Platz 3 Alecandra, Slytherin - Stellas Weihnachtswunder von Alecandra
Stellas Weihnachtswunder von Alecandra  Bild von hokey zu dieser Geschichte Es war der 25. Dezember. In der Luft lag der Geruch nach Gebäck, Früchten und Gewürzen. Die Straßen waren beleuchtet und mit Schnee bedeckt. Es war Weihnachten. Alles war in heiterer und vergnügter Stimmung. Auch in der kleinen Dorfkneipe am Rande der Stadt. „Zum goldenen Engel“ war auf dem Schild zu lesen und drinnen nahm der Wirt die letzten Weihnachtsvorbereitungen vor. „So meine Lieben, das war es für heute. Lasst uns nach Hause gehen. Immerhin ist heute Weihnachten.“ Dann erhob er sich und ging mit den Angestellten Richtung Tür. „Und es macht dir wirklich nichts aus Stella, wenn du heute die Nachtschicht übernimmst? Du kannst auch gerne bei mir feiern!“ Ein 19-jähriges, rothaariges Mädchen blickte vom Tresen auf. „Schon in Ordnung Marc! Es war doch jedes Jahr so und ich habe doch eh niemanden. Also mach dir keine Sorgen!“ Sie lächelte. Der Wirt nickte nur. „Na dann, wenn du nicht willst. Frohe Weihnachten.“ „Bis morgen, Süße!“, sagte Wendy und umarmte ihre Kollegin. „Wenn was ist, dann ruf uns an!“ „Verschwindet endlich! Eure Familien warten!“, erwiderte sie gereizt und setzte beide buchstäblich vor die Tür. Die Tür schloss sich und die Kneipe wurde in ein dämmerndes Licht getaucht. Stella seufzte. Es war dieselbe Atmosphäre seit zehn Jahren. Draußen schneite es und das Radio spielte einige Weihnachtslieder. Jeder Mensch würde dies als armselig bezeichnen. Aber das Mädchen hatte sich damit abgefunden. Zwar hätte sie bei ihren Kollegen feiern können, aber sie hätte sich nur etwas fehl am Platz gefühlt. Sie schüttelte den Kopf. „Dann werde ich mal aufräumen“, sagte sie und holte den Besen aus der Kammer. Es war ungefähr 22 Uhr, als Stella die Tür abschließen wollte. Da klopfte es plötzlich an die Tür! Die 19-Jährige war erstaunt. „Um diese Uhrzeit?! Wer kann denn das sein?“, fragte sie sich. Da öffnete sich auch schon die Tür und ein großer Mann mit schneebedecktem Umhang trat ein. „Ich sah, dass noch Licht brannte und wollte fragen, ob ich mich hier etwas aufwärmen könnte?“ Stella schaute etwas irritiert. „Störe ich denn?“, fragte der Fremde nochmal freundlich. „Nein! Natürlich nicht. Bitte setzten Sie sich doch!“ Sie zeigte auf den Tisch rechts neben dem Fenster. „Möchten Sie was essen oder trinken?“ „Ja! Wenn Sie etwas da haben!“ „Sicher! Wir sind immerhin eine Kneipe und Sie ein Kunde!“ Sie lächelte. „Ich fürchte, dass ich nicht zahlen kann!“, erwiderte der Unbekannte. Das Mädchen sah verwirrt drein, dennoch antwortete sie: „Was soll’s! Es geht auf Kosten des Hauses“, lachte sie und ging Richtung Küche. Nach ein paar Minuten kam sie wieder und stellte dem Mann einen Teller mit Erbsensuppe und eine Tasse Kaffe auf den Tisch. „Das wird Sie aufwärmen.“ Der Fremde bedankte sich und begann zu essen. Dadurch, dass er seinen Umhang abgelegt hatte, konnte sie nun sein Gesicht erkennen. Die Haut war etwas dunkel, die Haare kastanienbraun und die Augen blau. Er wirkte zwar wie Mitte 20, könnte aber auch älter sein. Als er bemerkte, dass die Rothaarige ihn die ganze Zeit anstarrte, lächelte er und sprach: „Leiste mir doch Gesellschaft.“ Ein wenig überrumpelt von dieser Aufforderung, setzte sich Stella zögernd ihm gegenüber. „Warum sind Sie so spät abends noch unterwegs?“, fragte sie ihn jetzt direkt. „Ich bin auf Wanderschaft und reise überall umher“, erwiderte er höflich. „Haben Sie keine Familie, die auf Sie wartet?“ Er schaute sie mit einem seltsamen Glitzern in den Augen an. „Vielleicht sollten wir uns erstmal vorstellen. Man kennt mich unter dem Namen Leynad, und dich?“ „Stella!“ „Stella“, murmelte der Braunhaarige, „das bedeutet Stern!“ „Wirklich? Das wusste ich gar nicht!“ Begeisterung spiegelte sich in ihrer Stimme wider. „Also hast du nun eine Familie?“ „Nein! Jedenfalls nicht das, was du unter einer Familie verstehst.“ Die 19-Jährige sah ihn schräg von der Seite an. „Und was ist mir dir? Warum bist du am Geburtstag des Herrn hier, anstatt zu Hause bei deiner Familie?“ Auf Stellas Gesicht zeichnete sich ein trauriges Lächeln ab. „Ich habe keine Familie. Meine Eltern starben, als ich neun war, und seitdem arbeite ich hier in der Kneipe und übernehme jede Nachtschicht an Weihnachten. Ich habe eh niemanden, der auf mich wartet.“ Leynad beobachtete sie die ganze Zeit und nickte hin und wieder, dennoch unterbrach er sie nicht. „Ich könnte zwar bei meinen Kollegen feien, aber das habe ich abgelehnt“, fuhr Stella fort. „Ich würde mich da nur irgendwie fehl am Platz fühlen. Deswegen feiere ich seit zehn Jahren Weihnachten alleine!“ Tränen glitzerten in ihren Augen. „Dann ist es an der Zeit, das zu ändern!“, erwiderte der junge Mann und ehe Stella sich versah, stand mitten im Raum ein riesiger Weihnachtsbaum, so schön geschmückt, dass die Rothaarige glaubte, nie etwas Prunkvolleres gesehen zu haben. Aber das war nicht das Einzige. Auf dem Tisch standen nun die leckersten und schönsten Weihnachtsleckereien, die sich das Mädchen nur denken konnte. „Ich glaube, ich träume!“, brachte sie atemlos hervor. „Was geht hier vor?“ Leynad lächelte sie warm an. „Nenne es ein Weihnachtswunder! Wir beide werden jetzt gemeinsam Weihnachten feiern!“ Mit einer Handbewegung forderte er seine Gastgeberin auf, sich zu bedienen. Da Stella der Magen knurrte, griff sie auch gleich zu und genoss das gute Essen. Leynad tat es ihr gleich und somit aßen sie beide schweigend, aber glücklich. Als sie geendet hatten, fragte der Mann Stella plötzlich: „Was ist eigentlich dein größter Weihnachtswunsch?“ Etwas irritiert von der Frage antwortete die 19-Jährige: „Nie mehr einsam zu sein und eine Familie zu haben!“ Da erhob sich Leynad und reichte ihr die Hand: „Komm mit mir! Ich will dir was Schönes zeigen!“ Obwohl Stella zögerte, griff sie mit zitternder Hand nach seiner. „Und wo gehen wir hin?“ „Das wirst du schon sehen!“, antworte er nur knapp und führte sie hinaus aus der Stadt Richtung Wald. Auf einer Lichtung hielten sie an. „Und was tun wir jetzt?“ Eigentlich müsste Stella jetzt Angst haben. Aber irgendetwas sagte ihr, dass sie Leynad vertrauen könnte. „Jetzt erfülle ich dir deinen Weihnachtswunsch!“, erklärte er und hüllte sie in seinen Umhang, denn das Mädchen fror gewaltig. Instinktiv kuschelte Stella sich in den Umhang und schloss die Augen. Sie spürte diese Wärme und Geborgenheit in sich aufsteigen und ihr war es so, als ob sie schweben würde. Ihr wurde alles leicht ums Herz. Nur am Rande nahm sie noch die sanfte Stimme von Leynad war, die flüsterte: „Nun wirst du nie mehr einsam sein!“ Dann war alles schwarz. Am nächsten Morgen standen Marc und Wendy vor der Kneipe. „Seltsam! Hat Stella vergessen, die Tür abzuschließen?“, fragte sich Marc, als er bemerkte, dass die Tür offen war. Besorgt rannte Wendy nun ins Wirtshaus und rief Stellas Namen. Aber sie erhielt keine Antwort. Marc tat es ihr gleich, aber erfolglos. Nichts erinnerte mehr daran, was letzte Nacht passiert war. Weihnachtsbaum und Festmahl waren verschwunden. Nur eine Engelsfeder lag auf dem Tisch, an dem Stella und Leynad gesessen hatten. Diese blies nun ein sanfter Windhauch durch das offene Fenster dem Himmel entgegen.