Adventskalender

17. Dezember

[h2]Klorollen-Weihnachtsmann[/h2]

Während Luna einen genaueren Blick auf Nevilles Hab und Gut warf, saß dieser auf seinem Bett und schaute ihr zu. Bisher hatte er noch nie Besuch aus der Schule gehabt, doch nachdem er und Luna sich immer mehr angefreundet hatten, schlug seine Oma vor, sie über die Weihnachtsferien doch mal zu sich einzuladen. Allerdings war sie ziemlich neugierig und wühlte in seinen Bergen von Besitztümern, wobei sie allerlei fand, was er schon längst nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Sein Blick wanderte zu dem Kalender, den sie ihm kürzlich zugeworfen hatte - "Ach du Schande, in zwei Tagen ist ja Weihnachten!", stieß er plötzlich hervor. "Ja natürlich, darum haben wir ja Ferien. Wobei mein Vater und ich keinen Wert auf dieses Fest legen, wir feiern nämlich wann ganz anders-" erzählte Luna munter, wurde aber von Neville unterbrochen, der plötzlich ganz nervös geworden war. "Ja ja, ich weiß, aber ich hab trotzdem noch kein Geschenk für meine Oma! Was soll ich ihr denn bloß schenken?"
"Wie wär′s mit einem Niffler, die sind ganz nützlich, wenn man so viel verliert wie du!" Neville schaute sie unglücklich an; woher sollte er denn jetzt noch einen Niffler bekommen?! "Ich hab aber gar keine Zeit mehr... Vielleicht findest du ja was in diesen ganzen Müllbergen?" Luna, die sich kurz umschaute, schüttelte den Kopf. "Das kannst du vergessen, es ist wirklich alles Müll - wie du sagst. Aber lass uns doch was basteln! Ich hab da eine tolle Idee!" "Aha?", Neville runzelte die Stirn. Er hatte noch nie was gebastelt, so etwas ging bei ihm immer schief. "Ja, wir brauchen dazu nur eine Klopapierrolle, roten Stoff oder Filz, etwas hautfarbenes Papier, oder noch besser ist Moosgummi, Watte, Schnur und Perlen." "Super", erwiderte Neville. "Lauter Dinge, die ich täglich benutze!" "Also bitte, bist du nun ein Zauberer oder nicht?!" "Ach jaaaa.... Accio Klopapier!"
Plötzlich sausten zwei Rollen Klopapier die Treppe hoch, wickelten sich in dem Flugwind ab und bedeckten Neville unter einem weißen Haufen.
"Nun ja, ich meinte auch leere Klopapierrollen", grinste Luna. "Aber das hat sich ja von selbst erledigt! Den Rest mach wohl besser ich." Und mit einem Schwingen ihres Zauberstabes ließ sie Watte, Stoff, Schnur, Perlen und Papier erscheinen. Eine Schere zog sie aus einem Haufen rechts von ihr, was Neville sehr erstaunte. "Jetzt schneiden wir den roten Stoff etwa fünf Zentimeter breiter wie die Klopapierrolle hoch ist, damit wir die danach mit dem Stoff einwickeln können, aber auf einer Seite noch etwas übersteht." Neville, der sich auch eine Schere organisiert hatte, befolgte ihre Anweisungen. "Und jetzt kleben wir das an die Rolle?", fragte er. "Genau. Aber da ich keinen Klebstoff finden kann, können wir das auch hinzaubern: Agglutino!", sie tippte die mit Stoff umwickelte Klorolle mit dem Zauberstab an und schon war der Stoff befestigt. Neville folgte ihrem Beispiel, doch war sein Ergebnis etwas labil. "Wird schon halten... und nun?" "Jetzt binden wir den überstehenden Teil mit einer Schnur zu, damit es eine Zipfelmütze wird. Am besten machst du eine Schleife rein, damit man es wieder aufmachen kann, ich hab da nämlich grad noch eine tolle Idee!"
"Was denn für eine?" "Das sag ich dir dann später. Danach müssen wir das hautfarbene Papier zu einem Gesicht schneiden, also länglich und unten rund, oben flach. Etwa so drei Zentimeter breit." Nachdem beide soweit waren, fragte Neville: "Und nun kleben wir das auch ran, richtig?" "Nicht ganz, erst sollten wir schon das Gesicht drauf malen, das geht so besser. Aber pass auf: nachher kommt oben und unten noch Watte dran, da sieht man das Gesicht dann vielleicht nicht mehr ganz!" Als Luna Neville mit dem Stift hantieren sah, lachte sie laut auf. "Ich konnte noch nie gut malen...", murmelte Neville kleinlaut.
"Aber jetzt können wir′s ankleben?"
"Genau. Und dann ringsherum Watte, unten als Bart und oben als Pelz für die Mütze."
"Sieht schon mal gut aus! Und nun braucht er aber noch Arme und Beine.", meinte Neville, als er seinen halbfertigen Weihnachtsmann betrachtete.
"Dazu sind die Schnur und die Perlen. Jetzt brauchen wir nämlich drei Stücke Schnur: zwei etwas kürzere und eine ganz lange. An jedes Ende der kurzen muss ein Knoten, damit die Perle, die wir dann aufziehen, nicht wieder runterrutscht."
"Ah ja, dann wär es also gut, wenn man rote Schnur und hautfarbene Perlen für die Arme nimmt und schwarze für die Beine?"
"Das wär gut, deshalb machen wir das ja auch so", lächelte Luna.
"Und wie wird das jetzt an dem Weihnachtsmann befestigt?" Luna antwortete: "Mit einem Loch, durch das wird die Schnur durchgezogen und ans andere Ende kommt dann wieder ein Knoten. Die Schnur für die Beine ziehen wir am Stück durch zwei Löcher unten am Weihnachtsmann, das geht einfacher. Dafür gibt es übrigens auch einen Zauberspruch: Pertunsus!" Sie tippte auf alle vier Stellen von Armen und Beinen, wo sofort ein kleines Loch erschien. Neville tat es ihr gleich- allerdings war sein Loch nicht klein, sondern riesig. So riesig, dass von dem Weihnachtsmann fast nichts mehr übrig war. "Oh nein! Siehst du, deshalb bastel ich nie..."
"Neville, du bist aber auch schusselig. Reparo." Die Bastelei setzte sich wieder zusammen und enthielt auch die vier nötigen Löcher. "Danke schön Luna, wenn ich dich nicht hätte..." "...dann hättest du auch nicht basteln müssen.", grinste Luna, die die Schnüre mit einer Nadel nun durch die Löcher zog und auch eine Perle dazufügte. "Den Rest mach ich lieber selbst. Nudo!" Und ein letzter Schwung mit dem Zauberstab ergab acht Knoten an den jeweiligen Enden der Schnüre.
"Gut, dass wir zaubern können, sonst hätten wir an das Ende der Schnüre da, die als Arme, ja auch so Knoten machen müssen... das wär ganz schön umständlich gewesen!"
"Nun ja, das stimmt... Aber man könnte ja dann einfach die Zipfelmütze wieder aufmachen, damit man besser rankommt, oder? Sooo, den kann man jetzt auf ein Regal stellen und die Beine runterbaumeln lassen."
"Und was hattest du vorhin noch für eine Idee?", fragte Neville neugierig. "Ach ja, genau: wenn wir den Boden noch schließen, können wir zum Beispiel Bertie Bott′s Bohnen aller Geschmacksrichtungen oder saure Drops reinfüllen, dann hat deine Oma noch eine Überraschung." "Jaah, oder Flubberwürmer!" "Ja, wenn sie das freut? Man kann auch einen Schlickschlupf einfangen, ich glaube, das mache ich für meinen Vater... Also entweder, wir machen ihm noch einen großen eckigen Boden aus Pappe, auf den wir Watte kleben für Schnee. Dann können wir ihn einfach draufkleben. Oder wir nehmen noch ein rundes Stück Stoff und kleben das noch von unten ran."
"Da wär es aber besser gewesen, du hättest dir das vorher überlegt, damit wir das runde Stück Stoff als erstes hätten ankleben können!"
"Hmm, jaaah, stimmt... ich mach auch mal Fehler."
"Das macht nichts, ich find die Idee trotzdem toll! Da wird sich Omi bestimmt freuen, wenn sie sieht, was ich ihr gemacht habe!"

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