Platz 7 Zaubermaus, Ravenclaw - Stups, der kleine Weihnachtshase von Zaubermaus
Stups, der kleine Weihnachtshase von Zaubermaus  Bild von RonRon zu dieser Geschichte Es war am Tag vor Weihnachten. Der Weihnachtsmann lag in seinem Bett. Sein Kopf glühte und dröhnte, die rote Nase triefte und sein Hals tat ihm fürchterlich weh! Eine heftige Grippe hatte ihn erwischt und das ausgerechnet jetzt! Es war klar, dass es ihm nicht möglich sein würde, am nächsten Tag mit dem Rentierschlitten die Geschenke auszufahren. Er würde sich den Tod holen! Aber andererseits, wenn er keine Geschenke ausfahren konnte, musste Weihnachten ausfallen und die Kinder wären alle furchtbar traurig. Doch der Weihnachtsmann hatte darüber nachgedacht. Ihm war eine Idee gekommen. Es war zwar sicher nicht die beste Lösung, aber anders ging es nicht! Er rief nach seiner Frau, die sofort zu ihm kam. „Schick doch bitte mal einen der Wichtel zu Stups, dem Osterhasen! Er soll zu mir kommen. Ich brauche seine Hilfe!“ „Der Osterhase? Mein lieber Mann, du redest im Fieberwahn! Soll der Osterhase die Weihnachtsgeschenke austeilen?“ Die Frau Weihnachtsmann sah ihren Mann kopfschüttelnd an. „Er kennt alle Kinder und darum ist er der Einzige, der die Arbeit für mich machen kann!“, sagte der Weihnachtsmann. Die Frau Weihnachtsmann seufzte tief und ging dann los, um ihrem Mann den Wunsch zu erfüllen. Zwei Stunden später hoppelte ein brauner Hase in einer blauen Latzhose, die über und über mit Farbe bekleckert war, zum Bett des Weihnachtsmannes. „Hallo Stups! Gut, dass du so schnell kommen konntest! Ich bin krank und ...“ „Das sieht man! Du solltest mehr Möhren essen, dann wärst du gesünder! Schau mich an!“ „Kurz und gut, ich brauche jemanden, der für mich morgen die Geschenke zu den Kindern bringen kann! Sonst müsste Weihnachten ausfallen und das wäre schrecklich!“ „Oh“, Stups bekam vor Stolz ganz rote Ohren, „darf ich dann mit dem Schlitten fliegen?“ „Natürlich“, sagte der Weihnachtsmann, „sonst könntest du die Geschenke doch gar nicht alle transportieren. In dein Eierkörbchen passen so viele große Päckchen nicht rein!“ „Krieg ich dann auch die Rentiere? Dasher und Dancer und Prancer und Vixen und Komet und Cupit und Donner und Blitzen und den mit der roten Nase. Wie heißt der doch gleich?“ „Rudolph! Ja, du bekommst auch die Rentiere.“ Stups schlug vor Freude einen Purzelbaum. „Weihnachtsmann, du bist toll! Und du wirst ganz bestimmt bald wieder gesund! Danke! Du kannst dich auf mich verlassen! Ich werde meine Sache ganz gut machen! Du wirst mich immer als Helfer haben wollen, wenn du das gesehen hast!“ „Ist ja schon gut! Du wirst es sicher großartig machen. Jetzt geh zu meiner Frau. Sie soll dir warme Weihnachtsmannkleidung geben. Nicht, dass du auch noch krank wirst. Und dann ruh dich noch ein wenig aus. Die Reise wird anstrengend werden!“ „Ja, ich mache alles, was du sagst, Weihnachtsmann!“ Stups hüpfte vergnügt und stolz aus dem Zimmer. „Wenn das mal gut geht!“ murmelte der Weihnachtsmann in seinen Bart. Es war noch stockdunkel, als Stups sich am nächsten Tag auf den Weg machte. Die Wichtel hatten die Rentiere eingespannt. Rudolphs Nase leuchtete hell, so dass die Frau Weihnachtsmann und alle Wichtel den seltsamsten Weihnachtsmann bewundern konnten, den sie je gesehen hatten. Stups trug einen roten Weihnachtsmannanzug mit einem breiten, schwarzen Gürtel und schwere, gefütterte Stiefel. Auf dem Kopf saß eine warme, rote Mütze. Um auch ja wie der Weihnachtsmann auszusehen, hatte er sich einen weißen Bart angehängt, der fast bis zum Boden reichte. Stups kletterte auf den Schlitten und nahm die Zügel in die Hand. Die Glöckchen begannen leise zu klingeln. Und schon ging die Fahrt los! Ein paar Meter, dann hoben die Rentiere mit dem Schlitten vom Boden ab. Die langen Hasenohren und der unglaublich lange Bart flatterten im Wind. „Hui, das macht Spaß!“, jauchzte Stups begeistert. Schon bald setzte der Schlitten zur ersten Landung an. Gewissenhaft schlich sich Stups in jedes Haus, in dem Kinder wohnten. Doch obwohl Stups den Anzug eines Weihnachtsmannes trug, seine Osterhasen-Identität konnte er nicht ganz vergessen. Er stellte schnell fest, dass es gar nicht so leicht war, Weihnachtsgeschenke, die oft in riesigen Päckchen verpackt waren, zu verstecken. Wie einfach war das immer mit den Ostereiern! Die konnte man außerdem auch oft in Gärten verstecken. Die Weihnachtsgeschenke mussten in den Häusern abgeliefert werden. Stups, der die Welt nur von Ostern her kannte, staunte nicht schlecht, was es da jetzt im Dezember alles zu sehen gab. Viele Leute hatten in ihren Wohnungen Tannenbäume aufgestellt und komische Kugeln und Kerzen und Glitzerzeugs drangehängt! Andere hatten Strümpfe an den Kaminen aufgehängt! An anderen Orten hörte er Menschen singen. Wieder in anderen Ländern versank er bis zum Bauch im Schnee. „Die Menschen sind schon komische Geschöpfe“, murmelte Stups, während er ein riesiges, rotes Päckchen unter einem Tisch versteckte, auf dem ein Teller mit komischen Keksen stand. Als echter Hase mochte er keine Kekse! Karotten und Salat waren da doch besser! Nachdem Stups das letzte Päckchen abgeliefert hatte und die Rentiere den Schlitten in Richtung Heimat flogen, überlegte sich Stups, dass es zwar Spaß machte, mal Weihnachtshase zu spielen, aber Osterhase war doch besser! Währenddessen beobachtete der kranke Weihnachtsmann alles durch sein Zauberfernglas, mit dem er auch immer nachschauen konnte, ob die Kinder wirklich so brav waren, wie ihm seine Wichtel berichteten. Der arme Weihnachtsmann traute seinen Augen kaum, als er sah, wie Stups ein Geschenk unter einem Tisch versteckte. „Was treibt denn der verrückte Hase da?“, stöhnte er. Die armen Kinder! Alle hatten sie sich auf Geschenke gefreut, doch sie fanden nichts! Die Plätze unter den Weihnachtsbäumen waren leer, in den Socken steckte rein gar nichts. Entsetzt sah der Weihnachtsmann unzählige traurige Kinderaugen und er musste hilflos zusehen, wie Tausende von Tränen vergossen wurden. Und Kindertränen waren für den Weihnachtsmann das Schlimmste überhaupt! Kein Kind auf der Welt sollte traurig sein! Und schon gar nicht an Weihnachten! „Na warte, mein Freund, das bringst du wieder in Ordnung!“, schwor sich der Weihnachtsmann. Müde und erschöpft, aber unendlich stolz und glücklich kam Stups von seiner Reise zurück. Er sehnte sich nach seinem weichen Bett im Klee und freute sich darauf, morgen wieder Eier bunt anzumalen. „Auftrag erfolgreich ausgeführt, Weihnachtsmann!“, sagte Stups freudestrahlend. Doch der Weihnachtsmann schaute ihn gar nicht so gutmütig an, wie man das von ihm kannte. „Erfolgreich? Was hast du dir dabei gedacht?“, polterte er. Stups fiel vor Schreck auf den Po. „Aber ... aber ... was meinst du?“, stotterte er. „Schau selbst!“ Der Weihnachtsmann reichte dem Osterhasen das Zauberfernglas und Stups sah verblüfft, wie ein kleines Mädchen herzzerreißend weinte, wie einem Jungen Tränen über die Wangen liefen, wie Eltern vergebens versuchten, ihre Kinder zu trösten ... „Was haben die alle?“, fragte Stups verblüfft. „Ich war bei jedem Einzelnen!“ „Ja, aber du hast die Geschenke versteckt! Das tut ein Weihnachtsmann nicht! Manche haben durch Zufall ihre Sachen gefunden, aber viele eben nicht! Stups, das bringst du in Ordnung! Ich dulde keine Kindertränen an Weihnachten!“ „Nicht verstecken? Aber das ist doch langweilig!“ „Es gehört nicht zu Weihnachten und du wirst sofort losgehen und die Geschenke so hinlegen, dass die Kinder sie sehen. Und du wirst dich bei ihnen entschuldigen. Wie du das machst ist mir egal!“ „Ja, ja natürlich, Weihnachtsmann, ich mach alles! Ich springe sofort auf den Schlitten und ...“ „Die Rentiere sind müde und erschöpft und sie brauchen ihren Schlaf! Sie schaffen diese Reise erst wieder im nächsten Jahr! Du wirst wohl mit Osterhasengeschwindigkeit durch die Welt hoppeln müssen auf deinen eigenen Füßen!“ „Aber ich bin doch auch so schrecklich müde und ...“ „Das ist mir egal, Stups! Daran bist du selber Schuld! Und jetzt mach dich auf den Weg!“ Kleinlaut schlich Stups aus dem Zimmer des kranken Weihnachtsmannes. Kaum war er draußen, kam jedoch Leben in ihn. Er flitzte los zu seinem Osterhasennest. Dort füllte er seinen Korb mit bunten Eiern und machte sich auf den Weg. Wieder schlich er sich in jedes Haus, wo es Kinder gab. Er legte die Geschenke unter die Weihnachtsbäume und er legte ein buntes Osterei dazu. Der Weihnachtsmann sah es mit Genugtuung. Endlich sah er strahlende Kinderaugen und er schmunzelte über die verdutzten Gesichter, als Kinder und Eltern die bunten Eier entdeckten, von denen sich niemand so recht erklären konnte, wo sie an Weihnachten herkamen. „Siehst du, das ist echte Weihnachtsfreude“, sagte der Weihnachtsmann zu Stups, als dieser völlig erschöpft zurückkam. „Weißt du, was für mich eine echte Weihnachtsfreude wäre?“, fragte Stups. „Nein, was denn?“, fragte der Weihnachtsmann neugierig. „Ein warmes, weiches Bett!“ „Das hast du dir verdient und das sollst du bekommen. Geh in die Kammer nebenan, da kannst du schlafen, so lange wie du willst!“ Stups schlief wie im Himmel und er träumte von seiner gelungenen Weihnachtsüberraschung: Ostereier unterm Tannenbaum.