Adventskalender

7. Dezember

Im ganzen Hause duftete es bereits nach weihnachtlichen Gewürzen. Zimt, Kardamom und der feine süßliche Duft von getrockneten Vanilleschoten strömten durch die Nasen der Zaubererfamilie Turpin.

Wie jedes Jahr bäckt Mrs. Turpin eine Vielzahl an Plätzchen und Weihnachtskuchen.
"Lisa, komm doch mal kurz her. Magst du mir nicht dabei helfen, einen Apfelrahmkuchen zu backen?"
Ein dunkelhaariges Mädchen blickte zur Küchentür herein. Lisa Turpin verbringt das Schuljahr eigentlich in Hogwarts, doch zur Weihnachtszeit ist sie zu Hause, um ihrer Mutter bei den Vorbereitungen zu helfen.
"Gerne." antwortete sie und nahm 4 Äpfel und wusch sie kurz mit kaltem Wasser ab. Dann schälte sie sie auf magische Art und Weise.
Mrs. Turpin wog in der Zwischenzeit 300 Gramm Mehl und 230 Gramm Zucker ab und erwärmte 250 Gramm Margarine. Dabei gab sie die trockenen Zutaten in eine Schüssel, vermischte sie mit Backpulver und Vanillezucker. Mit einem kurzen Blick auf die geschälten Äpfel fragte sie ihre Tochter: "Lisa, du weißt doch, dass du außerhalb der Schule nicht zaubern sollst! Was hast du mit diesen Apfelschalenstreifen vor?"
"Diese möchte ich gerne auf dem Kamin trocknen, denn sie duften so fein." sagte Lisa.
Mrs. Turpin lächelte versöhnlich und gab die inzwischen geschmolzene Margarine in die Schüssel mit dem Mehl und dem Zucker. Kurz danach schlug sie noch 5 kleinere Eier auf und vermischte alle Zutaten zu einem festen Teig.
"Lisa, schneide die Äpfel bitte noch in kleine Stücke. Aber diesmal ohne Zauberei!" sagte Mrs. Turpin, ehe sie kurz die Küche verließ um eine Flasche Mineralwasser zu holen.
Murrend nahm Lisa ein Küchenmesser zur Hand und entkernte die Äpfel. Anschließend schnitt sie die Äpfel in kleine Würfel.
Als Mrs. Turpin wieder zurück kam, nahm sie die Apfelstücke und rührte sie dem Teig unter, den sie zuvor noch mit zwei Esslöffeln Mineralwasser verdünnt hatte.
"Jetzt ist der Teig fertig, Lisa. Wenn du willst, darfst du jetzt noch den Zimt dazu geben."
"Au ja, Zimt ist prima!" Lisa griff gleich zum Zimtstreuer und schüttete reichlich von diesem orientalischen Gewürz in den Teig. Ein gehäufter Teelöffel war das bestimmt, denn nach sorgfältigem Verkneten verströmte der Teig einen feinen Geruch.
Mrs. Turpin hatte derweil die Kuchenbackform eingefettet, in die der Apfel-Zimt-Teig nun gegossen wurde.
"Wie lange muss der Kuchen jetzt backen?" fragte Lisa.
"In einem gut vorgeheizten Backofen bei 160 °C dürften 45 Minuten ausreichen." Antwortete Mrs. Turpin. "Und danach muss er noch eine Weile abkühlen. Doch er wird rechtzeitig fertig sein für die Weihnachtsfeier im St.Mungos heute Abend."
"Was? Wir dürfen den Kuchen nicht selber essen? Du weißt doch, wie sehr ich deinen Weihnachts-Apfelkuchen mag." sagte Lisa leicht empört.
"Die Weihnachtszeit ist die Zeit im Jahr, in der Muggel besonders viel an Benachteiligte denken. Ich finde, auch wir sollten öfters mal an andere Menschen denken, denen es nicht so gut geht und die vielleicht noch nie einen solchen Apfelkuchen gegessen haben."
Erwiderte Mrs. Turpin. "Wenn du magst, kannst du gerne mit deiner Schwester Helena und mir mitkommen."
"Kommt Papa nicht mit?"
"Nein, als Muggel will er lieber nichts mit ′irgendwelchen magischen Krankheiten’ zu tun haben. Am Ende steckt er sich vielleicht noch an und wie er das seinem Arbeitgeber erklären soll, möchte er sich nicht vorstellen."

Gegen Abend machten sich die Turpins auf den Weg zum St. Mungos Hospital für Magische Krankheiten. Das kleine Stadthaus der Turpins befindet sich etwas außerhalb von London, so dass sich die drei Hexen entschieden, mit der Bahn in die Stadt zu fahren. Mrs. Turpin war der Ansicht, dass eine Flohpulverreise dem Kuchen schaden könnte.
Sie gelangten über eine Nebenstraße zum Kaufhaus Purge&Dowse, in dem sich das Krankenhaus befindet.
Helena, die ältere Schwester von Lisa, trat zur Schaufensterpuppe hin und sagte "Wir möchten gerne zur Krankenhaus-Weihnachtsfeier". Die Puppe nickte und sogleich verschwand Helena durch die Fensterscheibe. Als Mrs. Turpin ihr folgen wollte, rutschte sie auf einem vereisten Pflasterstein aus, fiel durch die Scheibe und verschwand. Der Kuchen aber flog direkt in Lisas Hände. Passanten hatten diesen Vorfall bemerkt und blickten neugierig zu Lisa. Unsicher bewegte sie sich zum Fenster und betrat plötzlich die Empfangshalle des St. Mungo Hospitals.
Die Empfangshalle war festlich geschmückt durch zwei große silberne Weihnachtsbäume. Auch die Theke war mit glitzernden Bändern dekoriert. Mrs. Turpin lag noch am Boden und versuchte sich wieder aufzurappeln.
"Autsch! Wahrscheinlich habe ich mir den Knöchel angeknackst..." murrte sie.
Helena half ihrer Mutter beim Aufstehen und sah kurz zu ihrer Schwester herüber: "Oh Lisa, gut dass du den Kuchen gerettet hast."
Lisa ging zur Empfangshexe und erkundigte sich, wo die Weihnachtsfeier denn statt finden würde. "Die Weihnachtsfeier findet oben in der Besuchercafeteria statt. Im fünften Stock!" antwortete die Empfangshexe.
Gemeinsam nahmen die drei den Aufzug in den fünften Stock. Im dritten Stock stieg ein jüngerer Herr in einem grünen Kittel zu. "Ist irgendetwas nicht in Ordnung, werte Dame?"
Mrs. Turpin konnte sich nur mit Mühe und dank Helenas Stützhilfe aufrecht halten.
Helena erklärte kurz, dass ihre Mutter auf einem Pflasterstein ausgerutscht sei. Der Mann zeigte sich besorgt. "Leider ist der Hausmeister seit gestern krank, so dass der Besuchereingang seit zwei Tagen nicht mehr enteist wurde." Er wandte sich Mrs. Turpin zu. "Wenn Sie wollen, kann ich gleich nach ihrem Knöchel sehen."
Der Aufzug öffnete seine Türen im fünften Stock. Lisa und Helena gingen hinaus um den Kuchen zum Büffet der Weihnachtsfeier zu bringen. Wie die Empfangshalle war auch die Cafeteria weihnachtlich dekoriert. Auf den Tischen standen mehrere Kerzen und daneben sangen kleine Engelsfiguren leise Weihnachtslieder.
Im Raum duftete es nach Plätzchen und gerösteten Mandeln, frischem Kaffee und warmem Tee. Die Atmosphäre war gemütlich.
Als Lisa den Kuchen auf dem Buffet platzierte beugte sich gleich eine ältere Dame darüber. "Ui, was haben wir denn da Feines?"
Völlig überrascht, erwiderte Lisa: "Das ist ein Apfel-Zimt-Kuchen. Ein Spezialrezept meiner Mutter."
Helena hatte ein Kuchenmesser auftreiben können, um den Apfelkuchen auch anzuschneiden.
Nur kurze Zeit später tauchte auch Mrs. Turpin und der Heiler auf. Mrs. Turpin hatte offenbar keine Schmerzen mehr. Sie unterhielt sich angeregt mit dem Heiler, den sie im Aufzug getroffen hatten.
Helena hat in der Cafeteria eine ehemalige Schulfreundin getroffen, nur Lisa langweilte sich etwas. Sie beobachtete die Leute in dem Raum.
Dann auf einmal sah sie einen kleinen plumpen Jungen, der ihr merkwürdig bekannt vorkam. Er stand neben der älteren Dame, die sie nur kurz zuvor noch angesprochen hatte. Es war Neville Longbottom, der ewige Tollpatsch aus dem Hause Gryffindor. Gerüchte über explodierende Teebecher und weitere Unfälle, die er verursacht haben soll, haben sich in der ganzen Schule verbreitet.
"Armer Neville. Er hat es auch nicht leicht in Hogwarts. Warum ist er hier auf dieser Weihnachtsfeier?" fragte sich Lisa.

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