Adventskalender

9. Dezember

Tipsis Stau auf der Autobahn

Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin Tipsi, eine Waldfee. Ja, ich weiß, ich sehe nicht aus wie eine Waldfee, meine Flügel schimmern bläulich und nicht in den Farben des Waldes. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Denn ich wollte euch von einem kleinen Abenteuer erzählen, das mir neulich passiert ist. Ich bin nämlich zum ersten Mal in meinem Leben Muggeln begegnet. So richtig vielen und die waren erst nur verwirrt, aber dann ganz schön wütend. Und so komische Blechkisten hatten die, aus denen haben sie sich nicht heraus getraut.

Aber ich sollte vielleicht von vorne beginnen.

Es war ein wunderschöner, sonniger Morgen, die Sonne schien durchs Blätterdach und ein frecher Sonnenstrahl hatte mich kitzelnd geweckt. Gerade hatte ich ein paar Tautropfen gesammelt um zu frühstücken, da hörte ich Zauberer auf der nahen Lichtung. Wisst ihr, dass man Zauberer und Muggel immer gut am Rascheln ihrer Kleidung unterscheiden kann? Jedenfalls bin ich neugierig geworden, so häufig kommen Zauberer auch nicht her und vor ihnen brauche ich mich nicht zu verstecken. Meist freuen sie sich, wenn man ein bisschen mit ihnen spielt und an den Haaren zupft. Also habe ich schnell noch meine Ohrenspitzen geputzt und bin los geflogen.

Das waren ganz schön viele Zauberer auf der Lichtung, sie hatten sich in einem Kreis versammelt und hörten einer Person in auffällig grün leuchtendem Umhang zu. Zwischen den Zauberern standen auch ein paar komische Wesen mit großen Kulleraugen und wunderschönen spitzen Ohren. Nur ihre Kleidung, die war gar nicht hübsch. Ihr müsst wissen, dass ich, wie alle Feen, einen ausgeprägten Schönheitssinn habe. Und das war ja wirklich eine Zumutung.

Jedenfalls haben die sich alle ganz schön aufgeregt und hatten so Schilder in der Hand. Irgendwann ist eine kleine Hexe auf mich aufmerksam geworden und hat mich zu sich gelockt. Sie hat mir dann erklärt, worüber die sich alle so aufregen. Über die Muggel nämlich und dass unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt wäre. Erst habe ich das alles gar nicht verstanden, aber dann hat sie mich gefragt, ob ich nicht mal die Welt außerhalb meines Waldes sehen möchte und vielleicht mal einen anderen Wald besuchen. Sie hat erzählt, dass es Wälder gibt, wo es ganz heiß ist im Winter, weil dann dort Sommer ist. Tropisches Klima heißt das. Und da bin ich neugierig geworden. Im Winter ist hier ja auch immer so entsetzlich wenig Sonne. Und die Bäume schlafen, da kann man nicht mal dem Rauschen der Blätter zuhören.

Weiter hat die Hexe, sie hieß übrigens Ivey, erklärt, dass ich zur Zeit meinen Wald gar nicht verlassen könnte. Immer wenn ich dem Waldrand zu nahe komme ist da ein Zauber, der mich animiert, in eine andere Richtung zu fliegen. Das haben "die da Oben" gemacht, sagte Ivey. Aber als ich nach oben geschaut habe, waren da nur der Himmel und die Sonne. Ivey hat gelacht und erklärt, dass "die da Oben" in London sind. Das ist ganz weit weg im Süden von hier, also eigentlich gar nicht oben. Und eigentlich wäre das auch nur gut gemeint gewesen, mit dem Zauber am Waldrand, um die Muggel nicht zu erschrecken. Die glauben nämlich, dass es uns Feen gar nicht gibt. Und auch von den anderen magischen Wesen wissen sie nichts. Ganz schön dumm, oder? Jeder weiß doch, dass die Feen sich um die Pflanzen kümmern, damit sie schön aussehen.

Den Hexen und Zauberern gefällt dieser Zauber und die Regeln, nach denen er aufgestellt wurde, auch nicht. Und deswegen hatten sie sich getroffen, um etwas dagegen zu tun. Sie wollten die Muggel darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt, weil Muggel ja immer sehr tierlieb sind. Und da haben sie sich gedacht, dass sie die Muggel einfach mal drauf aufmerksam machen. Auf die ganzen Schilder hatten sie große Buchstaben gemalt. Ivey hat sie mir vorgelesen. "Gegen die Gefangenhaltung magischer Geschöpfe" stand da und "Nein zur Geheimhaltung magischer Geschöpfe". Die Zauberer und Hexen hatten sich da wahrlich Mühe gegeben und auch ein paar Bilder von magischen Geschöpfen mit auf die Plakate gemalt.

Und als noch mehr Zauberer und Hexen, viele mit ihren Haustieren, erschienen waren, ging es los. Die Hexe, die vorhin so viel geredet hatte ging voran. Ivey hat mir erklärt, dass wir jetzt zur B6 gehen. Das sei eine große Straße, die Muggel benutzen, um woanders hin zu kommen. Und weil dort so viele Muggel vorbeikämen, wäre das ein guter Ort, den Muggeln zu erklären, dass es mich und die anderen magischen Wesen gibt.

Das war ein Spaß mit so vielen anderen Wesen durch den Wald zu fliegen. Gut, die meisten anderen sind gelaufen. Ich habe sogar herausgefunden, dass die Wesen mit den schicken Ohren Elfen sind, die leben bei den Zauberern in den Häusern und sind ganz fleißige Wesen. Sie kümmern sich um alles, so wie wir Feen im Wald.


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