Die Geschichte des Fetten Mönches 

Der Fette Mönch, Hausgeist von Hufflepuff

Wir alle haben uns schon einmal gefragt, woher unser freundlicher und stets hilfsbereiter Hausgeist, der Fette Mönch, zu Lebzeiten kam, wie und warum er gestorben ist und wie es ihn nach Hogwarts verschlagen hat.

Ein Schüler der bekannten Schule für Hexerei und Zauberei scheint er, als er noch lebte, nie gewesen zu sein. Auf direkte Fragen nach seiner Vergangenheit reagiert er jedes Mal mit einem stummen Blick, bevor er kommentarlos durch die nächste Wand entschwebt.

Was ist geschehen, dass er nicht über sein Schicksal sprechen will, obwohl er doch sonst immer sehr gesellig und redselig ist?

Diese Frage beschäftigte eine kleine Gruppe von Hufflepuffs, die sich in ihrer Freizeit daran machten, mehr über den Fetten Mönch herauszufinden. Mit Hilfe der Bibliothek von Hogwarts, die einige alte Schriften aus der Zeit beherbergt, in der der Mönch wohl gelebt haben muss, konnte ein wenig Licht in die Dunkelheit gebracht werden.

In einem etwa 500 Jahre alten in Leder gefassten, schmalen Buch fanden die Hufflepuffs handschriftliche Notizen eines jungen Zauberers, der über seine Reise durch ein etwas abgelegenes Gebiet Englands an der Grenze zu Schottland berichtete.

Mit Hilfe von Madam Pince, der Bibliothekarin von Hogwarts, gelang es den Schülern, die in einem sehr altertümlichen und schwer lesbaren Englisch verfassten Zeilen zu entziffern und zu übersetzen.

Die Schüler haben nur den Teil des Buches in dem folgenden Text zusammengefasst, der die Frage nach der Herkunft des Mönches betrifft.

 

 Hier ist der Bericht des jungen Zauberers:

15. Juni 1511, ein einsames Stück Weide mit einem kleinen Wald am westlichen Rand.

Eine Gestalt erweckt meine Aufmerksamkeit: Ein überaus beleibter Mann in einer grob gewebten, braunen Kutte sitzt in mitten der Wiese und singt ein fröhliches Lied. Er scheint nichts um sich herum wahrzunehmen, singt und wiegt sich dabei leicht im Takt.

Der Anblick ist äußerst lächerlich und ich bleibe stehen, um den Mann einen Moment lang zu beobachten.

Plötzlich verstummt er, offensichtlich hat er mich doch bemerkt. Er winkt mir und ruft mir einen Gruß zu. Eine angenehme tiefe Stimme, warm und herzlich. Ein erfreulicher Klang in dieser schweren Zeit.

Ich gehe zu ihm, grüße meinerseits und stelle mich kurz vor. Der Mann, dem Holzkreuz nach zu urteilen, welches er an einer Schnur um den Hals trägt, ein Mönch, lädt mich mit einer Handbewegung ein, bei ihm Platz zu nehmen und einen Moment zu rasten.

„Man nennt mich Bruder Laurentio vom Kloster des Heiligen Nepomuk“ erzählt er mir. Er ist eine sehr sympathische Erscheinung und wir kommen schnell ins Gespräch.

Zwar begegne ich ihm zur Sicherheit mit etwas Misstrauen, da er ein Muggel ist. Und er gehört dieser Religion an, die vorgibt, Frieden und die Einigkeit und Gleichheit der Menschen zu wollen, gleichzeitig aber alle, die einen anderen Glauben haben, oder wie wir der Magie mächtig sind, aufs brutalste verfolgt und tötet, wo immer es geht. Doch hat er für eben einen solchen Muggel sehr vernünftige und aufgeschlossene Ansichten.

Die Zeit vergeht und es dämmert. Um weiter zu reisen ist es zu spät. Da der nächste Ort nach den Worten des Mönches etwa 2 Stunden strammen Fußmarsches entfernt ist, beschließen wir, die Nacht gleich hier zu verbringen.

Der Mönch hat ein wenig Brot und eine Ziegenblase voll Wein dabei. Ich kann etwas Pökelfleisch beisteuern, so dass wir beide satt werden. Wir reden noch bis tief in die Nacht hinein, bevor wir uns zur Ruhe begeben.

 

16. Juni 1511, wieder auf dem Weg.

Nach einer erholsamen Nacht und einem kargen Frühstück verabschiedet sich Bruder Laurentio von mir und macht sich auf den Weg in den nächsten Ort.

Ich bedaure sein Fortgehen etwas, hatte ich die Gesellschaft doch als sehr angenehm empfunden. Leider liegt mein Ziel in einer anderen Richtung.

Der Fußmarsch ist lang und ereignislos, wenigstens ist die Landschaft ein erfreulicher Anblick. Es ist schon Nachmittag, als ich ein winziges Nest erreiche.

So klein dieser Ort auch ist, er hat doch ein Gasthaus. Der Wirt ist ein ungewaschener, muffeliger und zahnloser alter Mann, aber das Zimmer, das er mir zeigt ist gemütlich und die Aussicht, einmal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen ist sehr verlockend.

Ich esse etwas und begebe mich dann zur Ruhe, meine Gedanken bei dem Mönch. Was er wohl gerade macht?

Mitten in der Nacht erwache ich durch laute Rufe und Schreie. Draußen sind Menschen mit Fackeln unterwegs, ich denke sofort an einen Aufstand. Schnell kleide ich mich an und begebe mich vor das Gasthaus, den Zauberstab verborgen unter meinem Reiseumhang aber griffbereit.

Eine Gruppe von Männern zerrt zwei offenbar gefesselte Gestalten die Strasse entlang. Das ganze Dorf scheint mittlerweile auf den Beinen zu sein. Die Szene wirkt im Schein der Fackeln gespenstisch.

Als die Gruppe mit den Gefangenen näher kommt, erkenne ich, dass es sich um eine junge Frau und einen ebenso jungen Mann handelt, beide fast noch Kinder. Sie sind gefesselt und wurden offensichtlich geschlagen und misshandelt. Beiden klebt Blut im Gesicht, die Kleidung ist zerfetzt, sie sind zu Tode verängstigt.

Mir ist sofort klar, was dieser Auftritt zu bedeuten hat: Gleich würde jemand die beiden Gefangenen der Hexerei bezichtigen und die Menge würde sie entweder ertränken, erschlagen oder verbrennen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass die beiden vielleicht schuldlos sein könnten… Zu oft geschieht solch Unrecht in der letzten Zeit.

Die beiden jungen Gefangenen sind Muggel, da besteht kein Zweifel. Ich frage mich voll Wut, was sie wohl getan haben müssen, um der Hexerei angeklagt zu werden. Voll Wut über die Dummheit und Falschheit der Menschen, die im Namen ihres Gottes andere Menschen quälen und töten, meist aus nichtigen Gründen, oft völlig grundlos…

Es drängt mich, etwas zu tun, doch bin ich ob der aufgebrachten Menschenmenge machtlos.

Ich könnte einen großen Teil von ihnen mit einem Schockzauber lähmen, jedoch nicht alle. Sie würden mich überwältigen und dann müsste ich das Schicksal der beiden Unglücklichen teilen.

Ich entschließe mich, die Szene zu beobachten und auf einen günstigen Moment zu warten, um einzugreifen. Ich würde eingreifen, das war sicher. Zu viele Menschen sind bereits durch den Wahn, die Angst und die Dummheit gestorben.

Ich hatte erlebt, wie eine der Hexerei bezichtigte Muggelfrau mit Steinen beschwert in einen Fluss geworfen wurde. Man hatte es eine „Hexenprüfung“ genannt. Ging die Frau unter und ertrank, war sie ein Mensch und ihre Unschuld bewiesen. Schwamm sie trotz der Steine auf dem Wasser, war sie eine Hexe und wurde bei lebendigem Leibe verbrannt. So oder so war sie dem Tod geweiht. Eine abstoßende und verachtenswerte Praxis.

Mittlerweile hat sich die Dorfbevölkerung auf dem großen Platz versammelt, der den Kern des Ortes bildet. Die Gefangenen werden in die Mitte geschleift, die Häscher bilden einen Kreis um sie. Der Anblick der beiden geschundenen Gestalten dauert mich zutiefst, ich spüre unbändigen Zorn in mir hochkochen, unterdrücke diesen aber, da ich nach wie vor nichts tun kann.

Die aufgebrachte Menge verstummt allmählich und ein brutal aussehender, muskulöser Mann erhebt seine Stimme. „Wir haben diese beiden im Wald gefunden, wo sie der Wollust frönten.“ tönt er. „Sie ist eine Hexe, er steht unter ihrem Bann, es besteht keine Hoffnung mehr für ihn.“

Die übliche dumme Anklage. Wenn man mir nicht die Ehrfurcht vor dem Leben und der Gesundheit meiner Mitmenschen, egal ob Zauberer oder Muggel, beigebracht hätte, ich würde Feuer und Verderben über diesen Pöbel regnen lassen! Ein junges verliebtes Paar wurde bei Zärtlichkeiten erwischt und sollte jetzt dafür sterben. Und da Liebe kein Verbrechen darstellt, macht man die beiden eben zu Hexe und Verdammten, um den Vorwand zu haben, sie bestialisch zu ermorden.

Ich überlege fieberhaft, was ich tun kann, um die beiden zu retten, während einige der Dorfbewohner Holz herbeischaffen, um offensichtlich einen Scheiterhaufen zu errichten. Der brutal aussehende Mann hetzt derweil lautstark über die Anhänger Satans und die Verwerflichkeit all ihres Tuns. Wie ich diesen Schlag Menschen hasse!

Der junge Mann liegt derweil mit dem Gesicht auf dem Boden und weint offenbar. Die Frau erscheint starr vor Angst, sie sitzt halb aufrecht und blickt aus glasigen Augen ins Nichts.

Die Menge hat jetzt zwei Pfähle errichtet und Holz darum aufgetürmt. Die beiden Delinquenten werden unsanft gepackt und aufrecht an die Pfähle gebunden.

Die Zeit drängt, ich muss etwas unternehmen, doch was? Ich bin allein und kein sehr mächtiger Zauberer, meine Ausbildung liegt es kurze Zeit hinter mir. Ich müsste es mit gut vierzig Dorfbewohnern aufnehmen, darunter einige sehr kräftig und gewalttätig aussehende Männer. Ich merke, wie sich Verzweiflung in mir regt.

Ich könnte versuchen, mit den Dörflern zu reden… Aber nein, spräche ich mich für die beiden jungen Leute aus, würde auch ich auf dem Scheiterhaufen landen. Sicher könnte ich mir in dieser Situation helfen, aber für die beiden käme die Hilfe zu spät. Was tun?

Der Geschwindigkeit nach zu schließen, in der die Dorfbewohner das Brennmaterial heranschaffen und die Scheiterhaufen errichten, ist es nicht das erstemal, dass so etwas hier stattfindet. Wie viele Unschuldige wurden hier schon ermordet?

Die Dörfler scheinen ihr Werk vollendet zu haben, denn jetzt ziehen sie sich zurück, um zwei Männern mit Fackeln Platz zu machen, die sich jeder an einen der Haufen wenden.

Sie sind im Begriff, Feuer an das Holz zu legen, ich bin kurz davor, alle Vorsicht fahren zu lassen und habe schon die Hand an meinem Zauberstab, als eine mir bekannte Stimme ertönt:

„Haltet ein! Macht Platz für einen Mann Gottes!“

Mein Freund, der Mönch, tritt aus der Dunkelheit in die Mitte des Platzes. Was hat er vor?

Ich habe eine Eingebung, dass vielleicht gleich der richtige Zeitpunkt sein wird, einzugreifen. Die Vorstellung, dass der Mönch dieses Treiben gut heissen könnte, oder sonst irgendwie unterstützen würde, erscheint mir absurd. Ich verfüge über eine recht gute Menschenkenntnis und ich weiß, Bruder Laurentio ist ein guter Mann.

Die Menge wartet gespannt auf das, was der Mönch zu sagen hat. Wäre er kein Vertreter ihrer Glaubensrichtung, würden sie ihm sicherlich kein Gehör schenken, im Gegenteil, er würde sicherlich verdächtigt werden, etwas mit den Angeklagten zu tun zu haben…

„Wessen klagt ihr diese beiden an?“ fragt er mit ruhiger Stimme. Der brutal aussehende Mann berichtet in kurzen Worten, unter welchen Umständen die jungen Leute gefunden wurden und erklärt dann voll Überzeugung, sie müssen sterben, weil sie mit dem Teufel im Bunde stünden.

Der Mönch scheint kurz zu überlegen. Was hat er vor? Ich bin mir fast sicher, dass er sich für die beiden Unglücklichen einsetzen wird, allerdings bezweifle ich, dass er mehr Erfolg haben würde als ich… Zumindest würden sie ihn, im Gegensatz zu mir, nicht gleich mit verbrennen. Nun, das vermute ich zumindest…

„Wenn sie denn der Hexerei schuldig sind, so bleibt uns nichts anderes, als sie Gottes Gnade zu überlassen. Doch als gute Christen sollten wir ihnen Gelegenheit geben, ihre Sünden zu beichten und Absolution zu erhalten, bevor wir sie den Flammen überantworten.“

In Murren geht durch die Menge, offensichtlich würden sie die beiden lieber gleich brennen sehen. Doch scheinen die Dorfbewohner Respekt vor Bruder Laurentio zu haben und so erhebt niemand lauten Einwand.

Der Mönch geht jetzt zu den beiden Gefesselten, einige Dorfbewohner drängen näher, doch er schickt sie sanft, aber unmissverständlich einige Meter zurück. Eine fiebrige Erregung der Menschen ist zu spüren. Sie können es kaum erwarten, die Beschuldigten unter Qualen verbrennen zu sehen. Es ist widerlich, ich spüre, wie Übelkeit in mir hoch kriecht.

Bruder Laurentio spricht leise mit den beiden, er schafft es, die Aufmerksamkeit der jungen Frau zu erregen, sie sieht ihn jetzt mit tränenverschmierten Augen an. Er spricht eindringlich mit ihr, die Worte sind nicht zu hören, er ist zu weit entfernt. Die Frau reißt überrascht die Augen auf, der Mönch muss etwas gesagt haben, mit dem sie nicht gerechnet hat…

Ich frage mich, ob außer mir noch jemand bemerkt, dass Bruder Laurentio keineswegs eine Beichte abzunehmen scheint. Ich habe den Eindruck, er gibt der jungen Frau Anweisungen. Was wird er tun? Was kann ich tun? Ich merke, wie sich mein Körper verspannt, ich bin bereit, jede sich bietende Chance zu nutzen und einzugreifen.

Der Gesichtsausdruck der jungen Frau wird plötzlich entschlossen. Sie hebt den Kopf und beginnt unverständliche Worte zu sprechen. Der Mönch weicht zurück, einen Ausdruck des Entsetzens auf dem Gesicht. „Weicht zurück, der Unheilige ist im Begriff zu erscheinen, wehe uns, oh mein Gott!“ Die Menge gerät in Aufruhr, die Frau spricht weiter Worte in einer mir gänzlich unbekannten Sprache, der Mönch erhebt seine Arme und treibt die Schaulustigen zurück. „Weichet, ER kommt und wird uns vernichten, wenn wir nicht sofort fliehen! Lasst die beiden Kreaturen der Hölle, ER wird gleich hier sein, Allmächtiger steh uns bei!“

Dies ist meine Chance. Der Einfall von Bruder Laurentio ist gleichermaßen genial wie dumm, offensichtlich versucht er, eine Panik auszulösen und damit die Menge zu zerstreuen, was auch Erfolg zu haben scheint. Einige der Dorfbewohner drehen sich um und laufen weg.

Aber längst nicht alle lassen sich von der Hysterie anstecken. Wenn nicht in den nächsten Sekunden etwas passiert, durchschauen sie dieList wahrscheinlich und dann ist das Schicksal meines Freundes und der Gefangenen besiegelt.

Ich weiche etwas in den Schatten zurück, ziehe meinen Zauberstab hervor und spreche die Formel für eine heftige Windböe. Der Erfolg ist überwältigend. Gut die Hälfte der verbliebenen Dörfler schreit auf und flieht in wilder Panik. Ich erzeuge mit einer weiteren Formel und der dazugehörenden Bewegung mit dem Zauberstab Blitz und Donner, es ist perfekt.

Niemand achtet mehr auf den Mönch und die Gefangenen. Bruder Laurentio macht sich gerade an den Fesseln der beiden zu schaffen, ich versuche, die Angst der Menschen um mich herum noch zu steigern. Die beiden jungen Leute sind mittlerweile frei, ich sehe, wie der Mönch sie in Richtung Osten schickt. Niemand um mich herum bekommt davon etwas mit, die Verwirrung ist perfekt. „Flieht, lauft um Euer Leben!“ ruft der Mönch. Die Dorfbewohner beziehen das auf sich, nur ich scheine zu bemerken, dass er die beiden Befreiten damit meint.

Diese sind in der Zwischenzeit außer Sichtweite. Ich hoffe, die Flucht gelingt ihnen auf lange Sicht. Die Dorfbewohner sind allesamt in kopfloser Flucht verschwunden. Ich beschwöre ein letztes Mal Blitz und Donner herauf, als ich bemerke, dass ich im Licht einer fallengelassenen Fackel deutlich zu sehen bin.

Bruder Laurentio sieht mich mit offenem Mund und unübersehbar entsetzt an. Er erkennt, was ich getan habe, was ich tue, und er kann es nicht fassen. Ich rufe ihm zu, er solle ebenfalls fliehen, doch er steht da, starr vor Schreck und starrt mich einfach weiterhin an. Er ist bestürzt und verstört, aber ich kann kein Anzeichen von Angst sehen. Dies beruhigt mich etwas, wäre es doch belastend für mich, wenn er mich fürchtete.

Alles in mir drängt zur Flucht, aber ich kann ihn nichts einfach so stehen lassen. Mir dämmert, dass ich mich in großer Gefahr befinde, genau wie mein Freund, aber statt zu reagieren bleibe ich wie gelähmt stehen.

Zu lange.

Ein gellender Schrei ertönt und eine dunkle, massige Gestalt stürzt auf mich zu. Ich laufe auf den Mönch zu, die Gestalt hinter mir. Es ist der brutal aussehende Mann, der Anfangs das Wort führte. Er hat eine gefährlich aussehende Eisenkeule in beiden Händen und schlägt nach mir.

Ich stolpere, falle und lasse meinen Zauberstab fallen, höre, wie die Luft direkt neben meinem Kopf von etwas Schwerem und Schnellem zerteilt wird und vernehme dann ein hässliches, knirschendes Geräusch und ein ersticktes Aufstöhnen.

Durch mein Stolpern ging der Schlag des Mannes mit der Keule fehl und traf statt dessen Bruder Laurentio seitlich am Kopf. Ich sehe die zusammengesackte Gestalt meines Freundes am Boden liegen, eine sich ausbreitende Lache frischen Blutes um seinen Kopf.

Der Keulenschläger hält kurz inne, entsetzt über seine Tat, denkt er doch wohl, er habe einen Diener seines Gottes getötet, statt des Hexers, auf den er eigentlich gezielt hatte.

Dieser kurze Moment der Verwirrung reicht mir, um wieder auf die Füße zu kommen und meinen Zauberstab zu greifen. Mit einem Schockzauber werfe ich den Mann einige Meter von mir, wo er bewegungslos liegen bleibt.

Ich stürze sofort zum Körper des Mönches, schon wissend, dass es zu spät ist. Er ist tot.

Wie betäubt raffe ich mich auf und laufe davon, nicht wissend, in welche Richtung ich mich wende, ohne Ziel, nur weg von diesem Ort des Grauens.

 

18. Juni 1511, ich weiß nicht, wo ich bin, aber es ist weit von dem Ort entfernt, an dem Bruder Laurentio starb.

Ich fühle mich, als stehe ich neben mir selbst. Auch zwei Tage nach dem schrecklichen Erlebnis hat sich noch kein Gefühl der Realität eingestellt. Ich frage mich, ob dies wirklich geschehen ist.

Dazu kommen immer stärker werdende, nagende Schuldgefühle. Bin ich letztlich der Grund, warum der Mönch sterben musste?

Er erstarrte bei meinem Anblick. Was, wenn ich vorsichtiger gewesen wäre und mich weiter im Verborgenen gehalten hätte? Er hätte weglaufen können. Der Mörder wollte mich töten, nicht Bruder Laurentio. Sicherlich hätte er ihm nichts getan, daran glaube ich zumindest.

Was, wenn ich nicht auf ihn zugelaufen wäre? Ich wollte ihn bewegen, ihn zur Flucht treiben. Stattdessen tötete ihn der Schlag mit der Keule, der eigentlich mir gegolten hatte.

Bruder Laurentio war ein guter Mensch, ein mutiger Mensch. Er konnte nicht wissen, dass er bei seinem Plan, die Gefangenen zu befreien, Unterstützung erhalten würde. Trotzdem zögerte er nicht. Jetzt hatten ihn meine Fehler und meine Unachtsamkeit das Leben gekostet. Diese Schuld wiegt schwer, sehr schwer und ich drohe, daran zu zerbrechen.

 

20. Juni1511, noch immer weiß ich nicht, wo ich mich befinde.

Ich muss Tag und Nacht an Bruder Laurentio denken. An das, was ich getan habe und an das, was ich hätte tun können. Ich weiß, dass es niemandem nutzt, sich derart zu quälen, aber ich kann nichts dagegen tun.

In den letzten beiden Nächten hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden, doch als ich nachsah, war niemand in der Nähe. Ich frage mich, ob ich verrückt werde.

 

25. Juni 1511, auf einem breiten Weg, der wohl in eine Stadt oder ein großes Dorf führt

Ich habe seit Tagen niemanden getroffen. Es geht mir ein wenig besser, aber die Schuldgefühle ziehen mich immer weiter zu Boden. Ich habe beschlossen, meine alte Schule aufzusuchen, um dort mit meinem Freund und Lehrer Corran Cantwell zu reden. Er weiß sicher Rat und kann mir helfen, mit dem Geschehenen fertig zuwerden.

Es dämmert, ich beschliesse , die Nacht ein paar Meter neben der Straße zu verbringen. Es ist warm, ich bin müde und schlafe recht schnell ein.

Mitten in der Nacht weckt mich ein Geräusch. Jemand spricht!

Ich schrecke hoch, sehe mich um und versuche, vor Schreck aufzuschreien, aber kein Laut kommt über meine Lippen. Etwa zwei Meter von mir entfernt sitzt Bruder Laurentio und sieht mich an.

Das ist ein Traum. Es muss ein Traum sein. Oder der Wahnsinn hat mich eingeholt.

„Habt kein Angst, ich tue Euch nichts und ich hege auch keinen Groll gegen Euch“ sagt Burder Laurentio. Erst jetzt nehme ich wahr, dass er nicht aus Fleisch und Blut sondern eher aus Nebel zu bestehen scheint.

Mir dämmert, dass es sich um den Geist des Mönches handeln muss. Geister sind keineswegs eine Erfindung der Fantasie, wie Muggel es immer wieder gerne behaupten, freilich ohne daran uneingeschränkt zu glauben… An meiner Schule gab es einige Geister, sie gehörten zum nächtlichen Erscheinungsbild, niemand störte sich an ihnen.

„Seid Ihr ein Geist?“ frage ich und weiß die Antwort doch schon. „Ja, ich bin Euch gefolgt, weil ich sah, dass Ihr Euch quält. Ich konnte nicht früher mit Euch Kontakt aufnehmen, da ich mich erst mit meiner neuen Form des Daseins auseinandersetzen musste…“

Ich sprudele Entschuldigungen, Erklärungen und wieder Entschuldigungen heraus, nicht wissend, ob es überhaupt einen Sinn hat. Ich hoffe, ich kann dieses tiefe Gefühl der Verzweiflung und der Schuld etwas lindern, indem ich erkläre, was passiert ist. Wobei ich nicht sicher weiß, was tatsächlich passiert ist, es ist nach wie vor alles unwirklich.

Bruder Laurentio unterbricht schließlich meinen Redefluss.

„Ihr tragt keine Schuld, grämt Euch nicht. Ohne Euer Eingreifen wäre meine List niemals erfolgreich gewesen, das erkannte ich in dem Moment, als ich begann, meine Warnungen zu rufen. Ich war überrascht ob des plötzlich aufkommenden Wetters und hielt es für einen Moment für eine göttliche Intervention. Dann sah ich Euch dastehen, mit diesem Stab in der Hand und etwas murmelnd, und ich wusste, Ihr seid der Auslöser dieser willkommenen Ablenkung.

Leider war ich nicht auf den Anblick eines Hexenmeisters gefasst, so dass ich mich für einen Moment nicht mehr bewegen konnte. Ich sah uch auf mich zulaufen, wusste, Ihr wolltet mir helfen, die Erstarrung zu überwinden, doch dann kam der Schlag und alles wurde schwarz.

Als ich zu mir kam, sah ich meinen Körper in einer Lache aus Blut liegen, den Mörder etwas abseits bewusstlos und Ihr ward verschwunden.

Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, was geschehen war. Dann dachte ich an Euch und machte mich auf die Suche.

Ich bemerkte Eure Pein und blieb bei Euch. Jetzt kann ich mit Euch sprechen und Euch sagen, es war Schicksal. Wir haben gemeinsam zwei unschuldige Leben gerettet, dafür erscheint mir mein Tod als nicht allzu hoher Preis. Glaubt mir, ich meine das so, wie ich es sage…“

Erleichterung, zumindest ein wenig stellt sich ein. Ich kann Bruder Laurentio sagen, wie sehr es mir leid tut, was geschehen ist, auch wenn ihn das nicht wieder lebendig macht. Ich fühle ein wenig Last von mir abfallen.

„Dass Ihr ein Hexer seid, ist mir klar. Ich dachte eigentlich nie, dass es solche Wesen wie Euch tatsächlich gibt, wenn ich ehrlich bin. Ich habe die Verfolgung dieser armen Menschen immer zutiefst verabscheut, ist sie doch so überhaupt nicht mit meinem Glauben vereinbar. Es war offensichtlich, dass es bei den meisten Anschuldigungen nur um Neid, Habgier, Eifersucht oder sonstige niedere Gründe ging. Ein paar Menschen wurden nur so zum Vergnügen abgeschlachtet. Ich musste diesmal eingreifen und ich bin glücklich, dass es erfolgreich war.

Eines nur bedaure ich. Ich hätte gern mehr über Euch Hexer erfahren. Ihr seid ein guter Mensch, das spüre ich. Keine Ausgeburt der Hölle, wie uns immer Glauben gemacht wurde. Es wäre schön gewesen, von Euch zu lernen, uns auszutauschen…

Ich weiß nicht, wie meine weitere Existenz aussieht. Wohin ich gehen soll. Ich bin ein geselliger Mensch, vielmehr ich war einer…“ Der Mönch senkt traurig den Blick

Ein Gedanke reift in mir, eine Möglichkeit, meinem toten Freund etwas Gutes zu tun.

„Kommt mit mir! Ich bringe Euch an eine Ort, wo ihr bleiben könnt und wo Ihr Gesellschaft habt. In meiner alten Schule ist sicherlich ein Platz für Euch. Dort gibt es andere Geister und Ihr könnt alles, was Ihr wollt über die Welt der Hexen und Zauberer lernen.“ Sage ich ohne weiter darüber nachzudenken.

Die Miene des Mönches hellt sich auf.“ Das klingt verlockend, lasst uns an diesen Ort gehen!“

„Vielleicht kann ich so einen Teil meiner schweren Schuld wieder gut machen…Was werden meine Freunde sagen, wenn sie erfahren, was ich getan habe…?“ merke ich an. „Lasst die düsteren Gedanken ruhen, es ist geschehen und es ist nicht Eure Schuld. Niemand wird je von mir erfahren, wie sich die Geschichte zugetragen hat, das verspreche ich Euch…“ erwidert der Mönch.

So ist es beschlossen. Ich werde Bruder Laurentio zu meiner alten Schule geleiten und mich dort dafür einsetzen, dass er bleiben kann…

 

Hier endet der Text des jungen Zauberers und lässt damit einige Fragen offen. Handelt es sich bei dem beschriebenen Mönch wirklich um den Hausgeist von Hufflepuff? Wer war der  Zauberer und was wurde aus ihm?

Leider wird sich das nach dem momentanen Stand der Informationen nicht klären lassen, zumal sich unser Geist zu diesem Thema nach wie vor ausschweigt.

Die an diesem Bericht beteiligten Hufflepuff-Schüler werden der Sache weiter nachgehen und den Text ergänzen, sobald neue Erkenntnisse vorliegen