Adventskalender

13. Dezember

[h2]Gryffindor Plätzchen [/h2]

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Es war noch gar nicht richtig hell draußen, sodass das Rot des Sonnenaufganges nahezu geheimnisvoll auf den Knospen und Blüten der Eisblumen brach, die sich auf den eingefrorenen Fenstern empor rankten, und somit den gesamten Innenraum mit schimmernden roten Tupfern bedeckte.

Das Einzige, was die morgendliche Stille durchbrach, war das Knistern und Rauschen des Kamins in dem schon seit einigen Stunden ein wärmendes Feuer brannte.
Diese gemütliche Atmosphäre schien unvergänglich zu sein....schien.

"Arthur!", schallte es mehr als plötzlich und die Stimme der aufgebrachten Frau schien sich bei diesem Aufschrei nahezu zu überschlagen. Noch einige Sekunden war der Widerhall in der Küche zu vernehmen, als auch schon eilige Schritte zu hören waren.
"Liebes, was-", wollte der überraschte Weasley gerade fragen, als ihm seine Gemahlin ins Wort fiel: "Alle..! Ihr habt...oh Arthur! Ich habe gesagt, ein paar Kekse sind okay.. ich kann ja verstehen, dass ihr nach den Nachtschichten hungrig sein! Aber alle?! Heute ist schon der 13. Dezember und ich habe, ob du es glaubst oder nicht, auch anderes zu tun als den ganzen Tag in der Küche zu stehen.. vor allem seit das Haus voll ist!", schimpfe Mrs. Weasley mehr als sauer.
"Ich muss noch Weihnachtsgeschenke organisieren.. und das Festessen planen und Einkäufe erledigen.. und nebenbei bin ich AUCH im Orden Tätig!", ging es nach kurzer Pause weiter.

Mr. Weasley, der inzwischen die Größe eines Flohs hatte, schluckte schwer und traute sich kaum etwas zu sagen. " Liebling.. ich.. wir haben uns noch so angeregt unterhalten, gestern Abend... da muss der Eine oder Andere ein Plätzchen mehr gegessen haben.. bist du sicher, dass sie.. okay.." Er nickte hastig als er den bohrenden Blick seiner Frau bemerkt und sparte es sich, ihre Aussage zu hinterfragen.
"Aber... das ist doch kein Grund, sich so aufzuregen.. schau.. du kannst ja die Einkäufe erledigen oder was auch immer und wir kümmern uns um neues Gebäck für die Festtage.. das sollte doch kein Problem sein, oder?", schlug er nun vor, ohne wirklich zu wissen, wie man überhaupt mit dem Herd umging. Doch sein Plan zumindest schien aufzugehen, denn die eben noch erzürnte Frau wirkte etwas ruhiger und nickte knapp.
"Gut... aber ich warne dich, wenn ich die Kinder danach ins Sankt Mungo bringen muss, weil sie eine Lebensmittelvergiftung haben, dann ist dein letztes Stündchen gezählt, Arthur Weasley!"

Sie hob noch einmal drohend den Finger, als auch schon eine fertig angezogene Hermine die Küche betrat und fragend zu den Beiden sah. Kurz nach ihr folgten auch Ginny, Harry und Ron. Letzterer fragte auf seine patzige und unverhohlene Weise, ob sie denn nun endlich los könnten. Scheinbar hatten die Kinder schon auf Mrs. Weasley gewartet und waren wegen der Stille nach dem Donnerwetter etwas besorgt um Mr. Weasleys Wohl in die Küche gekommen. Freundlich und wie ausgewechselt nickte Mrs. Weasley den Wartenden nun zu und kam zu ihnen, um dann mit Sack und Pack die wichtigsten Einkäufe zu tätigen.
"Was war das denn für ein Donnerwetter?", kam es mit dem Zuschlagen der Haustür von den Treppen, und die zwei ehemaligen Rumtreiber Remus und Sirius sahen fragend gen Küche.

" Ich glaube Molly nimmt das Ganze zu ernst.. wegen ein paar Keksen gleich so aus der Haut zu fahren..." Ein kurzes Lachen begleitete Sirius′ Aussage und er genehmigte sich einen großen Schluck Kaffee.
"Sieh es mal so, Tatze... sie schuftet wirklich den ganzen Tag, und der ganze Stress mit dem Orden, da kann ich sie schon verstehen", lenkte Remus nun ein und warf seinem Freund einen halbernsten Blick zu. "Und natürlich helfen wir dir, Arthur.. schließlich haben wir an der Vernichtung des Korpus Delikte mitgewirkt", schloss er an, Sirius′ stummen Protest ignorierend. Die drei Männer hatten sich, nachdem Mr. Weasley ihnen erklärt hatte, was los war, an den Esstisch gesetzt und während des Wachwerdens über das morgendliche Ereignis diskutiert.

Mit einem Blick auf die Uhr nickte Mr. Weasley dann schließlich und begann, in den Rezeptbüchern seiner Frau zu kramen, in der Hoffung irgend etwas machbares zu finden, als ihm ein handbeschriebenes und leicht vergilbtes Blatt zwischen die Finger kam. Er betrachtete es einen Augenblick und las dann Laut vor: "Gryffindor Löwenkopf-Plätzchen"
Die Anderen beiden horchten auf und lächelten amüsiert über den Namen.
"Hört sich ja vielversprechend an, mein Guter.. nur ist es auch machbar?", brach schließlich Sirius das Schweigen und wurde mit einem zögernden Nicken belohnt.
"Ja.. ja, hört sich gut an... hier die Zutaten.. schaust du nach, ob wir alles haben, Remus?", meinte Mr. Weasley und begann, aufzuzählen:

Für den Kopf

Mehl 1000g
Zucker 500g
Butter 500g
Mandeln gemahlen 250g
Vanillezucker 2 Päckchen
Zitronenschale Von einer halben Zitrone
Salz 1 Prise

Für die Mähne

Mehl 1000g
Puderzucker 500g
Speisestärke 250g
Butter 600g
Milch 1/4l
Kakaopulver Nach Gefühl

Hilfsmittel

Kessel (oder Rührschüssel) 2
Spritztülle
Backbleche
Backpapier
Nudelholz
Halbmond-Ausstechform
Schokostreusel

Der ehemaliger Lehrer für DADA huschte durch die Küche, suchte genannte Zutaten zusammen und machte Sirius nebenbei klar, dass er sich nützlich machen und zwei Kessel raussuchen sollte. Nach einigen chaotischen Minuten war dann endlich alles zusammengetragen und die drei Männer betrachteten die doch geringe Menge an Utensilien, was sie zuversichtlich stimme, es hinzubekommen.
"Gut... also wir haben alles.. ich würde sagen, Sirius.. du kümmerst dich ums Abmessen. Remus, du machst die Köpfe und ich kümmere mich um die Mähne."
Nachdem also jeder eine Arbeit hatte, ging das geschäftige Treiben endlich los. Während Sirius mit wenigen Zauberstab-Schlenkern die Zutaten in zwei Haufen teilte und das abwog, fingen die anderen beiden mit den Teigen an.

Remus gab zuerst das Mehl, dann den Zucker, die Butter und die Gemahlenen Mandeln in seine Kessel und stellte schnell fest, dass kein Weg daran vorbei führte, Handarbeit zu leisten, da er keinen Zauber zum durchkneten von Teigen kannte. Nachdem er den Teig kurz vermengt hatte, gab er noch die Zitronenschale und den Vanillezucker hinzu und knetete so lange weiter, bis der Teig eine einigermaßen homogene Masse war, allerdings kam ihm das Ganze etwas zu krümelig vor und er warf einen prüfenden Blick ins Rezept, indem tatsächlich vermerkt war, dass zu trockener Teig mit Butter geschmeidiger gemacht werden könne, was er schließlich auch tat. Mr. Weasley hatte es auch schon geschafft, dass die Speisestärke, der Zucker und die Butter zu einer weichen Masse durchgeknetet waren und gab stetig Milch, Kakao und Mehl hinzu und Knetete weiter, bis die Masse cremig und homogen war. Um sicher zu gehen, dass alles richtig war, schaute er noch mal in das Rezept und las nur die Notiz, diesen Teig bei Bedarf mit etwas Milch geschmeidiger zu machen, was aber nicht nötig war. Er betrachtete sein Werk glücklich und nickte zufrieden.

Und während Remus und Sirius die Teige mit einem Flachmachzauber, anstatt der Teigrolle glätteten, ließ Remus die halbmondförmigen Ausstechformen immer wieder in den Teig fliegen und sich in die Luft erheben. Nachdem dies geschafft war, ließen sie die fertigen Monde auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech schweben, auf dem diese sich, mit großzügigem Abstand zueinander, niederlegten. Nun war wieder Arthur dran. Er füllte den hellbraunen Mähnenteig in die gefundene Stofftülle und wollte die Mähnen auf Muggelart, per Hand, um die Monde verteilen, sodass nur die beiden Spitzen der Halbmonde rausragten, was wie ein Paar Ohren wirken sollte. Nur war entweder die Tülle etwas älter, oder Mr. Weasleys Griff etwas ZU fest, denn die Tülle platze nach wenigen Sekunden entlang der Naht auf und der Teig quoll heraus, was die andren Beiden in lautes Gelächter stürzen ließ.

"Wirklich, sehr witzig!", grummelte der Geschädigte den Spottenden entgegen.
"Und was nun?" Er sah die beiden mehr fordernd als fragend an, bis schließlich Remus ein Einfall kam.
"Ganz einfach...", meinte dieser und ließ den Teig aus dem Kessel schweben. Er murmelte etwas vor sich hin und der Klumpen wurde zu einem langen Teigwurm, der etwa einen Zentimeter Durchmesser hatte. Mit kleinen ruckartigen Bewegungen des Zauberstabs teilte sich der Wurm in viele kürzere Würmer, die sich nun um die Kekse schlängelten und den Kragen bildeten. Es sah noch etwas zu dick aus, also drückte er den braunen Teig noch etwas an, sodass eine unregelmäßige, breitere, abgeflachte Mähne entstand. Streng begutachtete er sein Werk, nickte dann aber zufrieden. Nach diesem Beispiel wurde auch der restliche Teil verbraucht.

Sirius ließ, immer wenn ein Blech fertig ′gemähnt′ war, einige Schokostreusel so auf die leere Fläche in der Mitte fliegen, dass es wie ein Gesicht mit zwei Augen und einer Nase aussah. Nachdem er fertig war, ließ er das Blech dann immer im Ofen verschwinden und beobachtete es, da im Rezept nur stand: Bei 200°C ca.15-30 Minuten backen - einfach bis die Ohren hellbraun werden .

Nach nahezu einer Stunde -ihnen kam es vor wie fünf- war endlich der gesamte Teig aufgebraucht und gebacken. Schlaff wie 3 Tropfen Wasser in der Kurve ließen sie sich schließlich auf die Küchenstühle sinken und gönnten sich den zweiten Kaffee für diesen Morgen.
"Das nächste Mal sollten wir uns etwas von außerhalb mitbringen", schlug Remus vor, als er sich streckte.
"Wie wäre es, wenn wir gleich außer Haus Essen gehen würden?", brachte Sirius noch mit ein, und Mr. Weasley nickte zu Beidem nur zustimmend. Nun wussten sie, wieso sie es im Normalfall mieden, die Küchen zu betreten, während gekocht wurde, das war ihr natürlicher Überlebensinstinkt gewesen...

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