Adventskalender

5. Dezember

Nevilles Überraschung für seine Eltern

"Ausgeschlafen?", lachte Augusta ihren Enkel Neville zynisch an.
"Ich hab den Wecker wohl nicht gehört", versuchte dieser sich zu rechtfertigen.
"Dürft ihr in Hogwarts auch immer so lange schlafen?" Genervt machte sie ihre Arbeit in der Küche weiter.
"Ach Oma, es ist Weihnachten. Meinst du nicht, ich habe auch mal das Bedürfnis ausschlafen zu dürfen?"
"Na ja, aber nun musst du mir helfen. In einer Stunde kommen meine Freundinnen..." Neville verdrehte sofort die Augen. Die Aussicht mit den ′alten Tanten′ einen Nachmittag zu verbringen, ließ ihn wirklich die Laune verderben.
"...und ich möchte doch diese Äpfel machen."
"Okay", sagte Neville schnell. "Was soll ich denn machen?"
"Du könntest zum Beispiel die Äpfel aus dem Flur holen und ich schau mal, was wir noch brauchen."
"Können wir Mam und Dad dann auch einen machen?", fragte Neville vorsichtig.
Augusta sah ihren Enkel erstaunt an. "Aber klar. Ich denke, das bekommen wir hin. Magst du sie denn heute Nachmittag alleine besuchen?"
In Neville keimte etwas Freude auf: "Gerne."
"Dann schau ich mal, ob jemand dich abholen kann", sagte Augusta und Neville beeilte sich, die Äpfel zu holen.
"Was sind das für welche?", fragte er und wollte gerade herzhaft in einen hinein beißen.
"Das sind Boskop-Äpfel. Allerdings geht auch eine andere Sorte, so lange sie fest und säuerlich sind."
Neville verzog das Gesicht und ließ das Exemplar in seiner Hand sinken. "Aber das schmeckt doch dann nicht."
"Doch, die Säure passt hervorragend zu der Süße der Soße", erklärte Augusta ihm und ließ mit einer Handbewegung sechs Äpfel waschen und trocknen. Dann nahm sie sich jeden einzeln zur Hand und entfernte mit dem Zauberstab das Kerngehäuse, den Stiel und die Blüte.
"So, und du nimmst dir jetzt einen Teelöffel Zitronensaft und beträufelst damit das Innere des Apfels. Dann legst du ihn so in die Auflaufform, dass wir das Loch noch füllen können."
Neville nahm sich einen Teelöffel und den ersten Apfel.
"Es ist wichtig, dass nicht nur eine Stelle den Zitronensaft abbekommt, sondern nahezu alle", ermahnte sie ihn.
Nach einigem hin und her hatte er den Dreh raus und die Äpfel wanderten immer schnell in die Auflaufform.
"So, und nun machen wir die Füllung."
"Welche machst du denn?", fragte Neville neugierig.
"Ich dachte an die Marzipansoße."
"Aber ich mag die mit Vanille viel lieber und ich glaube, Mam und Dad auch."
"Okay, dann machen wir drei mit Marzipan und drei mit Vanille." Neville nickte. "Wir fangen mit der Marzipanfüllung an. Dafür brauche ich noch Weißwein und Apfelsaft. Holst du den mal bitte aus dem Keller?"
"Ja", sagte Neville und machte sich auf den Weg.
"Gut, dann werde ich mal den Ofen vorheizen auf 180°. Dann brauche ich noch zwölf Walnusshälften", Augusta las und suchte die Zutaten in der Küche zusammen, "Zimt, dreißig Gramm Marzipanrohmasse, dreihundert Gramm Joghurt und..."
Plötzlich schepperte es im Flur. Augusta fuhr zusammen und schaute durch die Tür.
"Ach Neville", meinte sie kopfschüttelnd, "kannst du nicht aufpassen?"
"Ich bin an der letzten Stufe hängen geblieben, tschuldigung", flüsterte dieser und versuchte sich aufzurappeln. Augusta nahm den Zauberstab und mit einem ′Reparo′ war der Unfall rückgängig gemacht.
"So, wo war ich?", Augusta und Neville gingen in die Küche zurück. "Ach ja, als letzte Zutat brauche ich noch drei Gramm Ahronsirup."
Neville stand neben ihr am Tisch. "So, du zerhackst jetzt sechs Walnusshälften grob - aber sei vorsichtig - und dann füllst du jeden Apfel im Wechsel mit den zerhackten Walnüssen und dem Marzipan. Zum Schluss streust du auf die Äpfel noch eine Prise Zimt. Ich mische derweil zwei Esslöffel Weißwein mit vier Esslöffel Apfelsaft und schau dir auf die Finger."
Doch dieses Mal ging alles glatt. Neville hatte konzentriert zugehört und machte sich freudig daran, drei Äpfel zu füllen. Augusta übergoss dann die drei fertigen Äpfel mit dem Gemisch aus Wein und Saft.
"So, dann wollen wir mal noch schnell die anderen drei füllen..."
"Aber du hast ja noch Zutaten übrig", fragte Neville erstaunt.
"Na ja, daraus wird die Soße gemacht. Aber die machen wir, wenn die Äpfel im Ofen sind. Für deine drei brauchen wir vierzig Gramm gehackte Haselnüsse, neunzig Gramm Johannisbeergelee, zwanzig Gramm Butter, ein Päckchen Vanillesaucenpulver (ohne Kochen), einen viertel Liter Milch, hundert Gramm Mascarpone und eine Vanilleschote." Während Augusta vorlas, flitzte Neville durch die Küche um die entsprechenden Zutaten zu holen. Er wollte seinen Stolperer unbedingt wieder gut machen. Augusta ließ ihren Zauberstab rühren und vermischte die gehackten Haselnüsse mit dem Johannisbeergelee. Neville füllte die restlichen drei Äpfel und legte auf jeden dieser ein Stück Butter. Dann schoben sie die sechs gefüllten Exemplare auf die mittlere Schiene in den Ofen und begannen die Soßen zubereiten.
"Wie lange brauchen die jetzt?", fragte Neville seine Oma.
"Vierzig Minuten ungefähr. Wir erkennen, dass die Äpfel fertig sind, wenn die Schale leicht aufgeplatzt ist."
"Zuerst zu der Marzipanfüllung, okay?"
Neville nickte. Augusta brachte erneut ihren Zauberstab dazu, dass ein Löffel den Joghurt mit dem Ahornsirup und etwas Zimt verrührt.
"Du hast noch Walnüsse vergessen", sagte Neville hastig und zeigte auf die sechs verbliebenen Hälften.
"Nein", lachte Augusta. "Die dienen nur der Dekoration. Nachher, wenn die Äpfel fertig sind, dann gießen wir einen Spiegel von der Soße auf einen Teller. Da setzten wir die Äpfel drauf und können die letzten Hälften dann auf den Joghurt legen."
"Okay. Das heißt, dass wir mit der Soße für die Marzipanfüllung schon fertig sind?"
"Ja, und nun noch deine Soße. Du verrührst das Vanillesaucenpulver bitte mit dem viertel Liter Milch."
Begeistert macht Neville sich an die Arbeit. Für seine drei Äpfel gab er sich besonders viel Mühe, denn er wollte, dass seine Eltern stolz auf ihn waren.
"Dann noch die Mascarpone", Augusta trat neben ihm und half ihrem Enkel ein wenig. "Du musst aufpassen, dass es eine glatte Sauce wird."
Neville rührte vorsichtig, während seine Oma die Vanilleschote der Länge nach aufschneidet und das Mark mit einem kleinen Messer herauskratzt.
"So, das hebst du da nun unter und dann bist du auch schon fertig."
Neville probierte die Sauce und konnte es gar nicht mehr abwarten, bis die Äpfel fertig sind. Damit es etwas schneller geht, setzte er sich vor den Ofen und sah den Äpfel zu.
Augusta lachte. "Davon geht das auch nicht schneller. Du könntest die Zeit besser nutzen und dich etwas herrichten. Oder willst du so deinen Eltern entgegentreten?"
Neville schüttelte den Kopf und raste in sein Zimmer. Eine Viertelstunde später stand er gebügelt und gestriegelt in der Küche und wartete auf seine Äpfel.
"Ich habe mit Melissa gesprochen. Sie kommt gleich und holt dich ab. Dann kannst du in Ruhe mit deinen Eltern die Äpfel naschen. Ich komme dann später nach. Schaffst du das?"
"Ja", sagte Neville schnell und hob die Brust. Er nahm sich eine Dose und füllte da die Sauce hinein. Die Äpfel legte er in eine Box, die Augusta mit einem Zauber heiß hielt.
"Im Krankenhaus musst du dann nur die Soße auf Teller verteilen und dann die Äpfel drauf legen."
Neville nickte und machte sich begeistert auf den Weg.

Zurück zum Adventskalender