Adventskalender

9. Dezember

Mein schönstes Weihnachten - Weihnachten im Hause Malfoy

Das riesige Anwesen der Familie Malfoy in Wiltshire lag unter einer dünnen Schneeschicht, die im Licht der Sonne glitzerte. Es war kein natürlicher Schnee, sondern magischer, denn er fühlte sich nicht kalt an und schmolz auch nicht. Die Auffahrt zum Haus säumten auf jeder Seite ein Dutzend Eisskulpturen. Jeder Muggel wäre beim Anblick des Geländes stutzig geworden, da jedoch nie ein Muggel diesen Ort betreten würde, musste sich Lucius Malfoy darüber keine Gedanken machen.

Draco erwachte durch das Fiepen einer Eule. Er öffnete die Augen und gab ein mürrisches Brummen von sich. Aus den Augenwinkeln sah er, dass die Eule durch das offene Fenster geflogen war und laut mit den Flügeln schlagend auf seinem Schreibtisch saß. Draco schlief immer bei geöffnetem Fenster und ein Zauber sorgte dafür, dass das Zimmer wohlig warm blieb.

Erst wollte Draco sein Kopfkissen werfen, um den aufdringlichen Vogel zu verjagen, doch dann bemerkte er das Paket am Bein der Eule. Mit einem Schlag war er hellwach, denn ihm war eingefallen, welcher Tag heute war.
Heute war Weihnachten und auch wenn er das gegenüber den anderen Slytherins in Hogwarts nie zugeben würde, war dies sein absoluter Lieblingsfeiertag. Besonders, da das Fest in seiner Familie richtig traditionell mit der ganzen Familie und vielen Geschenken gefeiert wurde. Arbeiten, die sonst die Hauselfen übernehmen mussten, erledigten sie in diesen Tagen selbst.
So schmückte Draco jedes Jahr mit seinem Vater den vier Meter großen Weihnachtsbaum im Salon und seine Mutter backte Plätzchen nach den Rezepten ihrer Großmutter.

Weil die Eule immer noch keine Ruhe gab, stand Draco auf und ging zum Tisch. Sofort wollte der Vogel eine Belohnung für die erfolgreiche Zustellung haben und knabberte an Dracos Finger. Der Zauberer zog die Hand weg, löste die Schnur des Pakets und scheuchte den Vogel zur Seite. „Verzieh dich, von mir kriegst du nichts!“
Beleidigt schrie die Eule auf und flog durch das Fenster hinaus. Draco beachtete sie nicht weiter, sondern widmete sich dem Paket. Es war ungefähr so groß wie ein Schuhkarton und in grünes Papier eingepackt. Grob riss er es ab und öffnete die Schachtel. Als erstes sah er einen Brief. Er nahm ihn in die Hand und drehte ihn herum, um zu sehen, wer das Paket geschickt hatte. Als er den Namen am Ende des Briefes fand, rollte Draco mit den Augen. Pansy Parkinson!

Draco knüllte das Pergament zusammen und warf es achtlos auf den Boden. Wenn der Brief von ihr war, brauchte er ihn nicht zu lesen, denn da stand sowieso nichts Wichtiges drin. Da war der Rest schon interessanter. Unter dem Brief lag ein Paar teurer Lederhandschuhe, die innen gefüttert waren. Dafür hatte Pansy sicherlich einige ihrer Ersparnisse geopfert, aber mit weniger hätte sich Draco auch nicht zufrieden gegeben.

Da er nun schon wach war, entschied er, sich fertig zu machen und nach unten in den Salon zu gehen. Er zog eine dunkelgraue Hose und ein schlichtes weißes Hemd an und betrat das Badezimmer, das direkt mit seinem Schlafzimmer verbunden war.
Zehn Minuten später ging er durch den breiten Flur mit dem dicken Teppich und den holzgetäfelten Wänden.

Während er die Treppe zum Erdgeschoss hinunter lief, ordnete er mit den Händen seine Haare, die im letzten Jahr um mehrere Zentimeter gewachsen waren.


Im ganzen Erdgeschoss duftete es weihnachtlich, weshalb Draco zuerst die Küche aufsuchte. Wie erwartet stand seine Mutter summend an der Arbeitsplatte und rollte Teig aus. Auf dem Herd stand ein Topf zum Schokolade schmelzen und im Backofen befand sich bereits ein Blech mit Plätzchen.
Geheimnisse der schwarzen
Er ging durch den Raum, um nachzusehen, welche Sorte seine Mutter gemacht hatte und summte dabei ungewollt die Melodie mit.
Narzissa warf ihrem Sohn einen liebevollen Blick zu und unterbrach ihre Arbeit. „Guten Morgen! Willst du mir helfen?“
Draco blieb stehen und sah sich in der Küche um, so als wolle er erst herausfinden, wie viel zu tun war. Dann nickte er. „Das gehört schließlich dazu. Aber nur, wenn ich die ersten gleich probieren kann. Welche Plätzchen sind denn schon fertig und was muss als nächstes gemacht werden?“, fragte er.

Narzissa deutete auf den Backofen. „Das sind Schokotaler, die sind gleich fertig. Du kannst ja schon mal die Schokolade schmelzen und die Taler darin eintauchen. Danach wollte ich Zimtplätzchen backen, die du so gerne isst. Du könntest mir mit dem Teig helfen. Möchtest du noch eine andere Sorte haben?“
Draco überlegte kurz. Seine Mutter hatte in den letzten Tagen schon mehrere Plätzchen gebacken, so dass sie genug Auswahl für jeden Geschmack hatten. „Ich denke, es reicht“, entschied er deshalb. Dann ging er zum Herd, drehte die Temperatur nach oben und löste die klein geschnittene Schokolade in dem Topf auf. Nebenbei achtete er darauf, dass die Schokotaler im Ofen nicht zu dunkel wurden. So konnte sich seine Mutter ausschließlich um den anderen Teig kümmern.

Narzissa nickte und wandte sich der Arbeitsplatte zu, auf der bereits die Zutaten für den Teig der Zimtplätzchen standen. Mit einem Blick kontrollierte sie alles noch einmal. Da standen Mehl, Puderzucker, Eier, Zimt, eine Tüte Milch, Butter und Mandeln, die zuvor von den Hauselfen in dünne Scheiben gehobelt wurden.

Als erstes nahm Narzissa einen Messbecher und füllte 250 g Mehl und 125 g Puderzucker ab. Beides schüttete sie auf die Arbeitsfläche und vermischte es mit den Händen. Man konnte den Teig zwar auch in einer Schüssel anrühren, aber Narzissa nutzte lieber den gesamten Platz der Arbeitsfläche aus und bereitete den Teig dort vor. So wie es auch schon ihre Mutter gemacht hatte.
Mit einem Blick zu ihrem Sohn, gab sie zwei Teelöffel Zimt in den Teig. Normalerweise gehörte nur ein Teelöffel in das Rezept, doch weil Draco den Geschmack so sehr mochte, hatte sie die Vorgabe verdoppelt.
Narzissa starrte den Teig einige Sekunden lang an. Irgendwas fehlte.
„Draco, kannst du mir bitte mal das Salz reichen?“, rief sie ihm zu, als ihr die fehlende Zutat einfiel.
Draco unterbrach seine Arbeit, holte den Vorratsbehälter mit dem Salz aus dem Schrank und gab ihn seiner Mutter.
„Danke. Wenn du mit der Verzierung der Schokotaler fertig bist, könntest du schon mal die Butter vorbereiten“, sagte Narzissa, als sie den Behälter entgegen nahm.
Draco warf einen Blick zu dem Topf und den restlichen Plätzchen. Er war noch nicht ganz fertig, aber man konnte die Plätzchen ja auch ohne Schokolade essen. Die Butter war jetzt wichtiger, schließlich musste der Teig noch verarbeitet werden. Also nahm er sich die kalte Butter von der Arbeitsplatte und zerkleinerte sie mit einem großen Küchenmesser.

Narzissa gab eine Prise Salz zu den anderen Zutaten und vermischte alles erneut. Dann formte sie eine Mulde in der Mitte und gab zwei Esslöffel Milch und ein Ei hinein.
Wenig später hatte Draco die gesamten 150 g Butter in Flöckchen geschnitten und stellte sie auf die Arbeitsfläche.
Da die Butter nicht zu warm werden sollte, nahm Narzissa sie ihm augenblicklich ab und verknetete sie von Hand mit den restlichen Zutaten bis der Teig die gewünschte Konsistenz hatte. Danach wickelte sie ihn in Folie ein und verstaute ihn für eine Stunde im Kühlschrank.

In der Zwischenzeit räumten die beiden die nicht mehr benötigten Zutaten weg und kümmerten sich um die restlichen Schokotaler.

Nach einer Weile sah Narzissa auf die Uhr. „Stell schon mal den Backofen auf 180 Grad und leg ein neues Backpapier auf das Blech! Ich bereite alles für den Belag vor und dann kann der Teig ausgerollt werden“, wies sie ihren Sohn an.

Während Draco sich um den Ofen kümmerte und Mehl zum Ausrollen auf die Arbeitsfläche streute, verquirlte Narzissa ein Eigelb mit zwei Esslöffeln Milch.
„Das gibt sicherlich viele Plätzchen“, vermutete Draco, als er den Teig aus der Folie wickelte und ausrollte, bis dieser etwa drei Millimeter dick war.
Dann bestrichen er und seine Mutter die Teigplatte gleichmäßig mit dem Gemisch aus Ei und Milch und streuten die Mandelblättchen darüber.

Zum Schluss schnitt Draco den Teig in zwei Zentimeter große Rauten, die Narzissa auf dem Backblech verteilte.
Narzissa schob das erste Blech in den Ofen und stellte die Uhr auf eine Backzeit von 15 Minuten ein.

Diese Zeit nutzten sie, um ein weiteres Blech vorzubereiten.
Dabei unterhielten sie sich über das Leben in Hogwarts und wie es im Unterricht lief. Dieses Jahr standen die ZAG-Prüfungen an und Lucius erwartete von seinem Sohn Bestnoten in allen Fächern. Narzissa dagegen war es wichtiger, dass Draco seine Hausaufgaben erledigte und sich den Lehrern gegenüber anständig benahm.
Sie wusste, wie schwer dies Draco fiel, weil er als Kind zu sehr verwöhnt wurde und immer bekommen hatte, was er wollte. Bei diesem Gedanken musste sie lächeln, denn wenn sie ehrlich war, hatte sich daran bis heute nichts geändert.

Kurz vor der Mittagszeit hatten sie insgesamt vier Bleche Plätzchen gebacken und verziert. „So, wir sind hier fertig. Geh doch schon mal in den Salon und sieh nach, ob dein Vater dort alles erledigt hat, bevor unser Besuch kommt!“, sagte Narzissa. Dann klopfte sie mit ihrem Zauberstab zweimal auf die Arbeitsplatte.
Sofort apparierten zwei Hauselfen in den Raum und verneigten sich kurz. Sie räumten auf und putzten, denn sie mussten ja bald mit der Zubereitung des Abendessens beginnen, wofür sie den Platz benötigten.
„Wir bekommen Besuch?“, fragte Draco irritiert.
„Bellatrix und Rodolphus kommen zum Essen. Es ist ihr erstes Weihnachtsfest, nachdem sie Askaban entkommen sind, und wir wollten zusammen feiern, so wie früher!“
Draco freute sich über diese Nachricht. Auch wenn er nicht viel Zeit mit seiner Tante verbracht hatte, oder sich nicht mehr dran erinnerte, mochte er Bellatrix. Besonders, da sie eine Menge schwarzmagischer Zauber beherrschte und ihm bestimmt einige davon beibringen konnte.

Er verließ die Küche und lief erneut durch den Flur, diesmal in Richtung Eingangshalle. Rechts neben der Halle führte eine Doppeltür in den Salon.

Als er den Raum betrat, blieb Draco zunächst einen Augenblick stehen, um die Dekorationen zu bewundern. In der Ecke links hinten im Raum stand der Tannenbaum, der bis fast unter die Zimmerdecke reichte. An den Ästen hingen Kugeln in den Slytherinfarben grün und silber, die von unten nach oben immer heller wurden. Auch Größe und Form variierten. So gab es kugelrunden, aber auch ovalen Weihnachtsschmuck, der eher an Tannenzapfen erinnerte.
Von der Decke hingen magische Eiszapfen, in denen sich das Licht des Kronleuchters brach.

In der Mitte des Raumes stand ein langer, schwerer Eichentisch mit sechs Stühlen. Der Tisch war bereits mit Kerzen, Blumen und Geschirr gedeckt, so als würde das Dinner jeden Moment beginnen. Das Feuer im Kamin brannte ebenfalls schon.

Da Draco seinen Vater nirgendwo sah, ging er wieder hinaus. Er wollte zurück in sein Zimmer und sich ein anderes Hemd anziehen. Auch wenn er versucht hatte, es zu vermeiden, hatte er sich mit Schokolade bekleckert.

Nachdem er geduscht und sich ein anderes Hemd herausgesucht hatte, holte Draco die Geschenke für seine Eltern aus dem Schrank. Seinem Vater hatte er einen neuen Gehstock mit Klavierlackoptik besorgt und seine Mutter bekam eine goldene Halskette. Beides hatte er im Laden direkt einpacken lassen, um sich die Arbeit zu sparen.
Inzwischen war auch die Eule mit dem Tagespropheten da gewesen und einige andere mit Briefen und Karten von weiteren Klassenkameraden.

Draco las sich alles durch und antwortete einigen, bei denen er es für nötig hielt. Danach entschied er sich, die verbleibende Zeit bis zum Abendessen zu nutzen, um einen Teil der Hausaufgaben für Hogwarts zu erledigen.
Am späten Nachmittag hatte er den Aufsatz für Zaubertränke und die geforderten Erklärungen zu einigen Pflanzen für Kräuterkunde fertig.
Draußen dämmerte es bereits, darum beendete Draco seine Arbeit, nahm die Geschenke und schlenderte hinunter in den Salon, allerdings nicht ohne vorher noch mal seine Frisur zu überprüfen.

Inzwischen war auch sein Vater zu Hause. Er stand in einem seiner besten Anzüge vor dem Kamin. Als er seinen Sohn erblickte, nickte er ihm zur Begrüßung zu. Als er die Geschenke in Dracos Arm bemerkte, zeichnete sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht ab.
„Ich hatte mich schon gefragt, ob wir dieses Jahr überhaupt etwas von dir bekommen würden“, sagte er. Da er immer in einem kühlen, gleichmäßigen Ton sprach, konnte man nicht erkennen, ob seine Aussage ernst gemeint oder ein Scherz gewesen war.
„Selbstverständlich bekommt ihr Geschenke von mir. Ich habe mir dieses Jahr nur mehr Zeit bei der Auswahl gelassen“, antwortete Draco. Er ging an seinem Vater vorbei und legte die Päckchen unter den Baum. Dabei entdeckte er einige weitere, die dort bereits warteten. Er sah welche für Bellatrix und Rodolphus und einige, die seine Eltern sich gegenseitig schenkten. Auf den meisten stand aber sein eigener Name.

Plötzlich färbten sich die Flammen des Kamins grün.
Lucius trat einen Schritt zurück.
„Na, endlich. Sie wollten schon vor einer halben Stunde hier sein!“, sagte er zähneknirschend.
Die Flammen schossen nach oben und eine Person tauchte im Kamin auf. Es war Rodolphus. Er trat aus dem Kamin heraus und klopfte sich den Staub von der Kleidung. Nur wenige Sekunden später stand auch Bellatrix im Raum.
Mit einer Bewegung ihres Zauberstabs ließ sie den Ruß von ihrer Kleidung verschwinden, bevor sie sich umsah.
„Das ist ja noch protziger hier, als ich es in Erinnerung hatte“, sagte sie lachend und drehte sich mehrmals im Kreis. Dann erblickte sie Draco.
„Du hast dich ja richtig schick gemacht, Malfoy junior!“, rief sie und lief zu ihm, um ihn kurz an sich zu drücken.
„Wie geht es meinem Lieblingsneffen?“
Draco runzelte die Stirn.
„Lieblingsneffe? Ich bin dein einziger Neffe.“
„Das hat mir die Entscheidung ja auch so einfach gemacht“, erklärte Bellatrix und lachte hysterisch, wie es für sie so typisch war.

Wenige Augenblicke später kam Narzissa in das Zimmer.
„Hab ich doch richtig gehört, dass ihr angekommen seid“, meinte sie und ging auf ihre beiden Gäste zu. Zunächst begrüßte sie ihren Schwager mit einer Umarmung und dann ihre Schwester.
„Wir haben dich vorhin bei der Versammlung vermisst, Cissy!“, bedeutete Bellatrix, als sie ihre jüngere Schwester losließ.
Narzissa sah sie verwirrt an, fand jedoch schnell ihre Fassung wieder.
„Ich war mit den Vorbereitungen beschäftigt, damit wir uns einen schönen Abend machen können. Außerdem ist Weihnachten, der einzige Tag, an dem alle friedlich mit ihren Familien zusammen sein sollten. Deshalb wäre ich sehr dankbar, wenn wir dieses Thema heute nicht mehr erwähnen würden“, entgegnete sie und wandte sich dem Tisch zu. „Ich denke, wir können dann mit dem Essen beginnen.“

Draco horchte auf. Jetzt wusste er, weshalb er seinen Vater vorhin nicht gefunden hatte. Er war bei einem Treffen der Todesser gewesen.
Alle setzen sich an den Tisch und genossen das üppige Festessen, das die Hauselfen ihnen servierten. Währenddessen unterhielten sie sich angeregt miteinander und versuchten, so gut es ging das Thema Todesser zu vermeiden. So wurde es ein lustiger und entspannter Abend, an dem alle viel Spaß hatten.
Nur Bellatrix, die besessen von den Idealen der Todesser war, konnte das Thema nicht auf sich beruhen lassen.
„Und Draco, hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, wann du unseren Reihen beitreten wirst?“, fragte sie direkt.
Draco legte seine Gabel zur Seite, während Narzissa ihrer Schwester einen bösen Blick zu warf.
Er hatte sich da noch nie richtige Gedanken drüber gemacht. Natürlich wollte er ein Todesser werden. Schon alleine, weil seine gesamte Familie und die meisten seiner Freunde und deren Familien zu den Anhängern des Dunklen Lords gehörten. Allerdings war er noch unsicher, da er die Konsequenzen dieser Entscheidung nicht einschätzen konnte.
„Ich weiß nicht!“, antwortete er wahrheitsgemäß.
„Lord Voldemort hat sich bereits nach dir erkundigt. Und nach allem, was ich von deinen Aktivitäten in der Schule gehört habe, scheinst du einige nützliche Fähigkeiten zu besitzen. Ich denke, in ungefähr einem halben Jahr bist du soweit“, berichtete Bellatrix.
„Bella, bitte. Wir hatten uns doch geeinigt, das Thema nicht anzusprechen“, sagte Narzissa. Dann richtete sie ihren Blick auf ihren Mann, um herauszufinden, ob Bellatrix die Wahrheit gesagt hatte und der Dunkle Lord Draco wirklich schon jetzt aufnehmen wollte. Als Lucius keine Reaktion zeigte, versuchte sie es mit einer anderen Methode.
„Außerdem ist er noch viel zu jung dafür!“
Bellatrix brach in schallendes Gelächter aus.
„Cissy, wir waren auch nicht älter, als wir uns ihm angeschlossen haben.“
Da Narzissa darauf keine Erwiderung einfiel, widmete sie sich wieder ihrer Mahlzeit und die anderen folgten ihrem Beispiel. Nur Draco stocherte gelangweilt in seinem Essen herum. Er hätte gerne mehr über das Thema erfahren.

Nach ungefähr einer Stunde hatten sie das Festmahl beendet. Sofort nachdem alle aufgestanden waren, tauchten die Hauselfen auf, um den Tisch abzuräumen.
Ohne viele Worte zu verlieren, versammelte sich die Gruppe vor dem Baum und verteilte die Geschenke.

Draco setzte sich mit seinem Stapel an Paketen auf ein bequemes Sofa, das neben dem Baum stand. Die anderen, die meist nur ein oder zwei Päckchen hatten, gingen zurück zum Tisch.
Draco öffnete gerade sein drittes Präsent, in den anderen waren ein neuer Umhang und ein Rennbesen gewesen.
Dieses Päckchen enthielt einen Gegenstand, den Draco bei Borgin & Burkes schon einmal gesehen hatte. Es war eine kleine, verzierte Holzschatulle, deren Boden mit einem Unsichtbarkeitszauber belegt war. Wenn man etwas hinein legte, verschwand der Gegenstand und die Schatulle sah für jeden anderen leer aus.

Er wollte gerade die nächste Verpackung aufreißen, als Bellatrix zu ihm kam und sich neben ihn setzte.
„Hier hab ich noch etwas für dich!“, sagte sie und reichte ihm ein kleines, schlecht verpacktes Geschenk.
Draco erkannte an der Form sofort, dass es sich um ein Buch handelte. Bücher waren so ziemlich die einzigen Geschenke, die er nicht mochte. Aber er konnte sich auch nicht vorstellen, dass Bellatrix ihm etwas Langweiliges schenkte. Als er das Papier entfernt hatte, verstand er, weshalb sie ihm ein Buch geschenkt hatte.
′Geheimnisse der schwarzen Magie′ lautete der Titel. Es sah alt aus und hatte einen leicht eingerissenen Einband. Er war sich sicher, ein Buch mit diesem Titel schon mal in der verbotenen Abteilung der Bibliothek in Hogwarts gesehen zu haben. Er hatte zwar keine Ahnung, wie Bellatrix als entflohener Häftling aus Askaban daran gekommen war, aber er fragte auch nicht nach.
„Ich dachte, du könntest so etwas gebrauchen, um dir einen Vorteil gegenüber deinen Mitschülern zu verschaffen“, erzählte Bellatrix grinsend.

Draco blätterte in dem Buch und fand schnell heraus, dass es sich um eine Art Anleitung für Schwarzmagier handelte. Bei vielen Zaubern und Flüchen, die zur schwarzen Magie gehörten, war genau beschrieben, wie man sie ausführen musste.
„Danke! Damit kann ich sicherlich etwas anfangen“, bestätigte Draco.
„Vor allem hast du dann schon mal einige Tricks auf Lager, mit denen du den Dunklen Lord beeindrucken kannst, wenn er nach dir ruft!“, erklärte Bellatrix.
„Wird er das denn wirklich tun?“
Bellatrix nickte überzeugt.
„Natürlich. Immerhin gehört dein Vater zu seinem engsten Kreis. Auch wenn deine Mutter im Moment noch nicht glücklich darüber ist. Wenn sie sieht, dass du erfolgreich bist und der Gemeinschaft hilfst, wird sie es akzeptieren und stolz auf dich sein.“
Dann erhob sich Bellatrix wieder und ging zu den anderen an den Esstisch zurück, die inzwischen die Geschenke beiseite gelegt hatten und in lockerem Ton plauderten.

Draco durchblätterte das Buch sofort nach einem nützlichen Zauber. Er wollte so schnell wie möglich beweisen, wie gut er war. Bellatrix wusste dies zwar nicht, aber sie hatte ihm gerade das wichtigste Geschenk von allen gemacht, und zwar nicht mit dem Buch. Durch ihre Worte wusste er jetzt, was er wollte.

Auch wenn der ganze Tag schon sehr schön gewesen war, so war ihm eine Sache erst eben bewusst geworden. Dies war sein bislang schönstes Weihnachtsfest!

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