Adventskalender

15. Dezember

Neue Liebe in der Weihnachtszeit

Es war der erste Ferientag der Weihnachtsferien in Hogwarts. Das Licht der großen Deckenlampe schien hell auf mein wundervoll bequemes Himmelbett, in dem ich voller Wohlbehagen gekuschelt lag. Da wurde die Tür unseres Schlafsaals mit lautem Knall auf-, und meine Bettvorhänge weggerissen und grell blendeten mich die Lichtstrahlen.

„Hey, Micha, aufwachen!!“, rief Danny, mein bester Kumpel und Freund und genauso ein cooler, hübscher, beliebter und von Mädchen umgarnter Hufflepuff wie ich, mir ins Ohr und schon landete was eklig Nasses in meinem Gesicht. Erst wollte ich mich ärgern, den nassen Waschlappen zu ihm zurückschmeißen, mich umdrehen und weiter dösen, doch dann fiel mir ein, dass heute ja ein besonderer Tag des Jahres war, auf den wir Viertklässler wie jedes Jahr schon gewartet hatten und schon saß ich kerzengerade im Bett und guckte gespannt umher. Heute war der erste Tag der Weihnachtsferien! Wir beide erlebten diesen Tag heute zum ersten Mal hier in Hogwarts, da wir die ersten drei Hogwartsjahre Weihnachten immer zu Hause verbracht hatten.

Rasch zog ich mich an – Danny wartete schon ungeduldig – und schlüpfte in meine Schuhe. Er konnte es kaum abwarten, mit mir gemeinsam runter in den Gemeinschaftsraum zu kommen. Dort war Professor Sprout bereits damit beschäftigt, diesen für die anstehende Weihnachtszeit zu schmücken und schwang mit leuchtenden Augen ihren Zauberstab. Eleanor Branstone und Rose Zeller, die zwei hübschesten Mädchen aus unserem Haus, die zudem noch unendlich klug, wissbegierig und voll locker drauf waren, standen mit staunenden Augen daneben und bewunderten ihr Werk. Wir stießen uns gegenseitig an, als wir aus dem Tunnel, der zu unserem unterirdisch gelegenen Schlafsaal führte, herauskamen und sie sahen, denn wir waren beide völlig verknallt und verliebt in die Mädels. Gestern Abend hatten wir beide geschworen, dass wir es ihnen heute gestehen würden. Wir wollten uns gegenseitig daran erinnern und unterstützen, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen, um mit ihnen die ganzen Weihnachtsferien und Feierlichkeiten genießen zu können.

Die zwei warteten schon neben dem großen Tannenbaum, der besonders schön geschmückt war, neben der Schönheit der beiden Mädels jedoch total verblasste. Eleanor hatte goldenes langes Haar, das ihren größeren, modelartigen Körper wunderschön umspielte, Rose dagegen eine braune peppige Kurzhaarfrisur, die sie aber nicht wie einen Jungen aussehen ließ, sondern durch ihre kleine, zierliche Figur fast wie eine Elfe.

„Fröhliche Weihnachtszeit euch beiden“, erklang es gleichzeitig aus unseren Mündern zur Begrüßung, als wir lässig hinüber schlenderten und zur Antwort bekamen wir ein strahlendes Lächeln. Die Beiden sahen umwerfend aus und nahmen unsere Einladung gerne an, sie in die Große Halle zum Frühstück zu begleiten, das wegen den wenigen Schülern, die über die Ferien nur im Schloss geblieben waren, an zwei der langen Schultische stattfand, die zusammengerückt worden waren. Die Elfen waren wie immer früh aufgestanden, um das herrliche Frühstücksbuffet zubereiten zu können, welches auf den stabilen Tischen thronte und darauf wartete, von hungrigen Lehrern und Schülern genüsslich verspeist zu werden. Diese saßen auch bereits schon als wir eintraten, die Slytherins wie immer mit dem größtmöglichen Abstand zu den dagebliebenen Gryffindors und lautes Geschirrgeklappere sagte uns, dass sich die Anwesenden bereits über die leckeren Speisen hermachten. So beeilten wir vier uns, ebenfalls noch etwas von der breit gefächerten Auswahl an Belägen zu erhaschen, bevor diese verschwanden. Eleanor und Rose aßen wie erwartet nicht viel, doch Danny und ich ließen es uns schmecken, wir hatten immer gesunden Appetit.

Den Vormittag brachten wir damit zu, unsere weiblichen Begleiterinnen mit kleinen Zaubern zu unterhalten, mit ihnen Schach und Snape explodiert zu spielen und uns draußen mit Schneebällen zu bewerfen, um uns hinterher mit ihnen im Gemeinschaftsraum am Feuer aufzuwärmen. Da kaum andere Schüler da waren, hatten wir die gemütlichen Sessel für uns und mussten nicht wirklich auf andere Rücksicht nehmen, wobei uns Jungs sowieso viel Respekt entgegengebracht wurde. Wir luden sie auch ein, mit in unseren Schlafsaal zu kommen, in dem sie sich trotz des Chaos sehr wohl fühlten. Nicht, dass wir nicht versucht hatten, bei ihnen auch mal reingucken zu wollen, doch wie bereits viele weitere Jungs vor uns mussten wir schnell feststellen, dass die Mädchenschlafsäle gut mit Zaubern gesichert waren. Als wir wegen der Rutsche auf dem Allerwertesten landeten, hatten wir noch gut lachen, doch selbst mit Besen und anderen Zaubern hatten wir keine Chance und das machte uns etwas fuchsig.

Aber die Mädchen bei uns zu haben, war das schönste Weihnachtsgeschenk und zusammen mit Ihnen überlegten wir, was wir unseren Lieben schenken konnten. Rose hatte sich mit zu Danny aufs Bett gesetzt, während Eleanor schon an meiner Seite lag und sich an mich kuschelte. Zwischen uns herrschte bereits eine gewisse Vertrautheit und ich merkte ihr an, dass sie sich an meiner Seite wohl fühlte und kein Problem damit hatte, dass sich ständig andere Mädels an mich ran schmissen, denn Eleanor war selbstbewusst genug zu wissen, dass ich keine schöner fand als sie.

Wenn ich mit Danny mal alleine war, zogen wir uns fast immer auf, welche der Beiden denn nun schöner war, aber wir wussten beide, dass wir niemals dem anderen seine Geliebte ausspannen könnten. Dafür waren wir einfach zu dicke Freunde und fanden immer wieder neue Ideen, wie wir sie beeindrucken konnten. Zum Beispiel hatte ich am vergangenen Abend vorgeschlagen, heute doch mal zu unserer Hauslehrerin Professor Sprout zu gehen und sie zu fragen, ob sie uns erlauben würde, in ihrer Begleitung oder mit einem anderen Lehrer, Eleanor und Rose sowie den anderen Schülern, zumindest die die mitkommen wollten, Hogsmeade zu besuchen, dem Honigtopf einen Besuch abzustatten, sich in Madam Puddifoot’s verwöhnen zu lassen und sich im Eberkopf von Dumbledores Bruder Aberforth die Geschichte der Befreiung erzählen zu lassen. Professor Sprout war begeistert und es fanden sich noch ein paar Lehrer, die ebenfalls mal einen Tag zum Ausspannen nutzen wollten und sich bereit erklärten, uns in ein paar Tagen zu begleiten.
Die beiden Mädels waren beeindruckt und Danny und ich warfen uns einen viel sagenden Blick zu.

Mittlerweile war es schon fast Abendbrotzeit und wir hatten ihnen unsere Gefühle immer noch nicht gestanden. Da kam mir die rettende Idee: In der Nähe des Gewölbekellers, wo sich unser Gemeinschaftsraum befand, hatte ich oben an der Decke einen Mistelzweig gesehen. In einem günstigen Augenblick ohne Eleanor und Rose erklärte ich Danny meinen Plan, Eleanor aus dem Gemeinschaftsraum zu bitten, ihr davor die Augen zu verbinden, sie dann an jene Stelle zu führen und
sie dort mit meinen Gefühlen, mit einem Kuss, und einer kleinen Süßigkeit aus dem Honigtopf zu beglücken, die ich noch vom letzten Besuch dort hatte. Und eben jenes solle er dann 20 Minuten später ebenso tun.

Gesagt, getan. Zuerst war sie etwas skeptisch, ließ sich dann jedoch darauf ein, weil sie mir voll vertraute und den Wünschen eines so heißen und toughen Boys nicht widerstehen konnte und das schmeichelte mir. Sie war zunächst sprachlos, als ihr sagte, dass sie für mich die schönste und intelligenteste Frau der Welt wäre, doch ich merkte schnell, dass sie nichts sagen musste, sie fühlte genauso für mich und war vielleicht gerade wegen der Augenbinde so ungehemmt und leidenschaftlich, weil sie mir nicht in die Augen gucken musste, was den Kuss umso intensiver und schöner machte. Das gleich erzählte mir abends im Bett auch Danny, der Rose jedoch mit leicht energischer Stimme hatte bitten müssen, mal den Mund zu halten, ihr dann die Schokoladen in den Mund geschoben und sie einfach geküsst hatte. Doch auch sie hatte es sich sehnlichst gewünscht, seine Freundin sein zu dürfen.

Abends saßen wir dann alle vier noch vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum, genossen die Stille der beinah schülerlosen Ferienzeit, futterten die restlichen Süßigkeiten, kuschelten uns aneinander, betrachteten den geschmückten Raum und freuten uns, dass wir nun die ganze restliche Weihnachtszeit in trauter Zwei- beziehungsweise Viersamkeit verbringen konnten.

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