Adventskalender

16. Dezember

Oh du Fröhliche ...

Ein einsam gelegenes, kleines, windschiefes Häuschen, Schnee, der die Knie eines erwachsenen Mannes locker überstieg und in leichten, pudrigen Flocken vom Himmel fiel, idyllische Wälder ringsum und ein zugefrorener kleiner Teich lagen vor der vermummten Gestalt, die sich ihren Weg durch den Schnee in Richtung Haustür bahnte und kleine, weiße Atmenwolken vor sich hertrieb.

Im Inneren des Häuschens tönten weihnachtliche Klänge aus dem kleinen Weltempfänger, während einzig ein buschiger Haarschopf aus einem riesigen Gerümpelturm hervorschaute. In unregelmäßigen Abständen wuchs und wuchs der Turm durch unachtsam hinter den Haarschopf beförderte Kleinteile.
Sich nur noch langsam vorwärtsschleppend hatte die vermummte Gestalt die Haustür mittlerweile erreicht und schüttelte auf den schneefreien Treppenstufen den feinen Schnee aus Stiefelschaft und Hosenbeinen. Die rechte Hand wurde von dem festen, ledernen Handschuh befreit und glitt tastend in die Tasche des dicken Wintermantels - vergeblich. Leise fluchend drehte die Gestalt sich um, streifte die violette Pudelmütze vom Kopf und offenbarte einen leuchtend roten Haarschopf.

Im Wohnraum flogen noch immer Stiefel, alte Schulbücher, Landkarten, Wollknäule und dazugehörige Stricknadeln durch die Luft auf den Turm in der Zimmermitte. Eine Hand erwischte eine Messingkelle und war gerade im Begriff, selbige mit Schwung hinter sich auf den gewaltigen Turm zu befördern, als die rothaarige Gestalt von außen aus Leibeskräften an der Tür rüttelte. Die Hand verharrte inmitten ihrer Bewegung und verweilte regungslos über dem buschigen Haarschopf in der Luft. Das Rütteln dauerte an, wurde forscher und von einem kräftigen, rhythmischen Treten gegen die schwere Holztür begleitet. Langsam sank die Hand zu Boden, öffnete sich vorsichtig und ließ die Kelle auf die Erde gleiten.
"Herrgott nochmal! Wenn du nicht augenblicklich diese verdammte Tür öffnest, dann brech′ ich sie halt auf!"
Der buschige Haarschopf verharrte in seiner vorherigen Position und machte keinerlei Anstalten, sich zu erheben.
"Mein Gott", dröhnte es von draußen, "jetzt mach schon, es ist saukalt hier draußen und wenn du nicht bald kommst, dann wird mir hier alles Lebensnotwendige abfrieren und du hast nichts davon, dass du mich geheiratet hast."
Ruckartig schnellte der buschige Haarschopf bei diesen Worten hoch und mit beeindruckender Kraft und viel Getöse wurde der sich darunter befindende Schädel gegen das obere, massive Holzregal des Schrankes befördert, in dem zuvor noch wild herumgewühlt wurde.
"Verdammt!", tönte es nun also auch aus dem Inneren des Hauses.

Sich den schmerzenden Kopf reibend und einen möglichst sicheren Weg durch das Chaos suchend, näherte sich die junge Frau mit dem buschigen braunen Schopf der Tür.
Leise knackend wurde der große Schlüssel im langsam vor sich hin rostenden Türschloss gedreht und mit einem kaum hörbaren Knacken sprang die Tür auf.
Dankbar stolperte der Rothaarige herein und warf die Tür mit einem erleichterten Seufzen lautknallend ins Schloss.
"Also wirklich, Hermine, wenn du mich noch länger da draußen hättest warten lassen, dann wär′s vorbei gewesen mit dem fröhlichen Eheleben. Ich muss meinen Schlüssel auf dem Küchentisch liegen gelassen ..."
Sein Blick fiel durch die offene Tür ins Wohnzimmer und abrupt unterbrach er seinen Redefluss und betrachtete das unglaubliche Chaos, das sich zwischen Sofa und Einbauschrank auftürmte und vor drei Stunden noch nicht dagewesen war.

Verdattert deutete er auf den riesigen Gerümpelhaufen und blickte seine Frau, die sich noch immer mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf rieb, mit gerunzelter Stirn an.
"Ehm, meine liebe Ehefrau, ich weiß, dass man hier selten vom Boden essen kann, aber was bitte ist das da im Wohnzimmer? Möchtest du mir vielleicht etwas erklären? Ich weiß ja nicht, ob du es noch weißt, aber morgen ist der 25.! Und zwar nicht irgendein 25., sondern der 25. Dezember. Weihnachten! Und falls du auch das vergessen haben solltest, wir haben deine und meine Eltern eingeladen. Die ganze Familie Weasley wird morgen hier das Weihnachtsfest feiern. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass es im Fuchsbau in keiner Weise geordnet zugeht. Aber so", energisch bewegte er seinen Finger in Richtung des verwüsteten Wohnzimmers, "so hat es bei uns noch nie ausgesehen!"

Verwirrt ließ Hermine ihren Blick vom verwüsteten Wohnzimmer zu ihrem sich immer mehr in Rage steigernden Ehemann schweifen.
"Hermine? Hallo?" Eine wild umherfuchtelnde Hand tauchte vor ihren Augen auf. "Ron an Hermine! Hier", er deutete auf den Plunder im Wohnzimmer, "Chaos! Deine Schuld! Erklärung?"


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