Adventskalender

15. Dezember

Weihnachten ohne Eltern

Wieder einmal ist es soweit. Es ist der vierte Adventssonntag und das Weihnachtsfest rückt immer näher. Die Häuser sind bunt geschmückt und in der Muggle- sowie in der Zauberwelt warten die Kinder sehnsüchtig darauf, dass der Weihnachtsmann endlich kommt und ihnen Geschenke bringt.
So auch im Hause der Potters, wo Lilly, Albus und James wie jedes Jahr bereits eifrig an ihren Wunschzetteln sitzen.
Nur einer im Hause der Potters ist etwas abwesend. Ted Lupin. Der 19–jährige Zauberer muss in dieser Zeit immer öfter an seine Eltern denken. An Tonks und Remus, welche er nie kennen lernen durfte. In Gedanken versunken schaut der Jungen den fröhlich spielenden Kindern zu, welche mit Harry gerade im Schnee umhertoben. Wie gerne hätte er so etwas mit seinem Vater gemacht.
Auch Lily, welche gerade mit Ginny in der Küche Plätzchen backte, beneidete er. Wie gerne hätte er zusammen mit Tonks in der Küche gestanden und Kekse gebacken. Und doch wird er diese Momente nie erleben.
„Was ist los mit dir?“, fragte Victoire, welche gerade den Raum betreten hatte, ihn und küsste ihn dabei zärtlich. „Du schaust so traurig aus.“
„Alles ist gut, mein Liebling. Ich vermisse meine Eltern nur so. Wenn sie doch jetzt bei mir wären.“ Bei diesen Worten kullerten Tränen über Teds Gesicht. „Harry und Ginny sind so liebevoll zu mir und doch vermisse ich sie sehr.“
Victoire nickte stumm und war kurz in Gedanken versunken. „Ich glaube, ich weiß, wie ich dich etwas aufheitern kann. Lass uns zusammen den Weihnachtsschmuck basteln, schließlich möchten wir heute Abend alle gemeinsam den Tannenbaum schmücken.“
Ted schaute etwas skeptisch drein, stimmte Victoire dann aber zu. „Vielleicht tut mir etwas Abwechslung gut. Was möchtest du den basteln?“ „Ich habe mich für kleine Wichtel entschieden. Wichtel aus Tannenzapfen.“
Und so räumten die Beiden den Wohnzimmertisch ab, wollten sie den Weihnachtsbaumschmuck doch traditionell ohne Zauberei anfertigen. „Zuerst brauchen wir alle Materialien. Tannenzapfen, Kleber, Filz und Tonpapier habe ich bereits bereitgelegt und Hermine wollte mir Wattekugeln mit einem Durchmesser von 3 cm besorgen, doch waren diese leider nicht mehr erhältlich. Aber Styroporkugeln sind genauso gut“, erklärte Victoire weiter, doch Ted hörte ihr nur halb zu, viel zu sehr war er noch in Gedanken vertieft. Seine blonden Haare verfärben sich dabei in ein dunkles Braun, fast schwarz.
„Kannst du mir nun einmal die Schere reichen, Ted.“ Der Zauberer hatte gar nicht gemerkt, dass Victoire bereits weiter gesprochen hatte. „Was, wie…?“, stotterte er etwas irritiert, aber zugleich auch beschämt, dass er ihr nicht zugehört hatte.
„Ich brauche die Schere, Ted. Könntest du sie mir bitte rüberreichen? Ich möchte damit einen Halbkreis aus dem Filz schneiden, welcher später zur Mütze für den Wichtel wird. Ich haben ihn mir mit 7cm Durchmesser bereits auf roten Filz aufgemalt.“
„Oh natürlich, die Schere.“ Ted reichte sie ihr und schaute nun gespannt und nicht mehr ganz so abwesend zu, wie aus dem Halbkreis, dessen Flächen Victoire zusammenklebte, eine kegelförmige Mütze wurde. Diese legte die junge Hexe nun zur Seite.

„Magst du auf die Styroporkugeln mit Watte, Filz oder Tonpapier einen Bart gestalten und eine Nase aus Pompons aufkleben, während ich weitere Mützchen forme? Schließlich sollen viele kleine Wichtel unseren Baum zieren.“ Ted nickte und wenige Minuten später war er mit großem Eifer dabei und verzierte die noch weißen Kugeln mit einem freundlichen Gesicht. Dazu brachte er neben den Bärten auch Mund und Augen mit Hilfe eines Filzstiftes an. Er war dabei so beschäftigt, dass er nicht mehr an Tonks und Remus denken musste, sondern sich voll auf seine Arbeit konzentrierte.
„Und wie müssen wir fortfahren?“, fragte er Victoire neugierig, als er alle Kugeln bemalt hatte.
„Nun kleben wir die vorbereiteten Mützen auf die fertigen Styroporkugeln“, erläuterte diese ihren Freund und zeigte ihm die Vorgehensweise. „Danach kleben wir die Kugel, welche nun der Kopf des Wichtelchens ist, auf einen Tannenzapfen. Dieser Zapfen bildet den Körper.“
Ted schaute sich den nun fertigen Wichtel an und lief in den Garten. „Wo willst du hin?“, rief Victoire ihm nach, doch er antwortete nicht, sondern kam kurze Zeit später mit ein paar dünnen Ästen wieder hinein, welche er auf den Tisch legte und in kurze, ca. 4 cm lange Ästchen zerlegte.
„Der Wichtel braucht doch auch noch ein paar Arme“, sprach er und lachte. Auch Victoire stimmte in das Lachen ein, als sie sah, wie ihr Freund die Ästchen am Zapfen festklebte.
„Jetzt müssen wir ihn nur noch aufhängen.“ Dazu warteten die Beiden jedoch, bis die Mützen und der Leim vollständig getrocknet waren und vollendeten in der Zwischenzeit weitere Wichtel. Jeder von ihnen hatte dabei eine andere Mützenfarbe. Als der Leim nun trocken war, reichte Ginny ihnen eine Nadel und Garn und sie bastelten Anhänger an manche Wichtel. Andere wollten sie nur so zwischen die Tannenzweige stellen.
Und da kam auch schon Harry mit dem Baum ins Wohnzimmer und die Familie schmückte ihn mit dem selbst gebastelten Weihnachtsschmuck und vielen Kerzen und Lametta. Ted hatte gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit doch vergangen war und dass er schon seit einigen Stunden nicht mehr an seine Eltern gedacht hatte.
Und als er vor dem fertig geschmückten Baum stand und Victoire ihn zärtlich lächelnd in den Armen hielt, umgeben von Harry und seiner Familie, so wusste er, dass er hier zu Hause war. Und er wusste, dass er eine gute Familie hatte, auch wenn er seine Eltern nie vergessen würde.

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