Magische Weihnachten

Weihnachten im Lehrerzimmer

Welcher Hogwartsschüler kennt sie nicht? Die opulenten Weihnachtsfeiern kurz vor Beginn der Weihnachtsferien. Tische, die sich unter der Last der Speisen biegen, Butterbier, Kürbissaft und Glühwein in rauen Mengen. Doch was passiert eigentlich, wenn alle Schüler mit dem Hogwarts-Express weggefahren sind? Nun, auch die Lehrer haben Familien und ein Leben außerhalb des Unterrichts, doch bevor auch sie sich in die wohlverdienten Weihnachtsferien verabschieden, feiern sie eine der legendären Weihnachtspartys im Lehrerzimmer. Schon Wochen vorher beginnen die Hauselfen mit den Vorbereitungen, doch auch die Lehrer sind nicht untätig – versteht es sich doch von selbst, dass eine zünftige Weihnachtsfeier sich nicht von selbst einfindet, sondern organisiert sein möchte. Professor McAdrian hatte schon vor dem ersten Schneefall noch die letzten frischen Kräuter gesammelt und gepresst. Professor Poison hatte das erste Zaubertrankbuch ihrer Urgroßmutter hervorgekramt und nach Rezepten für den Punsch gesucht. Und Professor Yelion hatte ihre Lieblingshauselfe Tipsy beiseite genommen und ihr eine kleine Phiole gegeben für den Fall, dass einigen Lehrern die nötige Lockerheit fehlen sollte...

Schließlich war der große Tag gekommen, die Schüler waren vormittags abgereist, die Hauselfen hatten das Schloss auf Hochglanz poliert und die Professoren Gondor, Noema und McAdrian hatten dieses Jahr die Dekoration des Lehrerzimmers übernommen. Bartische waren an einer Seite des Raumes aufgestellt worden, damit man sich dort in Grüppchen zusammenfinden konnte, ohne diese für den ganzen Abend zu zementieren. In der Mitte schufen sie eine freie Fläche zum Tanzen, auch wenn die meisten Lehrer zum großen Leidwesen der zahlreichen Lehrerinnen davon eher Abstand zu nehmen schienen. An der dem Kamin gegenüberliegenden Querseite des Raumes stand ein überdimensionierter Weihnachtsbaum – bunt geschmückt mit Lametta und Weihnachtskugeln, die Professor Noema auf einem Muggelweihnachtsmarkt erstanden hatte. Professor McAdrian verteilte noch großzügig Mistelzweige unter der Decke:
“Damit die anderen auch so glücklich werden wie wir, Schatz” flüsterte sie ihrem Mann zu und errötete, als dieser ihr sogleich unter einem Mistelzweig zeigte, wie glücklich er war.

Nach einem Abendessen mit reichlich Butterbier und Feuerwhisky fanden sich schließlich nach und nach alle Lehrer im geschmückten Lehrerzimmer ein. Man bewunderte ausgiebig die Dekoration, die dieses Jahr recht geschmackvoll ausgefallen war im Vergleich zu früheren Jahren, und versuchte sich langsam aber sicher an einer Erhöhung des Blutalkoholgehaltes – immerhin gehörte es zur Tradition der Lehrerweihnachtspartys, dass man sich unter Einfluss bewusstseinsverändernder Mittel mehr oder weniger blamierte. Nichts schweißt eine Gruppe stärker zusammen als all die kleinen peinlichen Gegebenheiten, die andere über einen selbst und man selbst über die lieben Kollegen erzählen kann. Prof. Yelion, Prof. Aliquando und Prof. CoronaDies wusste auch die weise alte Dame des Lehrerkollegiums, Prof. Yelion, die deshalb beschloss, mit gutem Beispiel voranzugehen und ein wenig tiefer als sonst ins Glas zu schauen.
Leicht beschwipst saß Professor Yelion auf einem Sofa und lehnte sich an ihren Kollegen Prof. Aliquando an.
“Ali”, schniefte Yelion, “ich mag meinen Namen nicht...”
‚Ali’ tätschelte beruhigend den Arm seiner Kollegin: “Ist ja gut, Yoke, ist ja gut...”
Prof. Corona, die neben dem Sofa stand, kicherte hemmungslos. “Frag doch den Hauselfen da”, sagte sie und zeigte auf einen Elfen, der sich ehrfürchtig mit einem Gebäckteller in der Hand den drei Vertrauenslehrern genähert hatte, “der kann deinen Namen ändern.”

Nahe am Kamin standen die Professorinnen McAdrian und Thales mit ihren Babys auf dem Arm, hinter ihnen die stolzen Väter: Noema mit gestrenger Miene (der erste Freund seiner Tochter konnte einem jetzt schon Leid tun) und ganz versonnen Lareira, der abwechselnd seiner Frau und seinem schlafenden Sohn zärtliche Blicke zuwarf. Die beiden Frauen unterhielten sich über selbstreinigende Windeln und die Vaterqualitäten ihrer Ehemänner.
“Cali ist so ein toller Vater, wenn Mary nachts schreit, trägt er sie mir ans Bett zum Stillen”, pries McAdrian ihren rot anlaufenden Ehemann. “Thali, nenn mich nicht Cali”, zischte Noema leise. “In Ordnung, Cali” antwortete sie und wandte sich wieder Quadra Thales zu.

An einem der Bartische fachsimpelten Gauss und Poison über Kräuter und Tränke, gedankenverloren nahm Poison einen Keks vom Teller. Da mischte sich Gondor ein. “Weißt du, Scholi, mit Excel kannst du deine arithmantischen Berechnungen viel schneller durchführen.” “Ach, Liane, lass mich doch mit diesem modernen Muggelzeugs in Ruhe. Ich bin sicher, dass du recht hast, aber ich mach meine Berechnungen lieber auf Pergament und mit dem Zauberstab wie schon meine Lehrerin.” Gondor versuchte schon länger vergeblich, ihre Kollegin von den Vorzügen eines Computers zu überzeugen. Poison nahm sich noch einen Keks, streckte ihn Gondor hin, die ihn verwirrt entgegen nahm und in den Mund steckte. “Um noch mal auf den Snargaluff zurückzukommen...”, wandte sich Poison wieder an Gauss.

Bisher waren die meisten Lehrer noch nicht Professor Yelions Beispiel gefolgt und Tipsy, die brave Hauselfe, beschloss, dass es nun an der Zeit war, die Phiole, die ihr ihre Herrin gegeben hatte, einzusetzen. In einem unbeobachteten Augenblick schüttete sie den Inhalt in den Weihnachtspunsch und rührte kurz um. Danach beauftragte sie die anderen Hauselfen, unauffällig die Gläser der Herren und Damen Professoren auszutauschen beziehungsweise nachzufüllen.

Ein Glas nahm Tipsy selbst und brachte es der neuen Lehrerin, Rhonda Ametrin, die noch recht schüchtern in der Ecke stand. Professor Ametrin bedankte sich höflich bei Tipsy und fing an, an ihrem Punsch zu nippen.

Es dauerte nun auch nicht mehr lange, da entdeckte Argentum, dass er ja gleich mit zwei Frauen unter einem Mistelzweig stand. Erst gab er einer überraschten Saunders (sie hatte ihr Glas noch nicht ausgetrunken) einen dicken Schmatzer, um dann mit einer völlig enthemmten Marcella Serpentiona einen flotten Tarantella hinzulegen. Nach anfänglichem Staunen klatschten die umstehenden Lehrer und feuerten das Paar an.
Ametrin, dank des Drinks inzwischen lockerer geworden, öffnete ihre Haarspange und schüttelte ihre langen Haare aus. Während sie ein tolles Solo auf der Tanzfläche hinlegte, schnappte sich Saunders die verdutzte Times, um sie ebenfalls auf eben diese zu ziehen. Nach kurzem Sträuben gab Times nach und die beiden tanzten eng umschlungen. “Sag mal, Rob-b-b-bin”, Saunders hatte schon Schwierigkeiten mit dem Sprechen, “seit wann bist du eine Frau?” Robin Times lief hochrot an, riss sich von Saunders los und kehrte zu ihrer Partnerin Soria Xorasta zurück, die ihr einen verächtlichen Blick zuwarf.

Professor Matrix wiederum lief ständig mit glänzenden Augen einem verschreckten Küchenelfen hinterher und stammelte: “Oh Laurent, wie schön deine Haut im Kerzenschein glitzert...”. Schließlich reichte es dem Hauself und er apparierte zurück in die Küche, wo er sich selbst erst einmal auf diesen Schreck ein Glas Punsch gönnte. Menschen konnten schon ziemlich beängstigend sein...

In einer Ecke im Lehrerzimmer wiederum saßen Clagg und Marais und spielten Schach. Hatte der Punsch bei ihnen etwa nicht gewirkt? Bei genauem Hinsehen jedoch sah man, dass sie nicht Schach spielten... Der weiße König tanzte mit der schwarzen Dame unter den vorwurfsvollen Blicken seiner angestammten Partnerin. Die Springer stoben wild über das Schachbrett, ein pinker Läufer versuchte mit den schwarzen Bauern Ringelreigen zu tanzen. Clagg und Marais grinsten sich über das Schachbrett an. “Also, was immer die Hauselfen dieses Jahr in den Punsch gemischt haben, es wirkt sogar bei meinen Schachfiguren. Ich hoffe nur, die Wirkung lässt irgendwann wieder nach, sonst brauche ich ein neues Schachbrett für den Unterricht...” sagte Prof. Clagg. “Wir werden es ja sehen, Elfie”, antwortete ihr ein amüsierter Martien Marais. “Und wenn nicht, dann wird die liebe Kollegin”, er zeigte auf Josephina Write, die gerade versuchte, den großen Weihnachtsbaum zum Tanzen zu überreden, “sicher bereit sein, ein von Ivy gebrautes Gegenmittel zu testen, bevor wir es an deinen wertvollen Schachfiguren ausprobieren.”

Nach einigen Stunden, es dämmerte trotz der langen Winternacht schon langsam im Osten, verließen schließlich immer mehr Professoren das Lehrerzimmer – manche zu zweit, andere in kleinen Grüppchen. Die Hauselfen räumten auf und verstauten die Reste vom Punsch sicher in einem Küchenschrank. Sie konnten es kaum erwarten, dass die Lehrer am nächsten Tag nach Hause fahren würden. Denn niemand schmeißt eine bessere Party als die Hogwartshauselfen!

Weihnachten 2009 by Annele