Adventskalender

1. Dezember

Socken braucht die Welt!

Winky blickte auf die Uhr: Es war zehn Minuten nach drei. Bis zum großen Weihnachtsessen war nicht mehr viel Zeit und es gab noch so viel vorzubereiten. Dieses Jahr waren ungewöhnlich viele Schüler über die Weihnachtsferien in Hogwarts geblieben. Winky ging im Kopf zum wohl hundertsten Mal die Anmeldeliste durch - 87 hungrige Heranwachsende, dazu noch neun Lehrer und natürlich Hagrid, der allein schon für vier Personen aß.

Doch Winky war nicht umsonst seit 17 Jahren oberste Küchenelfe in Hogwarts. Sie hatte einen unbestechlichen Sinn für Ordnung, Timing, Organisation und Perfektion. Es würde wie jedes Jahr ein perfektes Weihnachten werden.

Winky sah auf von ihrer Strickarbeit und lächelte. Ihr gegenüber am Kamin saß Rose, die dabei war, aufgeräufelte Wolle zu einem ordentlich runden Knäuel zu wickeln. "So ein liebes Mädchen", dachte sich Winky. "Es tut gut nicht immer ganz alleine zu sein - gerade an den Feiertagen!" Doch nun musste sie zurück in die Küche. "Vielen Dank, Rose, dass du mich besucht und mir geholfen hast. Aber nun muss ich wieder an die Arbeit. Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zum Abendessen. Ich werd nur noch schnell diesen Weihnachtsstrumpf zu Ende stricken." Sie zwinkerte Rose zu.

"Ich mache das doch gerne, Winky.", entgegnete Rose. "Hach, ich freu mich schon so auf heute Abend! Die Große Halle ist auch schon geschmückt mit viel Glitzer, Gold, Rot, Grün und verzaubertem Schnee - ein Paradies für jeden, der Weihnachten liebt!"

Winky versetzte dieser Gedanke, wie so oft in diesen Tagen, einen Stich in ihr kleines Elfenherz. Traurig ließ sie ihre Hände sinken und schloss die Augen. Rose eilte zu ihr. "Winky, was ist los? Hab ich etwas Falsches gesagt?" Winky atmete tief durch.

"Dobby hatte Weihnachten geliebt.", sprach sie wehmütig. Schon Wochen vor dem Weihnachtsfest war er vor Aufregung immer wie ein Gummiball auf und ab gehüpft und hatte sich mit allen möglichen strickbaren Kleidungsstücken behangen. Wie ein kurioser, knubbeliger Wollweihnachtsbaum." Winky musste bei dem Gedanken an dieses Bild lächeln. "Dieser wunderbare Elf hat mich gerettet. Zuerst hatte er mir nach dem Rausschmiss bei meinem alten Herrn einen Job in der Hogwartsküche besorgt und mich dann auch noch in Schutz genommen vor den anderen Hauselfen und dem Personal. Und das, obwohl ich mich damals unmöglich benommen hatte und sehr gemein zu ihm war." Winky lief ein Schauer über den Rücken, als sie daran dachte, wie heruntergekommen sie damals gewesen war. "Und ich konnte mich nicht einmal bedanken oder von ihm verabschieden, bevor er..."

Sie hatte einen Kloß im Hals und konnte nicht weiter reden. Rose nahm Winkys Hände. "Dobby ist als Held und freier Elf gestorben - für seine Freunde: Harry Potter und deine Eltern. Es gibt keinen edleren Tod! Es war auch Harry Potter, der Dobby damals aus der Knechtschaft seines alten Meisters Lucius Malfoy befreit hat. Harry hatte es irgendwie so hingetrickst, dass Lucius - natürlich ohne seinen Willen - unbemerkt Dobby eine Socke geschenkt hat. Du musst wissen, wir Elfen waren früher sozusagen versklavt und mussten unser ganzes Leben einer Zaubererfamilie dienen. Aus diesen Fesseln konnte man einen Hauselfen nur befreien, wenn ihm sein Herr Kleidung schenkt - wie zum Beispiel Dobbys Socke. Ich hatte einen guten Meister, doch Dobby musste bei den Malfoys viel Leid und Prügel einstecken. Er war so stolz ein freier Elf zu sein, dass er mit Wonne seine ganzen Socken und Strickmützen trug, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Wir anderen waren lange nicht so weit wie Dobby. Ich weiß noch, dass deine Mutter in dem Jahr als ich nach Hogwarts kam, ganz viele Socken gestrickt und im Gemeinschaftsraum versteckt hatte, nur um noch ein paar mehr arme Hauselfen zu befreien - so aus Versehen beim Aufräumen. Das kam bei den Hauselfen damals gar nicht gut an, sie wollten gar nicht frei sein. Aber uns ging es hier in Hogwarts ja auch gut."

Winky nahm ihren Strickstrumpf wieder auf. "Sicher habe ich deshalb diese Affinität zu Wollsocken. In Dobbys Gedenken stricke ich immer zu Weihnachten für jeden Schüler einen Weihnachtsstrumpf. Ich finde, es ist eine nette Tradition geworden, die dem verrückten kleinen Kerl gefallen hätte."

"Ich find das klasse, was du machst, Winky. Und die Schüler sind alle begeistert." Rose seufzte. "Ich wünschte, ich könnte auch stricken. Dann könnte ich dir helfen mit den Dobbysocken." Winky strahlte: "Ich bring dir das Stricken bei! Und bis du es kannst, habe ich hier eine alte Bastelanleitung aus meinen Kindertagen, mit deren Hilfe du kleine Weihnachtsstiefelchen für deine Freunde basteln kannst.

Du benötigtst festes Papier oder Pappe, Kleber, Bändchen, Wolle oder Schur, Pieker, Schere, Stopfnadel und unsere Nikolausstiefel-Bastelvorlage.
Die vorliegende Bastelvorlage kann man evtl. auch auf DIN A3 vergrößern lassen, dann passt mehr in das Nikolausstiefelchen.
Die Bastelvorlage wird ausgedruckt und ausgeschnitten und auf das Bastelpapier oder die Pappe übertragen.
Das Stiefelchen wird an den gestrichelten Linien gefaltet und die Löcher werden gesetzt. Wer mag kann das Stiefelchen noch bemalen oder bekleben.
Dann wird die Ferse geklebt. Nun nimmt man die vordere Lasche und rollt sie entsprechend der Stiefelform.
Dann fädelt man Schnur, Bast, Wolle, Lederbändchen, oder... in das Stiefelchen. Wir haben die Bändchen mit Hilfe einer Stopfnadel eingefädelt.
Aus den Stiefelchen können fleißige Menschen auch einen Adventskalender basteln. Dazu klebt man hinten ein Herzchen mit einer Zahl auf den Stiefel.

So, ich bin nun auch fertig mit meinem Socken. Ich werde mal für den großen Endspurt in die Küche flitzen. Ich danke dir für deinen Besuch und dein Zuhören, Rose. Dobby hätte dich sicher sehr gemocht. Sag deinen Freunden, sie sollen vor dem Festmahl nicht soviel Naschen! Ich wünsch dir beim Basteln viel Spaß und ein frohes Weihnachtsfest."
"Danke, Winky. Ich wünsche dir auch frohe Weihnachten!"


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