Verzaubertes Weihnachtsgebäck singt Feiergesellschaft ein Ständchen

veröffentlicht am 24.12.2013

geschrieben von Luke Wood(Gryffindor)

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(London) Wie sich eine gewöhnliche Weihnachtsfeier als eine ganz besondere inszenieren lässt, ist eine Frage, die sich wohl viele Unternehmen zur Weihnachtszeit stellen, doch dieses Jahr erhielt eine Londoner Computerfirma dabei unerwartet magischen Beistand.
Wie uns Ministeriumszauberer, die vor Ort waren, berichteten, hatte besagte Firma an einem Freitagnachmittag in der Vorweihnachtszeit zu einer Weihnachtsfeier geladen, um sich mit Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten auf die Feiertage einzustimmen. Nachdem das Programm zunächst planmäßig verlaufen war, löste am frühen Abend ein unerwarteter Zwischenfall eine Welle des Erstaunens unter allen Anwesenden aus.
Just in dem Moment, als der stellvertretende Vorsitzende das Buffet eröffnen wollte, soll dieses angefangen haben, zu singen. „Und nicht nur das“, berichtete einer der amüsierten Teilnehmer unserem Reporter, der sich noch am selben Abend unter die Feiernden ge(sch)muggelt hatte. „Es fing auch an, zu tanzen. Zu tanzen! Können Sie sich das vorstellen? Möchte wirklich wissen, wie die das hingekriegt haben.“ Laut Aussagen mehrerer Anwesender sollen auf die Worte „Und nun einen guten Appetit“ zunächst die Lebkuchenmännchen ihre Teller verlassen und das Weihnachtslied „Oh du fröhliche“ intoniert haben, in das nur wenige Sekunden später auch die Vanillekipferl und Zimtsterne einstimmten. „Und dann haben sie die Kokosmakronen angestiftet. Nun ja, zumindest sah es so aus. Ich meine anstiften. Es sind ja nur Plätzchen, nicht wahr? Eine tolle Installation“, verriet ein anderer Teilnehmer, der ganz entzückt von der Darstellung seines Lieblingsgebäcks war. „Ich liebe Kokosmakronen. Schon, seit ich ein Kind bin und nun haben sie mir zum ersten Mal in meinem Leben ‚Guten Abend, schön Abend' vorgesungen. Fantastisch.“ Fünfzehn Minuten und sechs weitere Lieder später soll dann der Höhepunkt stattgefunden haben, als sich in einem überragenden, finalen Akt die Christstollen in Bewegung setzten und vor der versammelten Menge einen Walzer hinlegten, bevor sie plötzlich – „wie von Zauberhand“ – zu Boden fielen.
„Wir sind natürlich eingeschritten, sobald wir da waren“, ließ uns ein Sprecher des Ministeriums wissen. „Haben dem ganzen Unfug ein Ende gesetzt und wollten gerade damit beginnen, Vergessenszaber zu wirken, als …“
Ein ohrenbetäubender Applaus erschallte. Wie die nun ihrerseits verdutzen Zauberer feststellten, war das Publikum von der ungewohnten Vorstellung derart begeistert, dass es den stellvertretenden Vorsitzenden mit Fragen zu der außergewöhnlichen Vorrichtung, die seine Firma da installiert habe, bombardierte. „Und er hat mehr als nur eine Ausrede gefunden“, teilte uns der Sprecher belustigt mit. „Hat den Muggeln allen möglichen Mist erzählt, von wegen Computerinstallation, neuartige Technologie, an der seine Firma gerade arbeitet, über die er aber noch nichts weiter verraten dürfe. Jedenfalls haben sie ihm geglaubt, weshalb wir uns, auch, weil Weihnachten ist, entschieden haben, die Gedächtnisse der Muggel nicht zu modifizieren, sondern ihnen dieses Erlebnis als unvergessliche, wenn auch unerklärliche Erinnerung zu lassen.“
Dennoch hat der Vorfall im Ministerium für Wirbel gesorgt. „Zauberei ist kein Spielzeug. Und schon gar nicht eines, mit dem man Muggel an der Nase herumführen sollte“, hieß es heute von höchster Stelle. „Natürlich verstehen wir, dass auch Hexen und Zauberer zur Weihnachtszeit ihren Spaß haben wollen, möchten aber noch einmal eindringlich darauf hinweisen, dass es Geheimhaltungsparagraphen gibt und dass die Verursacher mit Sanktion rechnen müssen.“
Anders hingegen sieht das eine Gruppe um den jungen Ministeriumsangestellten Adrian Ward, der sich schon länger für einen gelasseneren Umgang mit Magie, auch im Beisein von Muggeln, einsetzt. „Scheinbar“, so teilte der unserem Reporter mit, „sind Muggel noch weniger geneigt, offensichtliche Magie als solche zu erkennen, als wir annahmen, was uns alle darin bestärken sollte, etwas weniger versteckt mit unseren Fähigkeiten umzugehen. Was die Muggel nicht sehen wollen, sehen sie nicht und wenn sie doch einmal Zeuge werden, dann haben sie offenbar wenigstens Spaß daran. In dem Sinne: Frohe Weihnachten.“

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