Adventskalender

4. Dezember

Der Stern der Hoffnung

Bewegungslos stand er am Fenster und starrte in den wolkenverhangenen Himmel. Es begann schon zu dämmern. „Es ist seltsam…“, dachte Remus, „Trotz Tonks, dem Baby und meinen Freunden, fühle ich mich so einsam.“
Er war so in Gedanken vertieft, dass er nicht hörte, wie Tonks zur Haustür herein kam. „Gott, ist das eisig draußen! Ich glaube, ich muss mir noch ein Fell morphen, damit ich nicht erfriere. Molly, Arthur und der Rest der Bande lassen dich ganz lieb grüßen. Ich hab auch schon unsere Geschenke für Weihnachten bekommen. Wir dürfen sie vorher natürlich nicht auspacken, aber ich wette 1000 Galleonen, dass da Mollys obligatorische Strickpullover drin sind.“ Sie lachte. „Viel mehr würde ich mich über eine gestrickte Babygarnitur für Klein-Teddy freuen. Schließlich kann es ja jeden Moment soweit sein mit der Geburt.“
Sie lugte ins Wohnzimmer, wo Remus noch immer regungslos zum Fenster hinaus sah. „Schatz? Du hörst mir ja gar nicht zu! Ist alles in Ordnung mit dir?“ Remus seufzte. „Ach ja, schon.“ Mit Mühe riss er sich von der dunklen Nacht draußen weg und schaute Tonks mit einem gequälten Lächeln ins Gesicht. Fragend betrachtete sie ihn. „Erzähl mir doch! Was bedrückt dich denn?“
„Es ist nichts – ach, es ist einfach kindisch und blöd. Weißt du, als ich noch ein kleiner Junge war, bevor Fenrir mir das angetan hat,“ er deutete mit einer wagen Geste auf sich, „da hat mir meine Mutter in der Adventszeit jeden Abend von einem ganz besonderen Weihnachtsstern erzählt, der für die Muggel eine große Bedeutung hat, weil er ihnen Hoffnung schenkt. Und jeden Abend vorm Schlafengehen haben wir am Fenster gesessen und uns den einen Stern angesehen, den wir zu unserem erkoren hatten. Wir nannten ihn „Unseren Hoffnungsstern“. Das war eine kleine Tradition von meiner Mum und mir, wir machten das jedesmal vor Weihnachten und ich freute mich das ganze Jahr darauf. Ich hab mich dann immer so geborgen und sicher gefühlt. In Betrachtung unseres Sterns war ich wirklich voller Hoffnung und Liebe.“
Remus nahm die hochschwangere Tonks an die Hand und half ihr, sich neben ihm auf das Sofa zu setzen. „Und dann machte dieses Monster von Werwolf mich zu dem, was ich heute bin. Meine ganze Zukunft war mit einem Schlag ausgelöscht, meine Hoffnung, die Geborgenheit und die Sicherheit dahin. Als Kind habe ich das Sternegucken geliebt, jetzt bedeutet eine wolkenlose Nacht für mich Schrecken, Angst und furchtbare Qualen. Ich habe meinen Hoffnungsstern seitdem nicht mehr angesehen.“ Traurig blickte Remus auf seine Hände, die Tonks ergriff und mitfühlend drückte. „Ich habe das Gefühl, als wäre ich verraten worden, als gäbe es für mich keine Hoffnung mehr. Und ich habe Angst um dich und unser Baby, das bald da ist. Wieder ist Voldemort an der Macht, wieder sind es gefährliche Zeiten.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, was werden soll. Mir fehlt die Sicherheit – mir fehlt mein Hoffnungsstern.“ Remus blickte jetzt Tonks in die Augen. Verstand sie, was er fühlte? Ja, sie verstand ihn sehr gut. „Warte!“, sagte sie plötzlich und erhob sich mühsam, „Ich hab da etwas für dich. Ich komme gleich wieder.“ Sie ging und kurz darauf hörte er sie im Kinderzimmer kramen. Er stand ebenfalls auf und ging wieder ans Fenster, um seinen Stern hinter den Wolken zu erahnen. Es tippte vorsichtig auf seine Schulter. „Für eine Schwangere bewegt sich Tonks ziemlich lautlos.“, dachte er noch gerade, als er sich zu ihr umdrehte, aber dann war nur noch Raum für Überraschung. Da stand vor ihm seine geliebte Frau und hielt ihm einen wunderschönen Stern entgegen, der von innen magisch leuchtete. Es hatte Remus die Sprache verschlagen. Erstaunt blickte er vom Stern zur verlegen grinsenden Tonks. „Ich hab mich die letzten Monate mit Bastelzaubern versucht“, sagte sie, „Ich hab diesen eigentlich für Teddys Zimmer gezaubert. Aber jetzt glaube ich, du brauchst ihn viel mehr. Was meinst du? Er könnte doch unser Hoffnungsstern sein. Ich weiß, die Zeiten sind gefährlich und der Kampf gegen Voldemort wird schwer werden, aber man darf die Hoffnung einfach nicht aufgeben! Wir haben soviel, wofür es sich zu hoffen lohnt.“ Bittend sah sie Remus an.
Er sah den Stern der Hoffnung – sah seine Frau, die sein Kind erwartete – er dachte an seine Freunde und ganz plötzlich war seine Verzweiflung vertrieben und eine Woge des Glücksgefühls aus Kindertagen durchströmte ihn. Er strahlte über das ganze Gesicht, nahm Tonks in die Arme, küsste sie und hauchte ihr das eine Wort ins Ohr, dass er durch seine vor Rührung zugeschnürte Kehle bekam. „Danke.“

Nach einem Moment löste er sich von Tonks. „Weißt du was?“, sagte er, „Damit unser Teddy nicht leer ausgeht, werde ich ihm auch einen Stern nachbasteln. Ich mach mich gleich ans Werk!“
Freudig suchte Remus sich alle Materialien, die er dafür benötigte, raus: Eine Schere und Papier in der Farbe seiner Wahl. „Ich könnte natürlich auch einen zweifarbigen Stern basteln…“, überlegte er, „Dann brauche ich zwei verschieden farbige Papiere.“
Er schnitt sich aus dem ausgewählten Papier vier Streifen in der Größe 30 x 2 cm, faltete sie einmal auf die Hälfte zusammen und steckte sie über Kreuz zusammen (siehe a). Tonks gab ihm den Tipp, die Enden schräg abzuschneiden, da sich die Streifen so leichter flechten ließen.
Dann knickte er im Uhrzeigersinn die jeweils oben liegenden Papierstreifen nacheinander über die Mitte in die entgegengesetzte Richtung. Den letzten der vier Streifen zog Remus unter dem zuerst umgelegten Streifen hindurch (siehe b-e).
„Jetzt muss ich den linken oberen Streifen schräg nach hinten wegknicken, nicht wahr?“, fragte er Tonks, die ihm zusah. „Ja, ja, du machst das ganz richtig - bis jetzt!“
(siehe f)
Darauf knickte er diesen Streifen wieder schräg nach vorn um, so dass ein Dreieck entstand (siehe g).
„Nun falte ich die linke Hälfte des Dreiecks mitsamt dem Streifen auf die rechte Seite um“, dachte Remus bei sich (siehe h).
Dann knicke er das so erhaltene kleine Dreieck nach hinten um und zog den Streifen durch die darunter liegende Schlaufe (siehe i).
Das Ganze wiederholte er genau so mit den drei anderen Streifen, bis es so aussah, wie es musste (siehe j).
Danach drehte Remus den Stern um und wiederholte die letzten Schritte mit den herausragenden Streifen auf dieser Seite. Es funktionierte, der Stern sah aus, wie Tonks es beschrieben hatte (siehe k).
Jetzt fehlten nur noch die spitzen Zacken in der Mitte! Er nahm dafür einen Streifen von der Mitte hoch, bog ihn schlaufenförmig um und zog ihn durch den daneben liegenden Schlitz (siehe l).
„Wenn du es richtig gemacht hast, kommt der durchgezogene Streifen dann aus einer der flachen Zacken wieder heraus.“, sagte Tonks und sah neugierig zu Remus′ Bastelarbeit herüber. „Ja, genau so! Und jetzt wiederhole das mit allen anderen Streifen auf dieser Seite und dann auch auf der anderen Seite!“
Zu guter Letzt schnitt Remus alle aus den flachen Zacken herausragenden Enden der Streifen ab. „Fertig ist der Fröbelstern! Ganz schöne Knibbelarbeit ist das!“, sagte er und zeigte stolz den Stern, den er selbst für seinen Sohn gebastelt hatte.
„Es ist wie mit der Aufgabe, die vor uns und Harry liegt“, meinte Tonks, „Es ist ein ganzes Stück Arbeit, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Man darf sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt!“
„Wie immer hast du Recht, Liebes“, pflichtete ihr Remus bei, „aber jetzt hängen wir unsere Sterne auf und machen uns dann eine schöne Tasse Tee.“

Remus Stern der Hoffnung: Hilfe zur Visualisierung!



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