potter. „Es gab solche Zusammentreffen. Das blieb nicht aus. Schließlich gingen wir in die gleiche Schule!“
„Ha!“ schrie Snape. „Hören sie es! Diese Typen hatten es auf meinen Jungen abgesehen!“
„Sie sollten ihr Maul nicht so weit aufreißen, Muggel!“ knarrte Sirius Black und sein Gesicht war auf einmal gar nicht mehr hübsch anzusehen. „Sie sind der Einzige, der es auf Schniefelus abgesehen hat!“
„Lass es gut sein, Sirius.“ raunte Potter.
„Das möchte ich aber auch meinen.“ sagte Kirkidaze. „Es zeugt von ihrer Einstellung diesem jungen Mann gegenüber, Herr Black.“
„Bitte, Herr Lupin, schildern sie weiter, was an dem Abend geschehen ist.“ unterbrach die Richterin.
„Ich kann nicht viel sagen. Wie schon erwähnt leide ich am Schlafwandeln. Ich kann nur vermuten, dass ich an diesem Abend ungewollt das Bett verließ und mich Sirius und James begleiten wollten. Man sollte mich nämlich nicht wecken, wenn ich herumstreife. Das hätte schlimme Folgen. Das sagt mein Arzt. Ich bin dann irgendwann in dieser Spukhütte aufgewacht und da war offenbar schon alles vorbei. Da waren meine Freunde und Snape, der schreiend davonlief, als sei der Teufel persönlich hinter ihm her.
Ich war vollkommen außer Atem und voller Schmutz, da ich mich überraschend am Boden wähnte. Das kann ich mir alles nicht erklären.“ vollendete Lupin seine Aussage.
„Nun hören sie aber auf!“ rief Kirkidaze entrüstet. „Wer soll ihnen das denn abnehmen?“
„Nun, Herr Staatsanwalt, das Attest besagt ganz eindeutig, dass mein Mandant keinerlei Einfluss auf seine Taten hat, während er sich im Zustand des Schlafwandels befindet.“ meinte Lenßen.
„Haben sie noch Fragen an den Angeklagten?“ fragte die Richterin.
Als alle den Kopf schüttelten, erhob sich Sirius Black ohne Aufforderung und begab sich auf den Platz.
„Ah, da erübrigt sich die Frage, ob sie etwas dazu sagen wollen.“ meinte die Richterin. „Dann muss ich sie nur noch belehren…“
„Schon gut. Ich habe vorhin zugehört und konnte ihren Worten folgen. Ich heiße Sirius Black, bin 18 Jahre alt und lebe in London. Na ja, sobald ich aus dieser kleinen Gefängniszelle wieder rauskomme, jedenfalls.“ Black lächelte. Damit erntete er aber nur finstere Blicke.
Die Mädchen im Publikum kicherten wieder. Allerdings ganz leise, so dass die Richterin nicht doch noch in den Genuss kam ihre Drohung wahr zu machen.
„Finden sie das lächerlich?!“
Black lächelte weiter. „Aber natürlich. Das hier ist ein Witz. In der Z…“ Black schluckte. „Aus der Welt, aus der ich komme, sind wir wegen solcher Kleinigkeiten nicht einmal angeklagt worden. Snape selbst hätte niemals vor dem Zaub…ähm, vor …na ja, egal. Askaban ist etwas das ich Ernst nehme. Das hier ist lächerlich. Ich würde mir meine Finger niemals an diesem Möchtegern Schwarzmagier schmutzig machen.“
„Wer oder was ist Askaban?“ fragte die Richterin stirnrunzelnd.
Wieder kicherten die Mädchen und tuschelten leise miteinander.
„Jetzt reicht’s mir!“ schrie die Salesch. Sie winkte hektisch mit ihrem Arm und deutete den Mädchen an den Richtertisch zu treten.
Die Drei trippelten giggelnd an Black vorbei. Eine ließ sogar ein kleines Briefchen in seinen Schoß fallen. Er lächelte noch breiter, als er es bemerkte.
„Nennen sie mir ihre Namen und geben sie mir ihre Personalausweise.“ forderte die Richterin die Mädchen auf.
„Was ist ein Personalausweis?“ fragte eine von ihnen verwirrt.
Die Salesch verdrehte ihre Augen. „Ich warne sie! Nennen sie mir ihre Namen. Und lügen sie nicht! Wir bekommen es raus!“
Die Mädchen hörten schlagartig auf zu lächeln und nannten brav ihre Namen. Die ebenso außergewöhnlich waren wie Sirius, Severus oder Remus.
Doch das störte Barbara nicht.
Die Mädchen wurden aus dem Gerichtsaal geführt und würden wohl ein paar Tage in Ordnungshaft verbringen.