Liebes Tagebuch,
Vor einer halben Stunde passierte es:
Ich lehnte lässig an der Wand und plauderte mit einer hübschen Ravenclaw, die nicht einen Meter von mir entfernt dastand und mich unentwegt freundlich anlächelte. Ihre hellbraunen Haare glänzten kupferfarben im flackernden Licht der Fackeln an der Wand, ich glaube, ich verlier meinen Faden.
Jedenfalls war es Frühstückszeit (im wahrsten Sinne des Wortes, denn es war noch so früh, dass die Decke in der großen Halle noch stockdunkel war) und an mir vorbei strömten Schüler aus allen Klassen, die vor ihrer ersten Stunde ein gemütliches Müsli zu sich nehmen und ein bisschen plaudern wollten.
Gerade schilderte ich meiner Gegenüber haarklein, wie ich es am Vortag als einziger geschafft hatte, meinen Papagei in einen Eierlöffel zu verwandeln. Sie lachte glockenhell, als ich zu der Stelle kam, an der Hermine Granger mit hochrotem Kopf wegen meines Erfolges aus dem Klassenzimmer gestürmt war. Ich wollte meine Worte mit einer vielsagenden Handbewegung unterstreichen, doch da traf mich plötzlich etwas hart an der Schulter. Ich taumelte zurück und keuchte überrascht. Mein Blick hob sich und schweifte über den Menschenstrom, der sich langsam aber stetig in die große Halle schob. Ein Gesicht tauchte in der Masse auf, ein Gesicht, das mich hasserfüllt und herausfordernd anstarrte: Harry Potter. Die grünen Augen blitzten angriffslustig, doch dann verschwand der Kopf in der Menge. Ich meinte, ein Lachen zu hören, das sehr nach „Mensch, hast du sein Gesicht gesehen?“ klang.
„Geht es dir gut?“, fragte die Ravenclaw mich mit honigsüßer Stimme, die wie eine wunderbare Melodie klang. Ich versuchte zu lächeln, doch eine unglaubliche Wut und blinder Hass waren plötzlich in mir aufgestiegen.
An dieser Stelle wäre es vielleicht angebracht, noch einmal zu erläutern, was ich von Harry Potter halte.
Aussehen: bescheiden (scheiße)
Charakter: bösartig, ungerecht, angeberisch, egoistisch, schleimerisch, eingebildet
Freunde: Hermine Granger (eingebildet, zickig) Ronald Weasley (frech, hohl, bescheuert)
Zwar mag ich Potter (wie man sieht) nicht besonders, doch ich habe auch nie das Verlangen gehabt, direkt verfeindet mit ihm zu sein oder mich sogar mit ihm zu duellieren, das wäre Dummheit.
Ich murmelte etwas Nettes in Richtung der Ravenclaw (deren Augen wunderschön leuchteten, als sie sich umdrehte) und stürmte selber in Richtung große Halle.
In Sekundenschnelle hatte ich meinen Entschluss gefasst und nahm jetzt Kurs auf den Gryffindortisch. Direkt hinter Harry Potter machte ich Halt und hörte, wie dieser gerade mit fuchtelnden Handbewegungen vormachte, wie ich nach seinem Stoß zurückgetaumelt war. Der ganze Tisch lachte schallend. Als die Weasley-Zwillinge mich bemerkten, sagten sie wie aus einem Mund: „Ahhhh, da ist ja schon unser Held!“
Während die Gryffindors ihre Blicke auf mich richteten und wieder ihr Gelächter losließen, stand Harry auf. Es wurde still bei den Gryffs, wenn auch die anderen Häuser munter weiterplapperten. „Nette kleine Ravenclaw, die du dir da geangelt hast, Zabini“, sagte er ganz ruhig, worauf ich von allen Seiten angefeixt wurde. Ich starrte ihn an, meine Augen zu Schlitzen verengt. „Ja, wenn dein ganzes Haus hinter dir steht, dann traust du dich, mich anzusprechen.“ Ganz langsam und wirkungsvoll ließ ich meine Worte erklingen. „Feigling!“ Ich spuckte dieses Wort förmlich aus. Dann drehte ich mich um und rannte davon, um diesen Eintrag zu machen. Ich weiß, dass es Konsequenzen haben wird, doch ich werde versuchen, Potter aus dem Weg zu gehen. Doch jetzt gehe ich erst einmal wieder hinunter und frühstücke.