Schokofroschdiebstahl

veröffentlicht am 25.08.2007

geschrieben von Eo-Lahallia(Ravenclaw)

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Am frühen Sonntagmorgen meldete der Besitzer eines Zaubersüßwarenladens aus einer Seitenstraße der Winkelgasse einen "schwerwiegenden Einbruch" in seinem Geschäft. Drei Mitarbeiter der Abteilung für magische Strafverfolgung waren schnell vor Ort und fanden den Ladenbesitzer mit deutlich überbelasteten Nerven. Abgesehen davon dass jemand das stabile Glas des Schaufensters in Gardinen verwandelte hatte, deutete zunächst nichts auf einen Einbruch hin. Inhaber Mr Cogerling bestätigte sogar, dass aus der vollen Kasse nicht ein Knut entwendet worden war, ebenso war die Rezeptkartei der geheimen Spezialitäten, die laut Mr Cogerling noch niemals jemand zu Gesicht bekommen hatte, unangetastet. Den einzigen Blickfang bildete dafür eine große, leere Kiste hinter dem Verkaufstisch. Die Inventarüberprüfung ergab rasch, dass absolut nichts fehlte, ausgenommen dem Inhalt eben jener Kiste: Zwei Pfund Schokofrösche.

"Es ist unmöglich, diese einfach zu verkaufen", erklärte Mr Cogerling, "denn das Haltbarkeitsdatum der Schokolade war bereits abgelaufen. Das einzige, was an diesen Fröschen noch Wert hatte, waren die Karten darin." Sollte das also das Motiv für einen solchen Einbruch sein? Ungeschickt stellte der Dieb sich ganz sicher nicht an. Das Schaufenster war selbstverständlich vor zerstörenden oder transformierenden Zaubern geschützt und dennoch hat der Einbrecher sein Ziel erreicht. Die ermittelnden Beamten des Ministeriums bemerkten jedoch vor allem, dass nichts zerstört - die Fensterscheibe ließ sich leicht wieder herstellen - und nichts von Wert mitgenommen wurde, als habe der Dieb besonders rücksichtsvoll sein wollen. Ein Verrückter, so könnte man darüber urteilen. "Einen Dieb mit Sinn für Dinge von ideellem Wert", nannte Mr Cogerling ihn, nachdem die Lage klar war und er sich von seinem Schock erholt hatte.

Ob vorsichtig oder stilvoll, in jedem Fall muss die Abteilung für magischen Strafverfolgung jetzt einen Dieb mit übermäßig vielen Schokofroschkarten (und womöglich einem Infekt wegen dem Verzehr überfälliger Schokolade) suchen. Aussichten auf eine Festnahme gibt es kaum. Mr Cogerling jedoch fühlte sich ermutigt von dieser neuen Sichtweise auf den Umgang mit überfälligen Schokofröschen: Er überlege demnächst derartige Ware reduziert zu verkaufen, sodass begeisterte Froschkartensammler preiswert an die begehrten Bildchen gelangen könnten und nebenbei noch ihrer Gesundheit den Verzehr von pfundweise Schokolade ersparen.

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