Tourtagebuch der Schicksalsschwestern: Birmingham

veröffentlicht am 31.10.2007

geschrieben von sonnenschein9(Gryffindor)
Bilder von sonnenschein9(Gryffindor)

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Birmingham



So, da bin ich wieder.
Frisch und fröhlich wie immer, aufgeweckt, und bereit euch die neuesten, brisantesten Informationen über die Tour der Schicksalsschwestern zu liefern. Ja, ich sehe eure Augen glänzen, spüre schon die erwartungsvolle Hitze, die euch alle überkommt, höre fast die verzweifelten Schreie, dass ich doch endlich anfangen möge... Nun gut.

Heute morgen, man könnte fast schon sagen gestern Nacht, hielt der Tourbus der Schicksalsschwestern vor der ‚New Street Station’, einem der größten Bahnhöfe Großbritanniens. Es war noch dunkel. Myron hüpfte fröhlich aus dem Bus, offenbar hatte er keinen Kater.
Heute trug er ein Hawaiihemd auf dem grellbunte Lilien zu sehen waren und dazu eine, für seine Verhältnisse, dezente grasgrüne Schlaghose.
Ich konnte mir ein Stöhnen nur schwer verkneifen. Schließlich waren wir schon einmal mit dem Ministerium in Konflikt geraten. Aber Myron schien daraus nichts gelernt zu haben. Egal.
Nachdem alle unter Stöhnen ausgestiegen waren, wurden die Sehzäpfchen meiner Augen fast gelähmt durch ein Feuerwerk bunt gemischter knalliger Farben. Grün, Pink, Türkis, Blau, ...
Als ich meine sonstige Umgebung wieder ohne bunte Punkte wahrnahm, machten wir uns auf den Weg, um ein anständiges Restaurant zu finden.
Ich war begeistert von den zahlreichen Theatern und Kunstgalerien an denen wir vorbeikamen. Ihr wisst schon, diese Gebäude in denen die Muggel gezwungen werden, sich auf einer Bühne selbst lächerlich zu machen, oder sich kaputte Bilder anschauen zu müssen, bei denen sich die Personen nicht mehr bewegen.
Nach ein paar hundert Metern Fußmarsch, fanden wir ein kleines Lokal, das so verrückt wirkte, dass selbst Myron dort nicht auffallen würde.
Nach einem ausgiebigen Frühstück, mit allem was das Künstlerherz begehrte, wollte die Band, aus einem unerfindlichen Grund, zurück zum Bus.
Dort angekommen, verschwanden sie eine Weile darin und kamen mich fröhlich angrinsend wieder heraus.
Ich staunte. Alle Acht trugen Kapuzenpullis und Jeans und sahen aus wie stinknormale Muggel.
,,Du hattest wohl schon Angst, wir würden am helllichten Tag so herumlaufen, was?’’, lachte Merton, ,,Nee, das tu ich mir nicht noch mal an!’’. Ich grinste erleichtert.
Jetzt konnten wir uns auf den Weg zu einem Rundgang durch die Stadt machen. Ich hatte mich schon ein bisschen schlau gemacht.
Birmingham wird oft Brum genannt (abgeleitet vom alten Namen Brummagem), und dessen Einwohner Brummies. Sie ist, nach London, die zweitgrößte Stadt in England und zählt knapp eine Million Einwohner. Hier entwickelte sich der Heavy Metal und es wurde der erste funktionstüchtige Synthesizer entwickelt.
Vielleicht kennen manche von euch J. R. R. Tolkien?!
Für alle, die ihn nicht kennen: Er ist ein Muggel-Autor, der Bücher über eine ziemlich abstruse Zauberwelt schreibt. Da sieht man mal wieder wie wenig Ahnung die Muggel haben.
Auf jeden Fall verbrachte Tolkien den größten Teil seiner Kindheit in Birmingham.
So, nun aber genug davon.
Schließlich kamen wir am ‚Birmingham Museum & Art Gallery’ vorbei und an den ‚Birmingham Botanical Gardens’. Allerdings sagte Barbary er hätte Kräuterkunde schon in der Schule gehasst und so gingen wir schnell weiter.
Als wir am ‚National Sealife Center’, einem riesigen Süß- und Salzwasseraquarium, vorbeikamen, waren die Schicksalsschwestern total begeistert und wollten unbedingt hinein.
Ich sagte, kein erwachsener Muggel würde dort freiwillig ohne Kinder hineingehen, aber sie erwiderten nur, sie seien keine erwachsenen Muggel, und ließen sich nicht davon abbringen. Also verbrachten wir den Nachmittag im Sealife Center, wo die Bandmitglieder viel Spaß hatten.
Sie fanden es total komisch, dass Muggel Fische in Glasbehältern halten und klopften wie wild an die Scheiben. Ich musste immer total aufpassen, dass sie dabei niemand sah. Manchmal fühle ich mich echt wie ihr Babysitter.
Wir aßen noch im hauseigenen Restaurant zu Mittag und machten uns dann langsam wieder auf den Weg zurück.
Es war schon ziemlich spät als, wir zurück zum Bahnhof kamen, wo wir in den Tourbus stiegen und uns auf den Weg in die Zauberwelt von Birmingham machten. Wir nahmen eine Abfahrt, die durch zahlreiche Zauber geschützt war, so dass kein Muggel dort abfuhr.
Schon waren wir in einer ganz anderen Welt voller Zauberer und Hexen und vor allem jungen Hexen, die kreischend versuchten den Bus einzuholen.
Als wir vor der großen Konzerthalle ausstiegen, hatten die Acht natürlich wieder ihr ‚normales’ Outfit angezogen. Ich hätte es wissen müssen.
Devin Ryan war ziemlich missgelaunt aufgrund unseres späten Ankommens und bugsierte die Band von der Straße und den kreischenden Mädchen weg, direkt hinter die Bühne.
Es war tatsächlich schon 6 Uhr! Ich hatte keine Lust mir auszurechnen wie viel Zeit wir damit verbracht hatten, Fische hinter Glasscheiben anzuglotzen.
Ich wurde Zeuge einer unschönen Auseinandersetzung zwischen Devin und den Bandmitgliedern, die ihre Verspätung doch tatsächlich mit dem Sealife-Besuch entschuldigten.
Jetzt mal ganz im Ernst, in diesem Fall hätten sie doch nun wirklich nicht bei der Wahrheit bleiben müssen!
Na ja, schnell machte ich mich auf den Weg in den Konzertsaal.
Noch eine ganze Stunde bis zum Einlass.
Ich vertrieb mir die Zeit damit, den aufgeregt murmelnden und ab und zu ,,Myron ich liebe dich!’’ kreischenden Hexen vor der Tür zuzuhören und mir auszumalen, wie blass sie vor Neid wären wenn sie wüssten, dass ich schon längst im Saal war.
Im Hintergrund hörte ich wie die Band noch einmal schnell und leise ein paar Lieder durchspielte.
Dann war Einlass.
Das zuvor so leise Murmeln schwoll mindestens um das Doppelte an und wurde zu aufgeregtem Kichern. Ich holte ein Geschenk von Myron aus der Tasche. Es waren sogenannte ‚Musikstöpsel’, die alle Nebengeräusche abstellten, so dass man nur die Band hörte. Noch war es nicht nötig sie zu benutzen, aber ich wusste, dass sich das bald ändern würde.
Das Licht ging aus und es schien als hätte man auch die Stimmen abgestellt.
Magischer Nebel waberte von der Bühne und ein paar bunt leuchtende Feen schwebten übers Publikum.
Dann kamen die Schicksalsschwestern alle gleichzeitig auf die Bühne gestürmt und mit der Stille war es schlagartig vorbei. Das Kreischen von Tausenden von Hexenmädchen drang an meine Ohren und schnell steckte ich mir die Musikstöpsel hinein.
Ruhe, wunderbare Ruhe. Ich behielt die Stöpsel eine Minute drin, merkte dann aber, dass meine Stimmung gleich Null war. Nur mit Mädchengekreische und mit Nebengeräuschen, fühlte man sich in der Stimmung zum Abrocken.
Ich riss mir die Stöpsel aus den Ohren und hörte gerade noch, wie das Gekreische langsam verstummte. Dann begannen sie zu spielen. Erst spielte Barbary ein paar Akkorde und schon nach dem ersten Takt war klar: Heute würden sie mit ‚Do the Hippogriff’ anfangen. Anscheinend hatten sie vor, den Saal schon am Anfang zum Kochen zu bringen und ihn dann mit ein paar ruhigeren Liedern in eine Art Trance zu versetzen. Die am Anfang noch harmlos und weich klingenden Akkorde wurden jetzt immer fetziger und nun kam auch Duke dazu.
Die Hexen kreischten sich die Seelen aus den Leibern, bevor Myron auch nur einen Ton gesungen hatte. Aber dann legte er los. Es war ein so unglaubliches Gefühl inmitten einer kreischenden, singenden Menge zu stehen, die ein und das selbe Lied brüllte. Ich hab jetzt noch einen Ohrwurm. Na na na, na na na, na na na…
Diejenigen, die sich hingesetzt hatten standen auf und sprangen zum Rhythmus auf und ab. Alle grölten das Lied mit und jeder versuchte lauter als der Andere zu singen, wodurch jeder an sein absolutes Limit ging.
Bald war die ganze Halle ein brodelnder Kessel, und als die letzten Akkorde des ersten Lieds verklungen waren, kam es einem vor, als wäre schon eine Ewigkeit vergangen.
Alle waren froh jetzt bei einem ruhigeren Lied entspannen zu können, auch wenn trotzdem ab und zu noch einzelne Schreie ertönten.
Danach ging es genauso fetzig weiter. Ein Hit nach dem anderen dröhnte von der Bühne und auch nach der Paus ließ das Niveau nicht nach. Die Schicksalsschwestern brachten die Fans bis ans Ende ihrer Grenzen.
Natürlich endete das Konzert nicht mit dem letzten Lied auf dem Plan, sondern mit vielen Zugaben. Irgendwann sagte Myron: ,,Wir spielen jetzt wirklich nur noch ein Lied, aber dafür dürft ihr euch wünschen welches!’’
Die Reaktion auf diese Worte war gewaltig.
,,Hippogriff, hippogriff, hippogriff!’’
Also endete das Konzert mit dem Lied, mit dem es begonnen hatte. Wenn das nicht mal ein Konzert im Einklang war!
Danach gaben die Bandmitglieder noch Autogramme, weil sie wegen der Verspätung davor keine Zeit gehabt hatten.
Es war schon der nächste Morgen als Myron, Wintringham, Duke, Gideon, Merton, Thruston, Barbary, Tremlett und ich uns todmüde in unsere Betten fallen ließen.

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