Großbritanniens Abwasserkrise erreicht die magische Welt

Bild: Ewan

Viele Hexen und Zauberer halten diese Thematik, wie das meiste in den unmagischen Medien, für ein Muggel-Problem, das uns nicht betrifft. Besonders ältere Generationen erinnern an Zeiten, in denen es überlebensnotwendig war, sich aus den Machenschaften der Muggel herauszuhalten. Doch immer mehr junge magische Leute halten eine solche Einstellung in dieser Angelegenheit für eine faule Ausrede. Sie weisen darauf hin, dass Umweltprobleme uns alle betreffen, die wir in diesem Land leben.

"Es macht keinen Sinn, so zu tun, als gäbe es eine heile Zauber*innen-Natur und eine kaputte Muggel-Natur", sagte die Umweltaktivistin Luisa Soyflour kürzlich auf einer Podiumsdiskussion bei Flourish & Blotts: "Es ist zwar richtig, dass ein überwiegender Anteil der Verschmutzungen durch Muggel verursacht wird. (...) Der Hauptgrund dafür liegt aber nicht darin, dass sich die Zauber*innen hierzulande alle umweltbewusst verhalten, sondern darin, dass es bekanntlich viel mehr Muggel gibt. Tatsächlich sehe ich bei Zauber*innen gerade deswegen eine Laissez-faire-Haltung gegenüber dem Thema - nach dem Motto: 'Was wir paar Zauber*innen treiben, fällt ja gar nicht ins Gewicht.' Und so ist ein trauriger Fakt, dass im 21. Jahrhundert nur 37% der magischen Haushalte an eine Kläranlage angeschlossen sind."

Auf Anfrage des Daily Prophets bestätigte das Zaubereiministerium diese Zahl. Das liege meistens daran, dass die Häuser vor den Muggeln verborgen werden. Doch dabei wollen es Soyflour und ihre Mitstreiter*innen nicht belassen. Sie fordern, das Thema in Angriff zu nehmen und für den Anfang zumindest größere magische Einrichtungen mit Abwasserreinigungssystemen auszustatten.

So hat das Thema jetzt auch eine unserer ältesten Institutionen erreicht. In Hogwarts hat die Schülerin Greta Blocksberg ein Schülerbegehren gestartet mit dem Anliegen, dass eine Kläranlage in die Untergeschosse der Schule einbaut wird. Bisher werden dort sämtliche Abwässer ungefiltert in einen nahegelegenen See geleitet.

Nachdem vor einigen Jahren aus diesen Abwasserleitungen ein Basilisk in die Schule eingedrungen war, ist aufgedeckt worden, dass seit dem Bau des Schlosses im 10. Jahrhundert sein Abwassersystem nicht gewartet oder modernisiert worden ist. Und das, obwohl sich die Schülerzahl in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht hat. Die Wiederentdeckung einer Zisterne, in welche sich das Tierwesen eingenistet hatte, offenbarte, dass dem einzigen angestellten Haustechniker nicht einmal vollständige Pläne der Anlage vorlagen. Auf internen Versammlungen soll der damalige Schuldirektor Albus Dumbledore damit kokettiert haben, nicht alle "Geheimnisse" des ihm unterstehenden Gebäudekomplexes zu kennen. Als die Schule zwei Jahre später einen Schwimmwettbewerb in dem See austrug, musste die Hälfte der Schüler, die im Wasser waren, im Anschluss medizinisch versorgt werden. Noch immer sah die Schulleitung keinen Anlass zum Handeln.

Die junge Ms Blocksberg will diese Zustände nicht länger hinnehmen. Dabei nimmt sie die Verantwortung ihrer eigenen Generation nicht aus. "Es ist eine Tatsache," erklärt sie in ihrer Petition, "dass auch von uns Schülern immer mehr schädliche Stoffe in das Abwasser von Hogwarts eingebracht werden. Wir bringen Muggel-Kleidung mit, die beim Waschen Kunstfasern verliert. Wir verwenden Kosmetika, die Mikroplastik enthalten. Und auch Zaubertränke werden nicht immer mit dem Verschwinde-Zauber vernichtet, sondern in Toiletten gegossen. Diese Realitäten auszublenden, lässt die Probleme, die sie verursachen nicht verschwinden, sondern nur weiter wachsen."

Dem Daily Prophet gegenüber zeigte sich die aktuelle Schulleiterin Minerva McGonagall gesprächsbereit: "Hogwarts hätte nicht über 1.000 Jahre bestanden, wenn es sich neuen Herausforderungen nicht stellte. Ich muss jedoch berücksichtigen, dass sich einige unserer Schulbeiräte mit dem Gedanken schwer tun, in unser traditionsreiches Haus neumodische Muggel-Technik einzubauen. Bevorzugt wird eine magische Lösung, die noch entwickelt werden soll."