Er stand am Bahnhof von London, unbemerkt von den anderen Passanten. Sie schienen ihn nicht zu beachten. Er hingegen beobachte sie genau. Sah, wie sie ständig zwischen den beiden Gleisen 10 und 9 hin- und hergingen. Aber bemerken taten sie ihn nicht und somit wunderten sie sich auch nicht, dass er genau vor dem Pfosten zwischen Gleis 9 und 10 stand. Der Schwarzhaarige lächelte. Dumme Muggel! Sie verstehen nicht ansatzweise, was sich dahinter verbirgt. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass er nicht beobachtet wurde, nahm er seinen Wagen und rannte auf den Pfosten zu.
Wenige Minuten später befand er sich auf dem Bahnsteig vom Gleis 9 3/4. Natürlich hatte es geklappt, wie seine Mutter es beschrieben hatte. Sie hielt es nicht für nötig, ihren Sohn zu begleiten. Sie war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt.
„Du bist alt genug, um allein zum Zug zu gehen!“
Dann gab sie ihm noch einen Kuss, ehe sie wieder Richtung Ausgang stolzierte. Dabei ruhten die Blicke anderer Männer auf ihr.
Blaise konnte es egal sein! Er hatte sich damit abgefunden, dass seine Mutter überall im Rampenlicht stand. Sein Blick glitt durch die Menge. Er hoffte jemanden ganz bestimmten zu finden. Aber er konnte die Person nicht ausfindig machen. Dabei hat er doch geschrieben, dass wir uns hier treffen? „Was soll’s! Gehe ich schon mal rein.“ Somit packte der Elfjährige seinen Koffer und stieg in den Hogwarts-Express. Es dauerte nicht lange, da hatte er auch schon ein leeres Abteil gefunden. Er verstaute seinen Koffer und ließ sich auf einem der freien Sitze nieder. Jetzt hieß es warten! „Er wird schon kommen. Wenn nicht, so ist es sein Pech!“
Der Zug setzte sich in Bewegung. Blaise sah von seinem Buch auf. „Und wenn er ihn verpasst hat?“, fragte der Schwarzhaarige sich. „Ach was! Er würde sich nicht verspäten. Das sähe ihm gar nicht ähnlich. Eher würde er freiwillig ein Gryff werden. Er wurde wahrscheinlich nur aufgehalten!“, versuchte er sich zu beruhigen. Aber wenn er ehrlich war, Sorgen um seinen besten Freund machte er sich schon. Natürlich hätte er das nie zugegeben. Das hatte man ihm von Anfang an beigebracht. Niemals Gefühle anderen gegenüber zeigen. Der Elfjährige seufzte auf, als sich die Abteiltür öffnet und die Imbiss-Hexe vorbeikam.
Pansy Parkinson trat ein und lächelte Blaise zu.
Ein Junge mit blassem Gesicht und platinblonden Haaren kam wütend in das Abteil gestürmt. Begleitet wurde er von zwei Jungen, die sehr viel Ähnlichkeit mit Wandschränken hatten.
„ER HAT SIE ABGELEHNT!!!!“ Die Anwesenden zogen scharf die Luft ein. Denn so etwas machte niemand. Wer die Freundschaft eines Malfoy ablehnte, hatte mit schlimmen Konsequenzen zu rechnen.Der Zug stoppte und die Kameraden stiegen aus. Dabei fiel Blaises Blick auf Harry Potter. „Das ist er also! Der soll den dunklen Lord besiegt haben?“ Zabini lächelte spöttisch. „Tja, Potter! Du hast dich mit den falschen Leuten angelegt.“ Mit den Booten fuhren die Erstklässer über den See zum Schloss. Durch einen Geheimgang gelangten sie zur Großen Halle. Vor der Tür wartete Prof. McGonagall und klärte sie über den Ablauf der Zeremonie auf. Blaise war schon ein wenig aufgeregt und so nahm er nur am Rande wahr, dass ein plumper Junge nach seiner Kröte suchte. Die Türen öffneten sich und alle Erstklässler betraten die Große Halle. Auch wenn der Schwarzhaarige es sich nicht eingestehen wollte, war er beeindruckt. Vor einem Stuhl, auf dem ein alter Hut lag, blieben sie stehen. „Das ist also der Sprechende Hut!“ Bevor sie aber den Hut aufsetzen konnten, begrüßte zuerst Dumbledore alle Schüler und Lehrer in Hogwarts. Kaum hatte er geendet, fing der Hut schon an sein Lied zu singen:
Ihr denkt, ich bin ein alter Hut,
mein Aussehen ist auch gar nicht gut.
Dafür bin ich der schlauste aller Hüte
Und ist es nicht wahr, so fress ich mich, du meine Güte!
Alle Zylinder und schicke Kappen
Sind gegen mich doch nur Jammerlappen!
Ich weiß in Hogwarts am besten Bescheid
Und bin für jeden Schädel bereit.
Setzt mich nur auf, ich sage euch genau,
wohin ihr gehört - denn ich bin schlau.
Vielleicht seid ihre Gryffindors, sagt euer alter Hut,
denn dort regiert, wie man weiß, Tapferkeit und Mut.
In Hufflepuff dagegen ist man gerecht und treu,
man hilft den anderen, wo man kann, und hat vor Arbeit keine Scheu.
Bist du geschwind im Denken, gelehrsam und auch weise,
dann machst du dich nach Ravenclaw, so wett ich, auf die Reise.
In Slytherin weiß man noch List und Tücke zu verbinden,
doch dafür wirst du hier noch echte Freunde finden.
Nun los, so setzt mich auf, nur Mut,
habt nur Vertrauen zum sprechenden Hut!
Dann begann Professor McGonagall jeden einzelnen der Erstklässler aufzurufen. Blaise verfluchte zum ersten Mal seinen Nachnamen. Ihm war klar, dass er als Letzter aufgerufen werden würde. So stand er da und wartete. Dabei schaute er sich in aller Ruhe um, bis plötzlich ein ganz bestimmter Name fiel: Harry Potter!
Zabinis Aufmerksamkeit war wieder auf den Hut gerichtet, ebenso wie der Blick der anderen Anwesenden in der Halle. Nach einigen Minuten, die wie Stunden vorkamen, verkündete der Hut: „Gryffindor!“ Der Löwentisch applaudierte und Blaise sah, wie die Weasley-Zwillinge laut riefen: „Wir haben Potter! Wir haben Potter!“ Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf! „Wenn du da mal nicht den schlimmsten Fehler deines Leben begangen hast, Potter!“
Einige Minuten später war es dann auch für Blaise soweit! Er ging nach vorne und setzte den Hut auf. „Oh ja! Das ist einfach: dein Haus ist: SLYTHERIN!“ schrie der Hut in die Runde. Zabini lächelte leicht arrogant und ging auf den Schlangentisch zu. Dort wurde er bereits von Draco erwartet.
„Du hast es also doch hierher geschafft“, stellte Malfoy sachlich fest.
Der schwarzhaarige Slytherin lachte auf.
„Natürlich! Was dachtest du denn? Dann setzte er sich hin, bevor Dumbledore verkündete, dass sie jetzt alle die Schulhymne singen würden.