Im November stand das erste Quidditchspiel zwischen Slytherin und Gryffindor an. Alle sahen diesem Ereignis voller Vorfreude entgegen, aber niemand steigerte sich so hinein, wie Draco Malfoy. Er war es, der Harry Potter, die neue Berühmtheit der Schule und jüngster Quidditchspieler seit hundert Jahren, als persönlichen Erzfeind zu betrachten schien. Um ehrlich zu sein, mir drehte sich ebenfalls der Magen um, wenn ich jeden Morgen die Schüler der anderen Häuser voller Begeisterung über ihn tuscheln hörte, und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als dass er sich bei seinem ersten Quidditchspiel so richtig blamieren würde. Sollte er doch vom Besen fallen, dieser Aufschneider!
Trotz allem war ich nicht besonders glücklich, als Draco mich am Morgen
des Spiels um kurz nach sieben aus dem Bett warf. Der Morgen war kalt und
noch keine Sonne am Himmel; doch Draco kannte keine Gnade und zog mir
einfach die Decke weg.
"Bist du völlig übergeschnappt?", fragte ich verärgert und schlaftrunken.
"Das verflixte Spiel beginnt doch erst in Stunden!" Aber ein Blick in
Dracos Gesicht reichte, um mir zu verraten, dass er irgendetwas plante.
"Maul nicht rum und zieh dich an; Crabbe und Goyle sind auch schon fertig",
antwortete er und ich schlüpfte schnell in meine Sachen. Gemeinsam
verließen wir den Gemeinschaftsraum und gingen durch die noch ruhigen Gänge
nach draußen. "Was hast du vor?", wollte ich schließlich von Draco wissen,
der den Weg in Richtung Quidditchfeld einschlug und sich dabei ständig
nervös umsah. Ein Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. "Hagrid,
dieser Trottel, enteist morgens doch immer die Schulbesen. Nun ja, vor
diesem ach so wichtigen Spiel wird er sich sicher auch um die Besen der
Spieler kümmern. Und ich habe da einen kleinen Hokuspokus gefunden, der
Potter das Fliegen erschweren könnte." Das war natürlich eine spitzenmäßige
Idee! Ich konnte mich trotz der Kälte gleich etwas mehr für unseren
morgendlichen Ausflug begeistern. "Was ist es?" fragte ich neugierig, doch
Draco winkte ab. "Still jetzt, sonst hört man uns."
Wir schlichen uns hinter einigen Büschen immer näher an die Besenkammer
neben den Umkleideräumen des Quidditchfelds. Crabbe und Goyle hatten dabei
echte Probleme, sich klein zu machen und leise zu laufen; die beiden sind
doch eher zu gebrauchen, wenn es jemanden aufzumischen gilt. Schließlich
kauerten wir uns hinter einem Busch zusammen und warteten.
Ich weiß nicht, wie lange wir dort gehockt haben, aber irgendwann hatte ich
das Gefühl, meine Zehen seien aus Eis und mein Magenknurren müsse bis zum
Schloss zu hören sein. "Draco, lass uns abhauen. Wir frieren hier noch
fest, gleich gibt es Frühstück und vielleicht hast du dich wegen Hagrid
geirrt." Draco schüttelte nur den Kopf "Ruhe! Er wird kommen und ich werde
dem Narbengesicht sein erstes Quidditchspiel so richtig vermiesen!"
Als ich schon nicht mehr daran glaubte, dass Hagrid noch auftauchen würde,
und insgeheim fürchtete, wir würden bis zum Beginn des Spiels hinter diesem
Busch hocken und erst gegen Mittag etwas zu Essen bekommen, kam tatsächlich
eine große Gestalt über die Wiese gestapft. "Na endlich," brummte Crabbe
und erntete von Draco dafür einen tödlichen Blick. Mit großer Mühe
versuchten wir ruhig zu bleiben. Es war tatsächlich Hagrid, in seinen
schäbigen Pelzmantel gehüllt, der sicher von einem Stinktier stammte. Ich
glaube, außer Potter und seinen beiden verpeilten Freunden nimmt niemand
diesen Trottel für voll, aber die würden einen Riesen sicher nicht einmal
erkennen, wenn er sich auf sie drauf setzt! Es heißt, Hagrid sei in seinem
dritten Schuljahr von der Schule geflogen, weil er zu dem Zeitpunkt noch
immer nicht wusste, wie er seinen Zauberstab richtig herum hielt. Nun ist er
der Wildhüter und so eine Art Handlanger, der von allen herumgeschubst
wird.
Als er endlich die Türe der
Besenkammer öffnete und die Besen auf dem Rasen ausbreitete, war ich so
aufgeregt, dass ich die Kälte und den Hunger glatt vergaß. Draco ließ
seinen Blick nervös über die Stiele wandern "Wo ist er? Wo ist Potters
Nimbus 2000?", murmelte er fast unhörbar und holte ein Stückchen Pergament
aus der Tasche. Auch ich hielt Ausschau nach Narbengesichts Besen und
zählte dabei in Gedanken die Stiele. "Draco, das sind zehn Besen! Manche
Schüler haben ihren offenbar mit ins Schloss genommen. Da fällt mir ein:
Flint lässt seinen auch nie in der Besenkammer! Er sagte einmal, er traue
niemandem und nur er dürfe seinen Besen berühren. Sicher wird Potter seinen
neuen Nimbus auch nicht einfach herumliegen lassen!" Zum Glück war Hagrid
noch einmal in der Kammer verschwunden und konnte unser Getuschel nicht
hören. Aber Draco wollte mir nicht glauben. Er steckte den Kopf durch die
Zweige, um besser sehen zu können. "Quatsch keinen Stuss, Zabini! Da liegt
der Nimbus; der dritte von links!" Er zückte seinen Zauberstab und begann
den ausgesuchten Zauberspruch zu murmeln, während ich einen Blick auf den
Besen warf. "Das ist kein Nimbus 2000, das muss ein älteres Modell sein.
Der hat ja schon Macken am Stiel und einige Zweige sind abgeknickt." Aus
der Besenkammer waren Schritte zu hören; Draco erschrak, sprach hastig
seinen Zauber zu Ende und wir zogen beide blitzschnell die Köpfe hinter den
Strauch zurück. Niemand hatte gesehen, ob der Zauber den Besen getroffen
hatte oder nicht. Einen Moment lang sah Hagrid in unsere Richtung und mein
Herz blieb beinahe stehen. Doch dann zuckte er die Schultern und begann
sich um die Besen zu kümmern.
Wir saßen schwer atmend in unserem Versteck und sahen uns ratlos an. Hatte die Aktion nun geklappt, oder nicht? Draco gab uns schließlich ein Zeichen und wir machten uns so leise wie möglich aus dem Staub. Zunächst blieben wir hinter den Büschen und Goyle hätte uns beinahe verraten, als er über seine eigenen Füße stolperte. Dieser Tollpatsch! Ein nervöser Blick zurück zeigte uns allerdings, dass Hagrid die Besen offenbar schon wieder zurück in die Kammer brachte und ich atmete erleichtert auf. Schließlich konnten wir uns in den Schatten des Schlosses flüchten und rannten zur Eingangstür. Dort angekommen warteten wir einen Moment und versuchten wieder zu Atem zu kommen. "Was war das überhaupt für ein Zauber?", fragte ich Draco schnaufend. "Ein Glitsch-Spruch. Potter wird auf dem Besen herumrutschen und hoffentlich auch herunterfallen." Die Vorfreude auf dieses Schauspiel zauberte auch mir ein Grinsen ins Gesicht. "Ich hoffe nur, das war der richtige Besen…" "Ach, halt die Klappe, Zabini!", schnappte Draco und wir betraten endlich das warme Schloss.
Inzwischen war es fast neun Uhr und auch der Rest der Schule erwacht. In der Großen Halle stand das Frühstück bereits auf den Tischen und alle plapperten aufgeregt über das anstehende Spiel. Auf dem Weg zu unseren Stammplätzen kamen wir an Prof. Snape vorbei, der mit McGonagall scheinbar auf den Ausgang des Quidditchspiels wettete. Keine Frage, wir würden wieder gewinnen, so wie in den Jahren zuvor! Und mit etwas Glück würde der Wunderjunge sich heute zusätzlich zum Affen machen. Wir versuchten so unschuldig wie möglich auszusehen und ich musste mir das Grinsen der Vorfreude wirklich verkneifen, als Prof. Snape einen flüchtigen Blick auf uns warf. Draco begrüßte ihn gleich in seiner übertrieben freundlichen Art, die er Lehrern gegenüber immer an den Tag legte und wegen der wir ihn alle liebend gerne aufziehen. Manchmal ist er zwar ein kleiner Schleimer, aber er hat wirklich die besten Ideen! Zum Glück stellte Prof. Snape keine Fragen, warum wir uns vor dem Frühstück draußen herumgetrieben hatten, und wir konnten endlich unsere Mägen füllen. Ich war froh, aus der Kälte heraus zu sein, und sie war das einzige, was mir die Aussichten auf das anstehende Spiel ein wenig vermieste. Es gab viele ausgefallene Sachen zum Frühstück, wie immer an besonderen Tagen. Ich schlug mir den Bauch voll und versuchte mir mit Draco leise tuschelnd auszumalen, wie Potter später auf seinem Besen herumrutschen würde. Zum Glück waren wir von Crabbe und Goyle flankiert, so dass uns niemand belauschen konnte. "Stell dir vor, er hängt kopfüber vom Besen, wie ein Klammeraffe!", kicherte ich, als Draco Pansy Parkinson, die gerade an uns vorbei ging, anhielt. "Hey, Pansy, geh doch bitte für uns rüber zu Harry Potter und richte ihm aus, bei seinen Flugkünsten solle er besser jemanden anheuern, der ihn notfalls mit einer Matratze auffängt!" Das tat sie wirklich und bei Potters Gesichtsausdruck nach dieser Mitteilung mussten wir lachen, bis uns dich Bäuche wehtaten. Wie so oft sammelte sich aber bald ein kleiner Fanclub um Narbengesicht und versuchte sich beim ihm einzuschleimen und ihm Mut zu machen. "Mal sehen, was seine Fans nach dem Spiel von ihm denken werden", sagte Draco und ging zu unserem Quidditch-Käpitän Marcus Flint, um ihm alles Gute zu wünschen. Seit Potter Sucher geworden war, versuchte Draco Flint davon zu überzeugen, auch ihn spielen zu lassen, doch bisher hatte er keinen Erfolg damit. Erstklässler kommen leider so gut wie nie in die Hausmannschaften, aber wenn es bei den Gryffindors eine Ausnahme gibt, wieso dann nicht auch bei uns? Ich selber würde ebenfalls liebend gerne in unserer Hausmannschaft mitspielen, aber Draco meinte, er sei einfach besser als ich.
Gegen halb elf machten wir uns wieder auf den Weg zum Quidditchfeld, um
möglichst gute Plätze zu ergattern. Inzwischen stand die Sonne am Himmel
und es war zum Glück etwas wärmer als in den frühen Morgenstunden. Crabbe
und Goyle verscheuchten einige Mädchen aus der zweiten Klasse von den
oberen Rängen und wir machten es uns so gemütlich wie möglich. Auf der
anderen Seite des Stadions sammelten sich die Gryffindors und rollten ein
schmieriges altes Bettlaken aus. "Potter vor – für Gryffindor" stand darauf
und neben diesem Spruch prangte ein großes Tier, das dauernd die Farben
wechselte "Soll das ein Löwe sein oder ein hässlicher Flubberwurm?",
witzelte ich und Draco fügte hinzu: "Diese Schlammblüter und Blutsverräter
sollten besser kein Schuleigentum zerstören. Weasley hätte das Laken besser
mit nach Hause genommen, seine Mutter wäre über so viel Luxus sicher in
Tränen ausgebrochen. Die schlafen doch alle im Schweinestall!"
Kurz darauf war es endlich elf Uhr und Madame Hooch betrat das Feld,
gefolgt von den beiden Mannschaften. Alle brachen in Jubel aus und
begrüßten ihr Team. "Die ist doch parteiisch!", warf Millicent Bullstrode
ein, als Madame Hooch um "faires und sauberes Quidditch" bat und dabei
einen grimmigen Blick auf Marcus Flint richtete. Der Ruf ging im
allgemeinen Getöse unter, als Madame Hooch den Quaffel hoch in die Luft
warf und das Spiel endlich losging. Gebannt starrte ich auf Potter, der
sich vom Boden abstieß und hoch in die Luft schoss. Leider konnte er sich
auf dem Besen halten und begann über dem Geschehen seine Kreise zu ziehen.
"So langsam, wie der fliegt, kann der Spruch ja keine Wirkung zeigen",
meinte Draco hämisch und achtete auch mehr auf Potter, als auf den Rest der
Spieler. Eine richtige Frechheit war, dass neben der parteiischen
Schiedsrichterin auch noch ein Gryffindor das Spiel kommentierte! Dieser
Lee Jordan ergriff ganz eindeutig Partei für Gryffindor und wurde deswegen
von McGonagall auch immer wieder ermahnt. Leider zog sie ihm für seine
Vorwürfe gegen Slytherin keine Hauspunkte ab, da hätte er vielleicht Augen
gemacht! Prof. Snape hätte das sicher getan, denn er hasst
Ungerechtigkeit.
Ich löste meinen Blick erst von Potter, als Marcus Flint in Quaffelbesitz
war. Er schaffte es, die beiden Jägerinnen der Gryffindors abzuwehren und
schoss auf das gegnerische Tor zu. "LOS FLINT, MACH IHN REIN!", brüllten
alle Schüler unseres Blocks und viele standen vor Aufregung von den Bänken
auf. Flint täuschte an, flog eine Schleife und warf, aber leider konnte der
Hüter den Quaffel im letzten Moment abwehren. Die Gryffindors jubelten und
Potter ließ kurz seinen Besen los, um in die Hände zu klatschen. Als er
anfing zu schwanken, hielt er sich schnell wieder fest. "Siehst du!", sagte
ich zu Draco und stieß ihn an. "Der geht heute sicher noch zu Boden!" Draco
nickte und die Gryffindors begannen zu buhen: offenbar war eine ihrer
Jägerinnen von einem Klatscher getroffen worden. Ich war hin und her
gerissen, ob ich lieber dem Spiel folgen oder lieber Narbengesicht im Auge
behalten wollte, doch da dieser sowieso nur langweilig in der Luft herum
hing, ließ ich mich dann doch vom Spiel mitreißen. Adrian Pucey, unser
Jäger, war gerade im Quaffelbesitz und konnte sich an einer der
gegnerischen Jägerinnen vorbeidrängen. Er sauste in Richtung Tor, als ihn
ein Klatscher am Hinterkopf traf und er den Quaffel fallen ließ. "So ein
Mist!", fluchte Goyle, der vor Aufregung in seine Faust gebissen hatte. Der
Kommentator verkündete freudig, dass Angelina Johnson, eine Jägerin der
Gryffindors, in Quaffelbesitz sei; beinahe wäre auch sie von einem
Klatscher getroffen worden, aber sie wich ihm in letzter Minute aus. "Nein,
nein, NEIN!" Die Gryffindors hatten ihr erstes Tor! Bletchey, unser Hüter,
bekam von Flint ein paar passende Worte gesagt und sah ziemlich
niedergeschlagen aus. Zum Glück gewinnt beim Qudidditch meistens die
Mannschaft, deren Sucher es gelingt, den goldenen Schnatz zu fangen. Potter
flog einige Loopings, konnte sich leider aber noch immer auf dem Besen
halten. "Das gibt es doch nicht", murmelte Draco wütend vor sich hin. Leise
sagte ich: "Vielleicht war es doch der falsche Besen", aber ein Blick von
ihm brachte mich zum Schweigen. "Potter ist ein Klammeraffe! Aber sobald er
eine Hand vom Besen löst, um den Schnatz zu fangen, wird er
herunterfallen!" Ich nickte nur, war mir allerdings inzwischen der Sache
weniger sicher als Draco. Das Spiel ging weiter, Slytherin war wieder in
Quaffelbesitz. Die Weasley-Zwilling beschossen unseren Jäger in feiger
Weise beide gleichzeitig mit einem Klatscher, doch er schaffte es unter
ihnen hindurchzutauchen. Mein Herz machte einen Sprung und neue Hoffnung
keimte auf: gleich würde es sicher den Ausgleich geben. Auch der
gegnerischen Jägerin wich Pucey aus. Nur noch wenige Meter! Doch dann ließ
er plötzlich den Quaffel fallen und sah sich um. Alle Slytherins jaulten
auf "Was MACHT der IDIOT da?" Ein goldenes Schimmern in der Luft verriet,
dass der Schnatz ganz dicht an seinem Ohr vorbeigezischt sein musste. Das
Spiel pausierte, sogar die anderen Spieler hingen in der Luft und starrten
zu dem goldenen Ball. Potter und Terence Higgs, unser Sucher, machten sich
beide auf die Jagd nach dem Schnatz. Kopf an Kopf befanden sie sich im
Sturzflug und ich kaute nervös auf meiner Unterlippe. Higgs brauchte nur
schneller zu sein und wir hätten gewonnen! Und wenn Potter die Hand vom
Besen nahm, würde er vielleicht endlich abstürzen! Aber nein, Narbengesicht
begann sich abzusetzen, das durfte doch nicht wahr sein! Und das nur, weil
er den besseren Besen hatte! Doch Marcus Flint flog ihm in den Weg und
rammte ihn. "JA, SUUPER FLINT!" Ein riesiges Getöse von Ja- und Buh-Rufen
erhob sich. Flint hatte uns gerettet! Potter trudelte auf seinem Besen
herum und klammerte sich noch krampfhafter fest als sonst. Ich musste
lachen, weil er dabei einfach nur albern aussah, aber die Gryffindors taten
so, als würde gleich die Welt untergehen. Natürlich war Madame Hooch auf
der Seite der Gryffindors; ich hoffe wirklich, Prof. Snape wird einmal bei
einem Quidditchspiel Schiedsrichter sein! Gryffindor bekam einen Freiwurf
und schafften es leider so, ihr zweites Tor zu werfen. Dieses Spiel war
bisher weniger glücklich für uns, als wir erwartet hatten. Um mich herum hörte ich
viele Leute sagen, dass Lee Jordan, der parteiische Sprecher, in den
nächsten Tagen noch sein blaues Wunder erleben würde. Er wurde es nicht
müde zu erwähnen, wie ach so böse Slytherins die armen Gryffindors doch
gefoult hätten. Meiner Meinung nach gehört so etwas zu einem richtig
spannenden Quidditchspiel dazu! Es macht wirklich keine Freude, gegen
Weicheier spielen zu müssen.
Ich hörte einen Moment lang den vielen Diskussionen um mich herum zu und schenkte dem Spiel wieder weniger Beachtung. Eine ganze Weile gelang es keinem der beiden Teams, ein Tor zu werfen und auch der Schnatz tauchte nicht wieder auf. Dann knuffte Draco mich in die Seite. "Sieh mal, Potter hat Probleme mit dem Besen!" Er hatte Recht: Harry sah aus, als würde er auf einem wilden Erumpent reiten! Im Zickzack zischte er über das Feld dahin und vermittelte den Eindruck, der Besen versuche ihn abzuwerfen. Meine Laune besserte sich schlagartig. "Glaubst du wirklich, das kommt von deinem Zauber?", fragte ich Draco. "Ich dachte, der solle den Besen nur glitschig machen." Draco zuckte mit den Schultern und wandte den Blick nicht von Potter ab. "Vielleicht steuert er den Besen so bescheuert, weil er sich nicht mehr halten kann. Genießen wir einfach das Schauspiel!", meinte er grinsend. "Los, Flint, los!" riefen plötzlich die anderen Slytherins und ich wandte meinen Blick schnell wieder dem Spiel zu. Flint hatte den Quaffel, zielte aufs Tor und traf! "HURAAAA!", brüllte es von den Rängen und übertönte das Maulen der Gryffindors. Wir standen auf den Bänken und applaudierten unserem Quidditch-Käptn, als andere Schüler schließlich doch noch Potters sonderbare Flugshow bemerkten. Inzwischen flog er in kleinen Kreisen und dann begann er sich mit dem Besen zu rollen. Narbengesicht verlor irgendwann den Halt und hing nur noch mit einem Arm am Besen. Draco hielt sich den Bauch vor Lachen, doch mir wurde ein wenig flau im Magen. Die Treiber der Gryffindors versuchten, Potter auf ihre Besen zu holen, aber der Nimbus 2000 stieg immer höher und zog ihn mit sich. Sollte er nun wirklich den Halt verlieren, würde er sich bestimmt das Genick brechen! Sicher gönnte ich ihm jede Blamage, aber ich wollte nicht mitschuldig am Tod von Harry Potter sein. Ängstlich ließ ich meinen Blick zu den Rängen wandern, auf denen die meisten Lehrer saßen. Würde man die Schuld in meinem Gesicht sehen? Konnte man Draco anmerken, dass er davon überzeugt war, dies alles sei sein Werk?
Die Lehrer tuschelten
miteinander, wussten aber offenbar auch nicht, wie sie eingreifen könnten,
ohne Potter in noch größere Gefahr zu bringen. Professor Snape schien vor
sich hin zu murmeln, schrie dann etwas Unverständliches und sprang
schließlich auf. Er riss sich seinen Umhang von den Schultern und trampelte
darauf herum. Wozu sollte das gut sein? Eine kleine Rauchfahne stieg neben
ihm auf und im selben Moment ging ein erleichtertes Aufatmen durchs
Stadion: Potter konnte sich wieder auf seinen Besen ziehen.
Marcus Flint flog an unserem Rang vorbei und brüllte: "Passt doch auf, ihr
Ochsen! Ich habe fünf Tore geworfen! Fünf Tore! Der Punktestand ist
falsch!" Doch nicht nur ich war noch immer geschockt, kaum jemand schenkte
seinen Rufen Beachtung.
Mein Blick klebte an Potter, der nun auf dem Besen in Richtung Boden raste.
Er schlug hart auf und landete auf allen Vieren. Einige Slytherins johlten.
"Potter suhlt sich im Schlamm! Der Umgang mit Weasley färbt offenbar doch
ab!", kommentierte Draco. Auch ich musste nun, wo die Gefahr vorbei war,
wieder grinsen. Dann kniete Potter sich hin und spuckte völlig überraschend
den Schnatz in seine Hand. "Ich habe den Schnatz!", verkündete er dem
verblüfften Stadion. Mit der Stille war es vorbei! Die Gryffindors
jubelten, doch bei uns machte sich Beerdigungsstimmung breit. "Das zählt
nicht! Das kann nicht zählen! Er hat ihn doch gar nicht gefangen!" Auch
Flint schrie auf Madame Hooch ein, "Er hat ihn nicht gefangen, er hat ihn
fast verschluckt!", während sie das Spiel als beendet erklärte. Wenigstens
hatte Flint es geschafft, dass seine fünf Tore noch gezählt wurden:
Gryffindor gewann mit hundertundsiebzig zu sechzig Punkten. So ein
verflixter Mist! Während McGonagall breit grinsend Lee Jordan auf die
Schultern klopfte, vergrub Prof. Snape ungläubig den Kopf in den Händen.
Ich würde zu gerne wissen, um was er mit McGonagall gewettet hatte.
Draco bekam einen Wutanfall und verkündete immer wieder, er würde seinem
Vater von diesen Zuständen schreiben. Mir war kalt und schlecht; von der
guten Laune des Vormittags war rein gar nichts mehr übrig geblieben. Wir
hatten verloren und Potter galt weiterhin als Held, weil er den Schnatz
gefangen und diese dumme Einlage auf dem Besen geliefert hatte!
"Ich gehe in den Gemeinschaftsraum", sagte ich zu den anderen, denn ich
hatte keinen Appetit und wollte nicht mit ihnen zurück in die Große Halle
gehen. Als ich das Stadion verließ und an den Umkleideräumen vorbei kam,
hörte ich, wie die Weasley-Zwillinge ihrer Jägerin zuriefen: "Sei vorsichtig
auf dem Weg zur Besenkammer, Fred und ich sind eben zweimal ausgerutscht.
Vielleicht hat Hagrid mit einem Wachszauber gekleckert."
Ich schlug mir mit der Hand an den Kopf: Draco, unser Held, hatte lediglich
den Rasen verzaubert!