Das Diebische Netz

veröffentlicht am 30.11.2008

geschrieben von Beverly(Gryffindor)

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Wie Verbrecher das Flohnetzwerk für sich nutzen

Flohnetzwerkpiraterie. Dieses Wort geistert seit einigen Wochen durch die Gänge europäischer Zaubereiministerien.
London, Paris, Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel, Wien, Madrid und Berlin. In jeder dieser Städte gingen in der vergangenen Zeit dutzende von Anzeigen ein. Immer gegen Unbekannt und jedes Mal wurden wertvolle Gegenstände bei einer Reise von Kamin zu Kamin entwendet. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, wie lange man sich im Flohnetzwerk aufhält oder mit wie vielen Personen man unterwegs ist.
Betroffene Personen bekommen vom Entwenden ihrer Wertsachen kaum etwas mit und können nur ungenaue Angaben machen. Die Ermittler tappen weiterhin im Dunklen, in mehreren Ländern wurden bereits Sondereinsatzkommandos ins Leben gerufen. Ministeriumsangstellte aus Berlin entwarfen kurzerhand mehrere Plakate und Informationsbroschüren für den sicheren Umgang im Flohnetzwerk. Seit heute Morgen werden diese als landesweite Postwurfsendungen, von hunderten Eulen, und in Form von Handzetteln durch freiwillige Helfer in jeder großen Stadt des Landes verteilt.
Das Reisen im Flohnetzwerk ist Politikern und höheren Staatsangestellten nur noch mit Begleitschutz und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erlaubt. Es wäre nicht auszudenken, was alles passieren könnte, wenn wichtige Behördenunterlagen in falsche Hände gerieten. Das Ein- und Austreten solcher Personen wird nun noch genauer kontrolliert. Hält sich ein Mitarbeiter zu lange darin auf, wird dieser sofort auf fehlende Gegenstände durchsucht. Dies ist allerdings nur mit einer vorherigen Bestandsaufnahme aller sich an der Person befindlichen Dinge möglich.
Es wird bereits überlegt, allen Personen der Zauberwelt das Reisen im Flohnetzwerk vorübergehend zu untersagen. Theoretisch wäre dies möglich. Das Ministerium müsste nur alle sich im Land befindlichen Kamine vom Netzwerk nehmen. So hätte kein Außenstehender mehr Zugriff. Kritiker vermuten, dass unsere hochrangigen Politiker auf den Gedanken kommen könnten, das Verreisen im Flohnetzwerk nur noch Staatsangestellten zu ermöglichen. Dies wäre zwar eine sehr sichere Methode Dokumente unserer Behörden zu versenden, aber gleichzeitig eine erhebliche Einschränkung für den Rest der Bevölkerung.
Fest steht, dass es unserer Regierung derzeit nicht möglich ist, jede Hexe und jeden Zauberer im Flohnetzwerk zu schützen, wenn es ihnen nicht einmal gelingt, ihre eigenen Leute sicher hindurch zu geleiten.

Es ist zu vermuten, dass nicht nur eine Diebesbande im Netzwerk unterwegs ist, sondern dass die neuesten Vorfälle erst den Anfang neuer Verbrechen darstellen. Es ist unrealistisch zu denken, dass man alle Täter fassen wird, dass jeder seine entwendeten Wertgegenstände zurückbekommt und noch unrealistischer ist die Vorstellung, dass wir je auf das Reisen durch die Kamine verzichten könnten.

Es scheint an der Zeit zu sein, neue Reisemöglichkeiten zu erforschen oder die bisherigen durch Innovation sicherer zu machen. Wir werden sehen.

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