Die Öffnung der Kammer des Schreckens

31.10.1992

Blaise quälte sich mühsam aus dem Gewirr seiner Decken. Um ihn herum war es noch dunkel. Kein Wunder, denn der Herbst hatte Hogwarts bereits in seinen Fängen und die Sonne konnte sich in dieser Frühe noch nicht über den Horizont kämpfen. Heute hatte er nicht verschlafen, so wie am vorigen Tag. Dafür hatte ein kleiner, sehr wirksamer Zauber schon gesorgt. Im Bett neben ihm regte sich eine Gestalt und stöhnte müde.
"Morgen, Malfoy!"
Der angesprochene blonde Slytherin setzte sich im Bett auf und schaute zu Blaise, der gerade ein Bein in die Hose stopfte.
"Bist du wahnsinnig oder was?! Es ist doch noch dunkel draußen!"
Blaise stand vom Bett auf und knöpfte die Hose zu.
"Na los, raus aus den Federn! In einer halben Stunde gibt’s Frühstück!"
Malfoy stöhnte wieder und schlug seine Decke beiseite.

Eine halbe Stunde später saßen die beiden Slytherins in der Großen Halle zwischen Crabbe und Goyle. Malfoy schaute sich angewidert um und musterte die vielen Kürbisse. "Schon wieder Halloween!"
Blaise schaute sich ebenfalls um.
"Was hast du bloß gegen Halloween?! Ist doch nichts Schlimmes dran…"
Den Rest des Frühstücks schwiegen sie sich an. Blaise war keiner von großen Worten.

Der Tag verlief wie jeder andere auch: schleppend und ermüdend. Alle Schüler freuten sich auf das Festessen, das am Abend zur Feier von Halloween stattfinden würde. Und der Abend kam. Draußen wurde es früh dunkel und in der Großen Halle wurde mit Kerzen schummrige Stimmung verbreitet. Blaise saß neben Malfoy und schüttete Kürbissaft in sich hinein. Draco regte sich mal wieder über die Gryffindors auf. Besonders über Potter.
"Der denkt sicher mal wieder, er sei zu gut um hier zu sein. Treibt sich mit diesem Schlammblut und Weasley in den Gängen rum. Ich hoffe, Filch erwischt sie und sie werden rausgeworfen."
Blaise grinste. "Mach dir keine zu großen Hoffnungen. Die werden nie rausgeworfen. Die Lehrer mögen doch Potter zu sehr. Das ist seine Absicherung…"
Draco grinste zurück und rieb sich die Hände. "Oh ja, ich hoffe, sie werden erwischt."

Der Abend ging mal wieder viel zu schnell vorüber. Ich muss zugeben, ich war ganz schön müde. Draco quatschte immer wieder davon, dass er noch ein wenig im Schloss herumstreifen wolle um ein paar Schüler zu erschrecken. Ich hörte nicht richtig zu. Manchmal kann er schon kindisch sein. Wir waren gerade auf dem Weg durch die Eingangshalle zur Tür, die in die Kerker hinunter führte, als plötzlich ein lauter Schrei von oben herab an den Wänden widerhallte. Die meisten erschraken und schauten sich verwirrt an. Die ersten Schüler standen schon oben an der Marmortreppe und folgten dem Schrei. Natürlich schlossen sich auch die Slytherins an, wer wollte das schon verpassen. Mal sehen, vielleicht war ein Gryffindor von einem Geist erschreckt worden. Lächerlich.
Als wir im dritten Stock ankamen, wurden wir aufgehalten. Alle drängelten und wollten weiter nach vorn, aber am Kopf des Tumults staute sich die Menge. Davon ließen wir uns aber nicht aufhalten. Wir sind schließlich Slytherins. Crabbe und Goyle erkämpften uns einen Weg nach vorn. "Verdammt, was ist den das für eine Sauerei!"
Ich war mitten in eine Wasserpfütze getreten. Was heißt da Pfütze? Der ganze Korridor war überschwemmt. Ich drehte meinen Kopf ein wenig zur Seite. Irgendetwas spiegelte sich im Wasser, aber ich konnte es nicht erkennen, also hob ich den Kopf und sah an die Wand, vor der, wie sollte man anderes erwarten, Granger, Potter und Weasley standen. Im Licht der Fackeln schimmerten große rote Worte .

DIE KAMMER DES SCHRECKENS WURDE GEÖFFNET. FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT!

Draco trat hervor und sprach laut: "Feinde des Erben, nehmt euch in Acht! Schlammblüter, ihr werdet die nächsten sein!" Es herrschte drückende Stille und alle starrten entweder Draco oder die drei Gryffindors an…

Von diesem Tag an war alles wie verändert in Hogwarts. Die Bibliothek wurde von den Schülern fast überfallen. Alle wollten wissen, was es mit der "Kammer des Schreckens" auf sich hatte. Doch Blaise und Draco hatten das gar nicht nötig. Sie wussten, was die Kammer des Schreckens war. Alle Slytherins wussten das.
Der Legende nach baute Salazar Slytherin, bevor er die Schule verließ, eine geheime Kammer ein, die nur sein wahrer Erbe einst finden und den Schrecken, den er im Inneren eingeschlossen hatte, freilassen konnte. Dieses schreckliche Etwas würde die Schule von allen "Unwürdigen" befreien.

Blaise war alleine unterwegs durch das Schloss. Es war bereits spät am Abend und bald würde er den Gemeinschaftsraum der Slytherins aufsuchen müssen, doch das hatte noch Zeit. Er freute sich über die Niederlage der Gryffindors beim heutigen Quidditchspiel. Dem unfähigen Potter wurde durch einen Klatscher der Arm gebrochen. Dank Lockharts Zauber hatte er auch noch sämtliche Knochen des Armes verloren und lag jetzt im Krankenflügel.
Ein paar einzelne Fackeln erhellten den Korridor, in dem Blaise wandelte. Das Licht tanzte über die Wände und als Blaise um die Ecke bog schien es, als stände das Flackern still. Am Boden lag eine Gestalt. Blaise ging langsam näher heran und bückte sich um die Gestalt näher zu betrachten.

"Das ist doch dieser komische Gryffindor, der immer hinter Potter her rennt um ihn zu fotografieren." Ich wollte ihn schütteln, zog die Hand aber sofort wieder zurück. Er war ganz steif und hart. Wie Stein; seinen Fotoapparat hielt er in den Händen und in seinem Gesicht stand das Schrecken geschrieben.
Ohne es richtig zu realisieren zuckte ein Lächeln um meine Lippen. Draco hatte Recht. Das erste Schlammblut hat es schon erwischt. Ich hörte Schritte kommen. Ich sollte mich besser aus dem Staub machen, wenn ich nicht erwischt werden wollte. Ich erhob mich vom Boden und rannte in die andere Richtung davon. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde es auch die nächsten Schlammblüter erwischen.

Also ging ich in den Gemeinschaftsraum und überbrachte die Nachricht Draco. Dieser ging vor dem Feuer auf und ab und meinte:
"Mein Vater hat mir erzählt, dass die Kammer schon einmal geöffnet wurde, vor fünfzig Jahren. Wer es war, wollte er mir nicht sagen, nur, dass der Schuldige erwischt und der Schule verwiesen wurde. Damals gab es eine Tote."
Er blieb stehen und blickte ins Feuer. Der rote Schein spiegelte sich in seinen grauen Augen.
"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie den ersten Toten finden. Ich persönlich hoffe es ist Granger…"
Ich nickte und grinste breit…